Audi verabschiedet sich aus Le Mans.

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Audi verabschiedet sich aus Le Mans.

Nicht 2018, nicht 2017 - nein schon Ende diesen Jahres wird das komplette WEC Programm eingestampft.

Noch 2 Rennen, dann ist Schluss.

Die Einschläge kommen im Moment knüppeldick für VW. Am Dienstag hat VW einem Vergleich in den USA über 14,7 Milliarden (Milliarden!) Dollar zugestimmt, um die 475.000 in Amerika verkauften Green-Diesel als 2 Liter Variante vom Tisch zu bekommen. 85.000 3L warten noch auf eine Lösung. Nicht vergessen, dass es sich insgesamt um 11 Mio. Fahrzeuge handelt - alleine 2,61 Mio. in Deutschland.

Bei VW geht es finanziell an´s Eingemachte und man hat sich sowieso gefragt wie es sich ein Konzern leisten kann, 2 LMP1 Teams - Audi und Porsche - auf allerhöchstem Level gegeneinander antreten lassen kann. Matthias Müller hatte an dieser Entscheidung sicher auch seinen Anteil, denn im Windschatten von Winterkorn ist er 2010 Chef von Porsche geworden. Um 2015 den dann geschassten Winterkorn zu beerben und die Leitung der VW AG zu übernehmen. Wo sich der Kreis wieder schließt, denn dort verantwortet er natürlich auch das Einstampfen des Audi R18.

Vielleicht schlägt sein Motorsport-Herz eher für Porsche, aber Audi über die Klinge springen zu lassen hat noch einen anderen Grund: den Diesel.

Denn Audi setzt als einziges Motorsport-Team einen Diesel als Antriebsquelle ein - aus Marketinggründen. Und zwar schon ewig - nämlich seit 2006. Insgesamt geht Audi seit 1999 in Le Mans am Start und hat ab 2000 eine unvergleichliche Siegesserie hingelegt: nur 2009 konnte Peugeot gewinnen - die Siege 2005 (ADT Champion Racing, R8) und 2003 (Bentley) buche ich mal mit dazu. Geändert hat es sich allerdings mit dem Einstieg von Porsche, denn die Weissacher konnten die letzten beiden Jahre gewinnen. (Das tragische Schicksal von Toyota von diesem Jahr haben wir ja noch gut in Erinnerung.)

Seit Dieselgate hat Audi Sport die Bezeichnung Diesel vermieden wie der Teufel das Weihwasser - wenn es gar nicht mehr anders ging wurde TDI eingesetzt. Was eigentlich nur Auto-Insidern ein Begriff sein dürfte. Damit stand also auch schon 2016 unter einem schlechten Stern, denn selbst Erfolge konnten sich überhaupt nicht vermarkten lassen, da der Ruf des Diesels für immer und ewig vergiftet war. Eigentlich hatte man sich geschämt, einen Diesel einzusetzen - aber das ließ sich ja nicht so schnell ändern. Ich wette es gab im Konzern genug Leute, die nur auf die erste Gelegenheit gewartet haben, das Audi Le Mans Programm über die Klinge springen zu lassen. Einen Sauger neu zu konstruieren machte natürlich noch viel weniger Sinn, das läuft ja schon bei Porsche.

Das ist schon bitter zu beobachten, wie ein Sportteam zum Spielball der Marketing Strategen wird - erst, als ihnen übergedeut wurde doch einen Diesel einzusetzen und jetzt, wo sie ihn ausgereift haben, gehen sie als Opfer mit unter.

Die Era dicker V8 (Toyota), kleiner Turbo (Porsche) und Diesel (Audi) in der LMP1 gegeneinander antreten zu sehen, wird als ausgewöhnlich in die Le Mans Geschichte eingehen. Ich war fasziniert davon, diese grundsätzlichen Konzepte Kopf an Kopf im Rennen zu sehen. Wetten, dass dass sich die Konzepte jetzt wieder aneinander annähern? Wobei ja nur noch Toyota und Porsche übrig sind. Ob jetzt noch ein weiterer Hersteller einsteigt? Die Türen beim ACO werden sperrangelweit offen stehen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die deutsche Autoindustrie beeindruckt aber auch das konsequente Handeln von Audi - durch den Druck von allen Seiten sind sie gezwungen alte Zöpfe abzuschneiden und können sich - ohne Diesel Ballast - voll auf Elektro konzentrieren.

So desaströs die Situation momentan erscheint - es könnte sich hinterher als großer Glücksfall herausstellen.

Bitter ist es für die Fahrer - ich hoffe sie müssen nicht aus der Not heraus noch Formel 1 fahren.

LeMans | AudiLMP1 | Dieselgate | LM24 |

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