Zurück auf Anfang: Thema Zuschauerlüge.

Samstag, 05. November 2011

Zurück auf Anfang: Thema Zuschauerlüge.

Ich hab mir mal den Artikel in der Sueddeutschen durchgelesen, der zwar überall referenziert wird, aber wohl nur gestern (Freitag) in Papierform verbreitet wurde. Es ist ein Interview mit Richter/Lindner und auf mich macht es einen sehr gescripteten Eindruck. Die gestellten Fragen scheinen wie eine Vorlage, um die aktuelle Strategie - Wir sind nur Opfer und wurden mit falschen Zahlen auf’s Kreuz gelegt - zu verstärken.

Ein paar Statements sind dabei, da dreht’s einem echt den Magen um:

“Wir können nicht zaubern. Wir können einen Blinden nicht sehend machen.”

Gemeint ist Nürburgring 2009 und gesagt hat das ausgerechnet Kai Richter, der maßgeblich an Planung und Umsetzung beteiligt war. Und der Schwarze Peter ist auch schon gefunden: die Besucherzahlen.

SZ: Was läuft schief? Wo bleiben die vorhergesagten Besucher?

Richter: Das ist das generelle Problem, das wir hier vorgefunden haben: Der frühere Betreiber, die Nürburgring GmbH, wie auch die Veranstalter haben mit Besucherzahlen operiert, die allesamt falsch waren. Man hat die offiziell gemeldeten Zahlen einfach addiert und dann noch mit zwei multipliziert, weil manche Veranstaltungen ja über mehrere Tage gehen. So ist man auf eine irrsinnige Zahl von vier Millionen Gästen gekommen. Heute wissen wir, nach zwei Saisons, dass wir nicht mal mit einem Viertel davon rechnen können.

SZ: Also nur eine Million im Jahr?

Richter: Nein, viel weniger.

Da muß man sich echt die Augen reiben, das sind ja mal völlig überraschende Einsichten.

Stinknormale Bürger wie Du und ich haben sich lange vor den Ausgrabungen mit den Zahlen beschäftigt und sie für völlig übertrieben befunden. Grade die Tatsache, daß die oft geschönten Veranstalterzahlen Einzug gehalten haben in einen Businessplan, aufgrund dessen dann Beton vergossen wurde, war von Anfang an Kritikpunkt Nummer 1 aller öffentlichen Diskussion.

Weit VOR Vertragsunterzeichnung - am 4.Okt.2008 - wurde von der MSR (Motorsport Resort Nürburgring GmbH) diese Pressemitteilung unter die Leute gebracht.

Da ist zu lesen:

Der Nürburgring ist als Rennstrecke eine lebende Legende und wird von seinen Anhängern ehrfurchtsvoll Grüne Hölle genannt. Er ist heute einer der traditionsreichsten und gleichzeitig innovativsten Motorsportplätze der Welt. Und eines der beliebtesten Nationalmonumente in Deutschland. Rund zwei Millionen Besucher erleben hier jedes Jahr rund 100 Rennen und 200 weitere Veranstaltungen. Formel 1, DTM, 24h-Rennen, Rock am Ring sowie Truck- und Oldtimerrennen gehören ebenso dazu wie Fahrertrainings, Offroad-Touren und Touristenfahrten.

Kai Richter war zu diesem Zeitpunkt Geschäftsführer dieser GmbH (zusammen mit Erich Geisler).

Von den 4 Millionen war tatsächlich mal die Rede, aber davon hat man schnell wieder verabschiedet.

Zum Zeitpunkt der Grundsteinlegung im April 2008 wurde verbreitet, daß man die aktuellen 2 Mio. Besucher um 500.000 auf 2,5 Millionen steigern möchte.

Mit dem Projekt „Nürburgring 2009“ soll nun die jährliche Besucherzahl an der Rennstrecke, die 2007 seit 80 Jahren bestand, um eine halbe Million auf 2,5 Millionen steigen.

Diese Zahlen - 2 Mio. plus 0,5 Mio. - wurden über die Jahre dann aufrechterhalten.

