Die Software zur Reduzierung der Dieselabgase ...

Donnerstag, 03. August 2017

Die Software zur Reduzierung der Dieselabgase ...

… gibt es nicht. Wie auch? Abgas ist das Resultat einer Verbrennung und das lässt sich nicht einfach so wegprogrammieren.

Der heutige Computer in der Motorsteuerung ersetzt die damalige Mechanik. Als der Vergaser durch die Einspritzung abgelöst wurde, haben sich neue Möglichkeiten aufgetan, denn Einspritzzeitpunkt und -menge konnten zum ersten Mal präzise dosiert werden. Dann kam durch den Computer noch der Zündzeitpunkt dazu, fertig war die erste Motronik. Natürlich war die Verbrennung immer noch eine Verbrennung, aber die Entwickler hatten mehr Stellschrauben, um die gegensätzlichen Ziele gegeneinander abzuwägen: viel Leistung, aber wenig Verbrauch - alle denkbaren Temperatur- und Einsatzgebiete, aber leise und komfortabel - Senkung der Kosten, aber Einhalten der Lebensdauer - möglichst leicht und geringer Platzbedarf, aber trotzdem robust und haltbar … die Liste der konkurrierenden Ziele ist lang und kompliziert. Was ja gerade den Reiz ausmacht, denn mit Ingenieurskunst und Liebe zum Detail können die Widersprüche angeglichen und optimiert werden.

Da kann der Computer im Auto bzw. in der Motorsteuerung eine große Hilfe sein, denn einige der Parameter kann man innerhalb der mechanisch vorgegebenen Grenzen in der Software variieren. Die große Szene der Chiptuner macht regen Gebrauch davon: einfach den Ladedruck erhöhen, schon gibt es mehr Leistung. Dass in diesem feinfühligen Gleichgewicht, das durch den enormen Wettbewerbs- und Kostendruck bei den Herstellern kaum noch nennenswerte Toleranzen oder Freiräume bietet, irgendetwas anderes hinten runterfallen muss, sollte jedem klar sein. Lebensdauer, Fahrkomfort, Verbrauch, Abgaswerte - die physikalischen Gesetze erfordern ein Gleichgewicht und wenn ich mehr Leistung abrufe, dann muss die irgendwo herkommen. Denn die lässt sich nicht einfach so einprogrammieren.

Genau so verhält es sich mit den Abgasen: die kann man nicht einfach wegprogrammieren, denn sie sind das Resultat der Verbrennung und die Physik ist nunmal so wie sie ist. Die Abgasreinigungsabschaltung des VW Konzerns hat schwerwiegende Gründe und war der letzte Ausweg aus dem beschriebenen Gleichgewichtsdilemma. Es gehört schon viel dazu, für ein normales Angestelltengehalt alle ethischen Grundsätze über Bord zu werfen, um die unmöglichen Vorgaben der Geschäftsführung zu erreichen.

Ganz einfach wäre bei den Fahrzeugen mit AdBlue den Verbrauch an Harnstoff zu erhöhen, um die Stickoxide zu bekämpfen. Doch das Nachtanken ist fummelig, klebrig und größtenteils bisher nur aus Kanistern möglich. Auch die Kontrolle, ob es funktioniert, ist kaum möglich - wer kann schon seine CO2 und NOX Werte messen? Selbst die Industrie hat offensichtlich große Probleme damit, BMW habe gerätselt, wie die Audis den AdBlue Verbrauch so gering halten können. Dabei hätte eine Abgasmessung auf der Straße sofort alles auflösen können. Beim Verbrauch ist das viel einfacher, den kann ich bei jedem Nachtanken kontrollieren.

Das weiss natürlich auch die Industrie und solange man es sich mit dem KBA gemütlich machen kann, kann man der Außenwelt viel erzählen. Und hier läge die Lösung: eine technische Entwicklung, die ein einfaches und unkompliziertes Nachmessen der Abgase ermöglicht. Eigentlich unfassbar, dass es so etwas heutzutage nicht gibt. Von mir aus auch gerne mit riesig großen Toleranzgrenzen von +/- 50%, es wäre immer noch genug, um die groben Ausreißer herauszufinden - es ist von Spitzenreitern von Faktor 17 die Rede, das sind sportliche 1.700%.

Eigentlich müsste die IT Community geschlossen aufstehen und auf den Tisch hauen, denn am Anfang waren es auch schon die paar bösen Programmierer, die an Dieselgate schuld sein sollen. Und wenn es jetzt die Software nicht richtet, dann kann man das prima wieder den Programmierern in die Schuhe schieben. Ich bin schon auf den 34C3 gespannt.

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