Motorsport-Übertragungen in der Zukunft.

Mittwoch, 03. Februar 2016

Motorsport-Übertragungen in der Zukunft.

Wir erleben gerade eine sehr spannende Phase, denn viele althergebrachte Traditionen in der Übertragung von Motorsport-Veranstaltungen werden durch moderne Ansätze abgelöst. Rolex24 hat die Latte wieder etwas höher gelegt mit einer durchdachten IMSA Live-App, Bathurst kündigt erweiterte Timing-Funktionen an - während das 24h-Rennen am Ring bzw. ADAC Nordrhein bzw. Wige meint, dass ein neuer TV Vertrag das Gelbe vom Ei sei. Und MotoGP will uns 21 USD für eine Timing App abknöpfen!

Durch die an Fahrt gewinnenden technischen Möglichkeiten der Rennübertragungen sind völlig neue Konkurrenzsituationen entstanden. Eine etablierte Veranstaltung wie Dakar sieht sich auf einmal mit einem Endurancerennen in Dubai konfrontiert und Schwergewichte wie MotoGP, Formel 1 oder Le Mans bemühen sich in fremden Gewässern zu fischen, denn neue Anhänger zu gewinnen und damit zu wachsen, wird zunehmend schwieriger. Da gräbt man dann schon-Motorsport-Fans bei existierenden Veranstaltungen ab.

Ein weiterer Aspekt ist, dass sowohl die Werbetreibenden als auch die teilnehmenden Marken global auf allen Märkten vertreten sind. Ein Rennen in Australien macht z.B. für Audi oder Aston Martin genauso viel Sinn wie ein Rennen in Amerika, Asien oder Europa. Und noch viel mehr Sinn macht es, wenn es den Veranstaltern gelingt, ein weltweites Publikum zu erreichen.

Der Rolex24 Hashtag war am Sonntagmorgen trending - in Deutschland! Alles richtig gemacht Daytona.

Zusätzlich kommt es den Verantwortlichen zugute, dass es auch den Zuschauern einfacher gemacht wird zueinander zu finden. Wo man früher gut versteckte Special Interest Foren ausfindig machen musste, reicht es heute den richtigen Twitter Hashtag zu kennen.

Die Fahrer, die natürlich auch in einer besonderen Konkurrenzsituation zueinander stehen, haben den Trend als erste erkannt und arbeiten fleissig daran ihre Follower zu bedienen. Als ich 2013 zum ersten Mal die Social Media Aktivitäten des kompletten Le Mans Starterfeldes untersucht habe, war das Thema noch relativ jungfräulich. Heute veröffentlicht der ACO Twitter/Facebook/Homepage aller Teilnehmer mit gelassener Selbstverständlichkeit. Besonders engagierten Fahrern gelingt es ihren Marktwert durch ihre eigene Reichweite nach oben zu kurbeln - im Windschatten von Ken Block, der es allen vorgemacht hat.

Schöne neue Welt, doch sie birgt auch einige Risiken. Denn das Jahr hat nur 52 Wochen und es kommt zwangsläufig zu Überschneidungen. Wem es gelingt, den Fan für die gesamte Saison zu begeistern, der sitzt bei solchen Konflikten in der Pole Position.

Es ist immer noch alles im Fluss und sortiert sich - eine gute Gelegenheit für die Serien, sich zu profilieren. Als Zuschauer steht man nämlich immer noch vor dem Problem, auf Anhieb die richtigen Quellen für den perfekten Renngenuss zu finden. Auch kommen die Zuschauer mit unterschiedlicher Vorbildung, was es den Kommentatoren nicht einfacher macht, den richtigen Informationsgrad zu finden. Merkt man jedesmal erschreckend bei RTL und F1, wobei sich auch die Theorie tapfer hält, dass die es einfach nicht besser wissen.

Was wäre also das optimale Setup? Veranstaltungen müssen zwingend kostenlos (!) und weltweit (!) frei empfänglich sein. Wer das versteht, wird sich durchsetzen und andere verdrängen - und damit die Reichweite in die Höhe schrauben.

Über die hohe Reichweite wird die Vermarktung erzielt, denn für die Sponsoren der Teams und der Serie an sich ist das die einzige Kenngröße, die zählt. Wer hier vorne mit dabei ist, kann die Reklamekosten diktieren!

Wenn die etablierten Serien die Zeichen der Zeit nicht bald erkennen, dann sind sogar Newcomer Serien in der Lage ihnen das Wasser abzugraben. Wenn sie von Anfang an mit dem richtigen Konzept (s.o.) die Zuschauer fesseln und an sich binden. Der Druck auf die Veranstalter wird sich weiter erhöhen, denn Werbetreibende fordern möglichst hohe Reichweiten.

Goldene Zeiten für Motorsport-Zuschauer - auch wenn einige Serien noch hinterherhinken. In diesem Zusammenhang könnte man den N24h TV Vertrag zwar nett finden, aber viel wichtiger sind Stream, Timing und Hintergrundinformationen für eine globale Zuschauerschaft. Und solange es an den essentiellen Grundlagen krankt, sollte man sich nicht mit so etwas nebensächlichem wie TV Rechten aufhalten. Diese nützen nämlich nur einem: demjenigen, der sie verkauft. Sowohl Zuschauer als auch Veranstaltung wäre mit frei und stabil laufendem Stream viel mehr geholfen!

Vor ziemlich genau 3 Jahren habe ich das Thema schon einmal aufgegriffen und die Situation prognostiziert, die wir heute erleben. Inklusive den Essentials, die das 24h-Rennen braucht, um sich international durchzusetzen.

Da steht nichts von neuem TV-Vertrag.

Geoblocking | DigitalGrid | Stream | Hashtag | Prognose | nachgedacht |


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