VOR Vertragunterzeichnung wird Kai Richter am 25.Sep.2009 so wiedergegeben:

Und er sei überzeugt, dass auch das Gesamtkonzept am Nürburgring aufgehe. Die öffentliche, größtenteils negative Diskussion um das Eifel-Projekt hat er satt. “Lasst uns doch einfach mal ein Jahr in Ruhe und zeigen, ob das Projekt ein Erfolg wird oder nicht."

Und zum Jahreswechsel 2009/2010 so:

Mediinvest-Geschäftsführer Kai Richter sieht sein Konzept für den Ring als ganzjährige Freizeitattraktion in der Eifel vor allem durch die Besucher-Resonanz bestätigt. Das neben der Rennstrecke Nürburgring hochgezogene „Eifeldorf Grüne Hölle“ (benannt nach dem Spitznamen der Rennstrecke) mit seiner Diskothek „Eifel-Stadl“ und zahlreichen weiteren Gaststätten, das neue Congresshotel und die motorsportlich geprägten Attraktionen um Ring-Arena, -Boulevard und -Werk hätten in ihrem ersten Jahr bereits erfolgreich eingeschlagen, befindet Richter. Nicht nur von weiter her angereiste Touristen, sondern auch Gäste aus der Eifel selbst hätten für erfreuliche Umsätze gesorgt, die teils deutlich über den Erwartungen lagen.

Allein die Diskothek zählte in ihren ersten sechs Monaten 100 000 Gäste, so der Investor. Das steht in unübersehbarem Widerspruch zu den Angaben früherer Geschäftsführer am Ring, die in ihrer Befragung in Mainz aussagten, die Besucherzahlen seien - auch infolge verspäteter Fertigstellung einiger Attraktionen - bisher weit unter den Prognosen geblieben. Ins „Ring-Werk“ kamen in diesem Jahr nur halb so viele Besucher wie erwartet. Der Mediinvest-Chef sieht es eben einfach anders.

Die Besucherzahlen - sowohl die verbreiteten als auch die darauf basierenden Prognosen - wurde von der Öffentlichkeit immer wieder in Frage gestellt.

Allen voran Wilhelm Hahne, der sich sogar mal die Mühe gemacht hat, die einzelnen Veranstaltungen aufzubröseln, um dann eine konservative Schätzung mit allem Aufrunden von 750.000 Besuchern abzugeben. Das war bereits im Jahr 2007 - genau am 13.Dez.2007 und damit auch in einem Formel 1 Jahr.

Am 2.Feb.2010 - also auch VOR Vertragsunterzeichnung - hat Norbert Hanhart im Untersuchungsausschuß Klartext gesprochen und die RZ hat darüber geschrieben:

“Die Prognose, mit dem im Sommer 2009 eröffneten Freizeitpark an der Rennstrecke jährlich 500 000 Besucher mehr anlocken zu können, sei auf fragwürdiger Basis zustande gekommen, kritisierte Hanhart. Teils sogar mit ”Taschenspielertricks“. So seien damalige Besucher zweier schon vorhandener Attraktionen am Nürburgring einfach doppelt gezählt worden. ”Das war eine Art wundersamer Besuchervermehrung.“ [..] Fatalerweise waren die ”überzogenen Prognosen“ nach Darstellung des Zeugen aber die Grundlage des Ausbaukonzepts. ”Wenn die Basis nicht stimmt, kann das Haus nicht halten“, sagte Hanhart. Am Ring sei eine landschaftsverschandelnde ”Gigantomanie“ geplant worden.”

Später kam es noch doller, als ein Excelpapier geleakt ist, das die doppelte Buchführung der Zuschauerzahlen dokumenieren soll. Das habe ich seinerzeit auch aufgegriffen - am 4.Nov.2010.

Daß die Besucherzahlen nicht nur leicht geschönt, sondern massiv nach oben phantastiert wurden, war in der Öffentlichkeit stets Kritikpunkt Nummer 1 für den völlig überdimensionierten Größenwahnsinn namens “Nürburgring 2009”. Solange man seine eigenen Bauprojekte damit in große Dimensionen schieben konnte, war das opportun. Jetzt - wo das wackelige Kartenhaus Stück für Stück kollabiert - möchte man sich reinwaschen und sucht verzweifelt nach Auswegen.

Daß man den Ausweg über die Zuschauerlüge wählt, zeigt eigentlich nur die Größe der Verzeifelung.


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