Lieber Hans-Joachim Stuck: für wie naiv hälst Du uns.

Sonntag, 23. August 2015

Lieber Hans-Joachim Stuck: für wie naiv hälst Du uns.

Am Freitag abend war STRassenfest in Nürburg und das durfte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Mein erster Ringrennbesuch für dieses Jahr steht noch aus - da freue ich mich auf die WEC nächste Woche.

War ganz gut besucht, man beachte das standesgemäße SAVE THE RING Shirt:

Sabine darf natürlich nicht fehlen:

Wettertechnisch kein Grund zur Klage - die Lenzbühne vom Feinsten:

Nein, auch wenn es so aussieht - die Gesprächspartner wurden nicht der Größe nach aufgereiht:

Pünktlich zu Ossi’s Einführungen auf der Bühne habe ich mein Auto abgestellt und - man hätte es nicht besser inszenieren können - kam die tapfere Kämpferin Uschi Schmitz um die Ecke und als wir gemeinsam Richtung Lenz’schem mobilen Kundgebungstruck gingen ist Ossi kurz auf die STR Historie und das rot-weisse N eingegangen. Und bei der Gelegenheit ist auch mein Name gefallen.

Mein Gehirn hat noch eine der wenigen freien Schubladen Schlüsselmomente aufgemacht und die Situation abgeheftet. Danke Ossi.

Auch ohne diesen persönlichen Seelenbalsam fand ich Ossi’s Moderation und Einleitung richtig gut. Er hat den Gesprächspartnern den Raum gegeben, den sie brauchten - ohne sich selber in irgendeiner Form in den Vordergrund zu rücken.

Trotzdem ist es mir schwergefallen zu bleiben. Der Grund war Hans-Joachim Stuck, der erste der Redner von den insgesamt 9 Leuten auf dem Lenztruck.

Wisst Ihr, wer an dem Tempolimit jetzt Schuld sein soll? Jean Todt, der FIA Präsident.

Der hat nämlich - O-Ton HJS - ebendiesen schon am folgenden Sonntag nach dem folgenschweren Unfall angerufen und gedroht, dass das 24h-Rennen ausfällt, wenn keine einschneidenden Maßnahmen - wie z.B. Tempolimit - ausgesprochen werden.

Was soll man da machen? Da sind selbst dem DMSB Präsidenten die Hände gebunden. Nochmal O-Ton HJS: das ist der Oberchef, das 24h-Rennen ist international ausgeschrieben, dann hat die FIA die Verantwortung - kannste halt nix machen.

Bin ich der einzige, den das an das Vorgehen der RLP Regierung erinnert, die auch versucht hat von der eigenen Schuld abzulenken und den schwarzen Peter Richtung Brüssel bzw. EU geschoben hat?

HJS schiebt ihn noch ein bischen weiter bis nach Paris - Hauptsache: weg.

Und hier spanne ich nochmal den Bogen zurück zu der Überschrift, denn dass der Herr Motorsportpräsident die versammelten Motorsportler für so einfältig hält ihm diese Nummer abzukaufen, ist an Arroganz nicht mehr zu überbieten.

Denn zeitgleich zum 24h-Rennen sind im Rahmenprogramm die WTCC Piloten gefahren - eine direkt von der FIA ausgerichtete Weltmeisterschaft - OHNE TEMPOLIMIT.

Jean Todt ruft also extra an und fordert Maßnahmen für ein Rennen, das nicht in seiner Verantwortung liegt (N24h), während ausgerechnet das Rennen, das in seiner Verantwortung liegt (WTCC) nicht betroffen ist.

Die Begründung des Tempolimits für die arme Nordschleife ist nicht nur unlogisch, es ist auch superpeinlich. Selbst wenn es - hoffentlich bald - aufgehoben wird, die Nordschleife ist die erste Rennstrecke auf der ganzen Welt, die ein 24h-Rennen mit Tempolimit durchgeführt hat. Ausgerechnet die Nordschleife!

Danke an alle Beteiligten.

Wer hier länger mitliest weiss, dass ich ein Freund von Reverse Engineering bin. Manche Sachen werden erst im Nachhinein erklärbar, wenn mehr Informationen an die Öffentlichkeit gelangen bzw. wenn man ein komplexes Konstrukt auseinanderbaut und dabei feststellt, welche Rädchen ineinander greifen.

An dem tragischen Unglückstag war zufälligerweise der DMSB Geschäftsführer Christian Schacht persönlich vor Ort. Kommt nicht so oft vor bei der VLN.

Und um seinem Anspruch als Macher gerecht zu werden - oder aus Angst vor Staatsanwaltschaft? - hat er erstmal den Stecker gezogen und großflächig alles was irgendwie schnell ist von der Nordschleife verbannt. Angefangen von der SP10 (!) bis zur GT3 wurde alles gesperrt.

