Darf man für einen Rennsieg seine Gesundheit opfern? Oder für einen zweiten Platz?

Sonntag, 14. Februar 2016

Darf man für einen Rennsieg seine Gesundheit opfern? Oder für einen zweiten Platz?

Wer bestimmt den Preis, den ein Rennfahrer gesundheitlich zu bezahlen hat?

Das Rolex24 Rennen in Daytona war sensationell - wer dabei war, wird es bestätigen und ich hatte auch die gelungene internationale Übertragung gelobt.

Dass Rennfahrer hohe Risiken eingehen und auch ihr Leben auf’s Spiel setzen - das bringt der Rennsport unvermeidlich mit sich. Da nützen auch alle Sicherheitsverbesserungen der letzten Jahrzehnte nichts: wer das Limit auslotet bei hohen Geschwindigkeiten, der weiss gewöhnlich worauf er/sie sich einlässt.

Max Angelelli - 3.Mann im Team der beiden Taylor-Brüder - hat in Daytona die Diskussion um eine neue Dimension erweitert: Während seines Schluss-Stints hatte er so stark mit Abgasen im Auto zu kämpfen, dass er am Rande der Bewusslosigkeit das Rennen zuende gefahren ist - so wie er selber angegeben hat, konnte er Kontrahenden und selbst die Zielflagge nicht mehr wahrnehmen.

Das Team von Wayne Taylor hat den Zeitablauf veröffentlicht, um den Eindruck zu entkräftigen, dass man den Fahrer absichtlich auf der Strecke halten wollte. Graham Goodwin hat es in seinem Bericht ergänzt.

Auf der Homepage des Teams allerdings wird nüchtern und verharmlosend mit dem Ablauf umgegangen:

Angelelli did his best to try and close the gap when he took the wheel for the final 42 minutes of the race, but the No. 2 Patron car was not to be caught. Angelelli did cross the finish line 61 seconds ahead of the third-place-finishing No. 90 Spirit of Daytona Corvette DP of Ryan Dalziel, Marc Goosens and Ryan Hunter-Reay, the only other team to complete all 736 race laps.

During Angelelli’s final stint, the engine sustained a broken header which directed fumes into the cockpit. Angelelli soldiered on, nonetheless, all the way to the checkered flag. But, dehydrated and thoroughly exhausted, he was taken to a local hospital overnight for observation. Doctors released him early Monday feeling 100 percent and he has since returned home to Italy.

Wir wissen alle genau, wie Rennfahrer zu Kampfmaschinen mutieren, wenn sie den Helm anziehen. Und wenn Gase im Cockpit die Sinne vernebeln, dann liegt es am Teamchef besonnen und weitblickend Entscheidungen zu treffen.

Dehydrated und exhausted war er ganz sicher - schließlich ist es ein 24h-Rennen und keine Spazierfahrt. Aber vergiftet war er offensichtlich auch - und da hört der Spaß auf.

Bei Fragen zur Gesundheit darf es meiner Meinung nach keine Kompromisse geben. Die Fahrer - bis in die Haarspitzen aufgeputscht mit Adrenalin und Kampfeslust - mögen das in der Hitze des Gefechtes und bei benebeltem Geist vielleicht anders sehen. Aber mir als Zuschauer, der den Spaß am Sport genießen möchte, vergeht die Lust an solchen Ereignissen, die - wenn man es mal in’s Verhältnis setzt - es einfach nicht wert sind. Das hätte nicht nur für den Fahrer, sondern auch für Unbeteiligte schlimm enden können - und dabei ging es nichtmal um den Sieg, sondern nur um den 2.Platz. An dritter Stelle lag sogar eine identische Corvette DP.

Da gibt es auch nichts zu verniedlichen - Kohlenmonoxidvergiftung ist nicht einfach nur stickige Luft, sondern lebensgefährlich:

Bereits eine Konzentration von 1% Kohlenmonoxid in der Umgebungsluft bewirkt den Todeseintritt binnen weniger Minuten. Denn Hämoglobin bindet das Giftgas 200-mal stärker als Sauerstoff und reichert sich daher schnell im Blut an. Deshalb führen schon niedrige Konzentrationen zur Kohlenmonoxidvergiftung.

Folgeschäden nicht ausgeschlossen.

Rolex24 | Taylor | Kohlenmonoxid | Abgas |

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