Karfreitag und Nordschleife.

Mittwoch, 04. April 2018

Karfreitag und Nordschleife.

Der Karfreitag ist ein großer Feiertag für die christliche Gemeinde - oder sollte man besser sagen: ein großer Trauertag. Es ist die Erinnerung an den Tag, an dem Jesus an das Kreuz genagelt gestorben ist und zwei Tage später, wenn an Ostern die Fastenzeit beendet wird, feiern die Christen seine Auferstehung.

Die Eifel ist generell eher konservativ geprägt, der Glaube an Gott fest verankert und hat mit Barweiler direkt am Nürburgring sogar einen Wallfahrtsort.

Daran musste ich denken, als viele Autoverrückte wieder am Carfreitag am Ring die Sau rausgelassen haben. Was mögen die Gläubigen denken, die die Traditionen pflegen und die am Ende der Fastenzeit und kurz vor Ostern ein tiefes Gefühl der Trauer überkommt? Und sind sich die Tuningfreaks darüber bewusst, dass sie mit ihrer ungezügelten Feier die Gefühle anderer Menschen durchkreuzen?

Erinnert ein bisschen an den Tanz um das goldene Kalb - oder um im Motorsport Jargon zu bleiben: an das Rennen um die goldene Ananas.

Die Bilder sind jedes Jahr gleich: Show & Shine soweit das Auge reicht, die Herausforderung des Tages ist der Brünnchen Parkplatz, der für Viele sowohl aufgrund des Verkehrsaufkommens als auch der Tiefe der Fahrwerke unerreichbar bleibt.

Auf die Strecke trauen sich die Wenigsten und wenn, dann kommen sie nicht mal bis zum Adenauer Forst. Ich hoffe den Beteiligten ist nichts passiert und wenn man nur den Ausgang der einschlägigen Videos sieht - pun intended - dann kann man nicht unbedingt auf den Unfallhergang schließen. Aber wer Ausgang Fuchsröhre stumpf in die Leitplanke einschlägt - oder sogar vorher mit einem Überschlag abrundet - noch ein pun intended - der braucht eigentlich nicht mit dem Finger auf andere zeigen.

Neben den Einzelschicksalen gibt es aber noch andere - viel gravierendere - Auswirkungen, die die traditionelle Touristenfahrt insgesamt gefährden. Und damit das Wohl einer ganzen Region, denn ohne den Touristenverkehr zwischen den großen Veranstaltungen sind die vielen Betten und Bewirtungen nicht aufrecht zu erhalten.

Ich weiß ja nicht, in welchem Paralleluniversum die Nürburgring Betreiber - Besitzer - oder wie sie sich heutzutage nennen wollen - unterwegs sind, aber die Gier siegt nach wie vor über die Vernunft. Ich will nicht wieder mit dem Arbeitskreis anfangen, den ich zwar mitbegründet habe, in dem man mich aber nach 2004 lieber nicht mehr sehen wollte. Die Argumentation ist aber gleich geblieben: der Veranstaltung Touristenfahrt muss der Renncharakter genommen werden, um sie in Zukunft ohne Ärger weiter fortführen zu können.

Das ist eine große Herausforderung, denn immerhin fährt man auf einer Rennstrecke, mit rennähnlichen Fahrzeugen, oft mit Helm und vor Publikum. Links und rechts die Curbs, auf der Suche nach der Ideallinie - und dann bitteschön kein Renncharakter.

Doch was machen die Verantwortlichen? Stellen Streckenposten mit gelben Flaggen auf! Fehlt tatsächlich nur noch die Klasseneinteilung und die Zeitnahme.

Ich kann über so viel Leichtsinn nur den Kopf schütteln und eigentlich wäre es mir ja egal, wenn mir die Tradition der Touristenfahrten nicht so am Herzen liegen würde. Das können wahrscheinlich nur Leute nachvollziehen, die noch den Geruch von verrauchten Kupplungen in der alten Auffahrt in der Nase haben und das lässige Winken des grimmigen Personals an Start und Ziel, wenn man an der T13 noch eine Runde gefahren ist und den Jahreskartenaufkleber auf der Verkleidung hatte.

Vielleicht hat es sich auch noch nicht herumgesprochen, dass es seit September 2017 eine neue Gesetzgebung gibt, die drakonische Strafen für Rennen im öffentlichen Verkehrsraum vorgibt. Ich bin zwar kein Rechtsexperte, aber wenn ich mir den Text durchlese, dann wird sowohl für Veranstalter als auch für Fahrer die Luft ziemlich dünn. Selbst die Polizei geht hohes Risiko, wenn sie den öffentlichen Raum Nordschleife anders bewertet als den öffentlichen Raum Autobahn. Und wenn es die Amtsträger nicht durchsetzen, dann die Versicherer. Die immer bemüht sind Zahlungen zu vermeiden und dafür selbst die kleinsten Unregelmäßigkeiten bemühen.

Die Nürburgring Verantwortlichen mit höchster Priorität Lösungen erarbeiten. Sonst heißt es bald, dass die Touristenfahrten an einem Carfreitag an’s Kreuz genagelt wurden.

Touristenfahrten | Nordschleife | Karfreitag | Carfreitag |

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