Ist mir zwar bis heute ein Rätsel wie der DMSB, der gar nicht für die Streckenabnahme zuständig ist, so etwas beschließen kann - aber Schwamm drüber.

Dieser Schnellschuß - noch am selben Tag oder einen Tag später - hat dann natürlich zu reger Betriebsamkeit aus Richtung ADAC Nordrhein geführt, denn das 24h-Rennen stand vor der Tür. Schlimmer noch, das Qualirennen war schon 2 Wochen später (11.–12.4.).

Und so wurden wir dann mit den Massnahmen beglückt, die bis heute gelten - inklusive Tempolimit. Alles wieder vom DMSB.

Dank Tempolimit war das GT3 Verbot vom Tisch, der Goldesel N24h gerettet und was mit der VLN und anderen passiert (sinkende Starterzahlen!) interessiert doch nach dem 24h-Rennen niemanden mehr.

Ebenso zufälligerweise hat ausgerechnet an dem Unfallort Audi seit einiger Zeit seine VIP-Base aufgeschlagen und - der nächste Zufall - ist HJS nach wie vor - neben seiner ehrenamtlichen DMSB-Präsidentschaft - in Lohn und Brot beim Volkswagenkonzern.

Auch diese Location wurde durch das Tempolimit gerettet.

Und wenn man jetzt- reverse engineered - diese ganzen Zufälle aneinanderreiht, dann machen die Entscheidungen auf einmal ganz viel Sinn.

Ich will damit nicht sagen, dass es auch so war - das können nur die Beteiligten offenlegen. Aber die Jean Todt Nummer klingt im Vergleich zu der oben aufgeführten alternativen Handlungsfolge so märchenhaft, dass man uns schon für sehr einfach denkend halten muss, diese Nummer zu kaufen.

Dabei hab ich den Mann mal verehrt :/ Gestern ist er einfach nur noch tiefer gesunken - ein Armutszeugnis. Das ging übrigens nicht nur mir so und der Applaus war eher Mitleid als Anerkennung.

Der CNG Geschäftsführer Carsten Schumacher meinte bei seiner Ansprache, dass die Veranstaltung ja eigentlich hinfällig sei. Und auf einmal wird es auch dem letzten klar, dass der Runde Tisch letzte Woche auch eine gute Gelegenheit darstellt, dem STRassenfest den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Nachdem ich die beiden aber überstanden hatte, hat sich noch eine sehenswerte Diskussion entwickelt - auch wenn nichts neues herausgekommen ist.

Immerhin haben Jürgen Alzen und Klaus Abbelen ihrem Ärger ordentlich Luft gemacht - Jürgen hat sich in keiner Weise vom Hans beeindrucken lassen und Klaus hat gewohnt hemdsärmelig noch Zebrastreifen und Verkehrskreisel in’s Spiel gebracht.

Leicht geschluckt habe ich, als sowohl Olaf Manthey als auch Klaus Abbelen den Nissan Leuten ordentlich eingeschenkt haben, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dann war Stümper das Qualitätsmerkmal für deren technische Leistung das Aufsteigen in den Griff zu bekommen.

Als Karl Mauer zu Wort kam, war ihm auch nicht besonders zu lachen zumute, denn die VLN kämpft mit deutlich sinkenden Starterzahlen. Das ist keine Eintagsfliege, sondern scheint sich bedrohlich zu manifestieren. Gilt auch für die anderen Serien. Der Grund unisono: Tempolimit.

Die Veranstaltung wurde live gestreamt und hier kann man sich das auch im Nachhinein nochmal anschauen.

Es gibt sogar eine schriftliche Zusammenfassung der Redebeiträge.

STRassenfest | CarstenSchumacher | Stuck | Todt | Tempolimit | Nürburg | Schacht | DMSB |

Kommentieren? Gerne per Email, Twitter, Forum oder Facebook.


Neue renn.tv Einträge:


<<<  Zurück zum Blog


Studie AG Japan Mercedes Hartmann Hotel am Tiergarten - Café und Restaurant direkt am Nürburgring Wochenspiegel Live - Die Onlineausgabe Ihres Anzeigenblatts
Fahrzeugbeschriftungen Teil und Vollverklebung. Folieren statt Lackieren. Glastec Autoglass Reifen Schlag Nürburgring - Rennreifen am Ring Freiberger Sicherheitssysteme, Köln-Sülz
Das Buch zum Rennen 24 Stunden Nürburgring Save The Ring! 20832 sucht Sponsor-Partner 20832 sucht Sponsor-Partner