Autofahren in Deutschland: Mobilität oder persönliche Freiheit?

Sonntag, 18. August 2019

Autofahren in Deutschland: Mobilität oder persönliche Freiheit?

Immer häufiger wird im Mainstream - also abseits unserer exklusiven Motorsport-Blase - das Thema Straßenverkehr und dessen zunehmende Aggressivität behandelt.

Zum Beispiel aktuell in dieser Quarks Sendung mit Mai Thi Nguyen-Kim:

Wem gehört die Straße? - Aggressionen im Verkehr

Dort werden dann Zahlen genannt, die ich hier auch gerne bringe. Zum Beispiel, dass Autos generell 23 Stunden pro Tag ungenutzt rumstehen. Beziehungsweise eine Kapazitätsauslastung von 4% haben, für die beispielsweise eine Firma nie eine Investition tätigen würde. Meine Rechnung von vor 2 Jahren ist nach wie vor gültig.

Das bedeutet bei 47 Mio. Autos in Deutschland, dass deren Parkraum aneinandergereiht 7x rund um die Erde reichen würde! 6 Meter x 47 Mio. ≈ 7 x 40.000 km.

Tendenz steigend.

Dazu gesellt sich, dass wir heute alle aggressiver und mehr gegeneinander unterwegs sind. Es ist eine schleichende Entwicklung, aber die Autos wurden viel größer und wuchtiger, stärker und zahlenmäßig mehr. Auch wurden sie viel komfortabler, man merkt heute gar nicht mehr den Unterschied, ob man mit 130 oder mit 200 unterwegs ist. Der öffentliche Raum allerdings wurde nicht größer, sondern eher kleiner - besonders in Städten. Kein Wunder, dass sich heute alle Verkehrsteilnehmer - von Fußgänger bis LKW - um diesen Raum prügeln.

Das war vor gut 30 Jahren, als z.B. ich meinen Führerschein gemacht habe, noch ein komplett anderes Szenario. Hier ist ein herrliches Symbolbild dazu (von @jasoncammisa).

Was mich inzwischen aber noch mehr ärgert ist die Tatsache, dass der Motorsport, der durch die Förderung des Wettbewerbs an dieser gegeneinander Entwicklung nicht ganz unschuldig ist, a) weder Verantwortung übernimmt und b) keinerlei Perspektiven aufzeigt, wie sich das Dilemma in der Zukunft lösen lassen könnte.

Wo wir gerade so schön am Erzählen sind, eine Sache nervt mich inzwischen auch tierisch im Zusammenhang mit Energie und Emissionen: das Bremsen. Gibt es eine größere Energieverschwendung als Bremsen? Mal davon abgesehen, dass viele Fahrten insgesamt völlig unnötig sind, weil man die auch locker zu Fuß oder mit dem Rad absolvieren könnte. Aber lassen wir das mal außen vor.

Beim Bremsen wird die vorher mühevoll aufgebaute Bewegungsenergie völlig sinnlos vernichtet und nicht einmal zurückgeführt, sondern in Verschleiß (Beläge und Scheibe), Wärme und zusätzliche Emissionen (Feinstaub) umgewandelt. Daran muß ich immer häufiger denken, wenn ich aggressive Verhalten beobachte, die das komplette Gegenteil von vorausschauender Fahrweise sind. Der Horizont reicht maximal bis zum nächsten Verkehrsteilnehmer - bzw. Konkurrenten - der noch schnell überholt werden muß, bevor es zackig und ankernd in die Ausfahrt geht. WTF?

Mit etwas erweitertem geistigen Horizont könnte der Motorsport hier eine schöne Vorbildfunktion einnehmen, z.B. durch Verbrauchsformeln, die eine vorausschauende und energiesparende Fahrweise belohnen. Wo es gilt Bremsmanöver zu vermeiden, um genügend Energie für den Wettbewerb aufzusparen. Es muss ja nicht so extrem sein wie bei den Dirt Tracks in Amerika, wo die Motorräder gar keine Bremse mehr verbaut haben. Obwohl ich zugeben muss, dass ich das sehr reizvoll finde!

Mobilität | Aggressionen | Straßenverkehr | Bremsen | gegeneinander |

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