Faster, Higher, Farther - das Dieselgate-Buch von Jack Ewing.

Donnerstag, 21. September 2017

Faster, Higher, Farther - das Dieselgate-Buch von Jack Ewing.

Selbst wenn man die Abläufe bei Volkswagen so intensiv verfolgt, wie ich das hier im Blog gemacht habe, verliert man schnell die Übersicht in der komplexen Gemengelage zwischen Politik und Industrie, zwischen Deutschland, Europa und Amerika und den vielen Schachzügen der Mächtigen im Hintergrund.

Trotzdem hatte ich das Gefühl einigermaßen durchzublicken, denn als Ingenieur, in Deutschland, in der Autoindustrie arbeitend, sogar selber schon am Prüfstand Kennfelder programmiert, zeitgleich mit Ferdinand Piëch bei Audi in Ingolstadt gearbeitet - wie kann mir jemand von der New York Times aus Amerika noch etwas Neues beibringen?

Wenn ich ehrlich bin, dann dachte ich die Lektüre des Buches wird für mich eher Pflichtveranstaltung als Augenöffner.

Wie ich mich täuschen sollte!

In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt: durch meine Vorgeschichte war ich befangen, habe Ereignisse als selbstverständlich hingenommen, obwohl sie von großer Bedeutung sind und war auch nicht in der Lage, die Entwicklung aus der Distanz als großes Ganzes wahrzunehmen.

Jack Ewing ist das hervorragend gelungen: er hat behutsam die Historie ausgebreitet, akribisch alle Details aufbereitet und navigiert souverän zwischen den Schlüsselpersonen - aber auch geografisch zwischen den Kontinenten.

Alle Rollen der Akteure wurden - soweit das in der Öffentlichkeit möglich ist - zu den Geschehnissen logisch und zeitlich einsortiert: über die Porsches und Piëchs zu Pischetsrieder, Wiedeking und Winterkorn - die Liste der Handelnden ist mächtig und lang.

Auch technisch ist Jack Ewing sattelfest unterwegs. Mir war neu, dass der EA 189 Motor quasi die Ablösung von Pumpe-Düse hin zu Common Rail war - und welche Machtverhältnisse zu diesem Zeitpunkt im VW Konzern herrschten.

Aber auch solche Details, dass Oliver Schmidt nach Miami geflogen ist, weil er dort nicht nur das schöne Wetter genießen wollte, sondern selber in Florida auch Mietwohnungen besitzt.

Und gefreut habe ich mich, dass auch Felix Domke und der CCC den ihnen gebührenden Platz in dem Werk gefunden haben.

Der Unterschied zwischen dem deutschen bzw. europäischen Rechtssystem und dem amerikanischen war hierzulande in der Berichterstattung immer etwas zu kurz gekommen. Jack Ewing räumt damit auf. Auch die Vorgeschichte, warum es überhaupt zu der Enthüllung kam, die dann auffällig? zufällig? genau zum Start der 2015er IAA eingeschlagen ist - spannend, aber auch unterhaltsam zugleich. Da bleibt für Verschwörungstheorien nicht mehr viel Raum und wir müssen eingestehen, dass wir ohne die beharrliche Emissionsforschung in Amerika heute alle ein gewaltiges Stück dümmer wären.

Es wird während der Lektüre auch klar, dass uns das Thema noch lange nicht loslassen wird - so sehr das Matthias Müller auch herbeizureden versucht.

Fazit: volle Punktzahl und unbedingter Lesebefehl für alle, die irgendwie mit Autos zu tun haben. Also quasi jeder, der hier mitliest würde ich schätzen.

Ich selber habe die englische Originalversion gelesen, aber es gibt auch eine deutsche Übersetzung. Und Kindle gibt es auch - gut für Bahnfahrer wie mich.

Danke an Jack Ewing für dieses Buch!

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