Rückblick auf meine erste Motocross Saison.

Mittwoch, 04. November 2020

Rückblick auf meine erste Motocross Saison.

Mike Frison / renn.tv

Eigentlich hatte alles so gut angefangen: meine Enduro konnten einen neuen liebevollen Besitzer finden - dafür konnte ich mir zum ersten Mal einen neuen Crosser in die Garage stellen. Das war im Januar und auch die erste Probefahrt konnte ich bereits im Januar machen - ein großer Spaß.

Und dann kam - wir können es schon nicht mehr hören - Corona. Und die lange Pause.

Erst Ende Juni konnte die Saison richtig anfangen und ich hatte mir viel vorgenommen. Und das hat auch einigermaßen funktioniert - bis auf eine 6-wöchige Zwangspause wegen eingeklemmtem Nerv (das Alter!) bin ich jeden Samstag ausgerückt. Es sind dann insgesamt immerhin 14 Einheiten gewesen - jeweils etwa 90 Fahrminuten.

Somit hat der Crosser jetzt knapp 22 Stunden auf der Uhr, das ist nicht viel.

Mike Frison / renn.tv

Doch leider ist die Saison schon wieder zu Ende, ihr ahnt es schon: Corona. Am Samstag war die letzte Fahrt und ich dachte das ist eine gute Gelegenheit das Thema auch im Blog nochmal aufzugreifen.

Ich bin auf der Strecke zwar immer noch Anfänger, aber es klappt schon viel besser als am Anfang. Die Kunst ist es eine gewisse Lockerheit auf dem Motorrad zu finden und es trotzdem über die Füße und die Beine eingeklemmt zu halten, damit man immer eine Einheit bildet. Viel geholfen haben mir die amerikanischen Youtube Videos, da gibt es einige, die sich auf Fahrtechnik spezialisiert haben - z.B. The MX Factory.

Man soll z.B. darauf achten, dass die Füße mit den Ballen auf den Rasten stehen und nach innen zeigen, dadurch hat man mit den Knien eine bessere Möglichkeit das Motorrad einzuklemmen.

Und in den Kurven soll man das innere Bein richtig hochbringen - nicht durchstrecken! - und auch den Fuß leicht nach innen drehen. Dadurch wird man automatisch dazu gebracht das Bike stärker zu neigen und etwas auf der Sitzbank nach außen zu rutschen. Ich weiß jetzt auch, warum man überhaupt den Fuß hochbringt: nicht, damit man sich besser auf dem Boden abstützen kann, sondern weil auf der Fußraste kein Platz mehr ist, wenn man das Motorrad richtig neigt.

Wenn man bei den echten Cracks mal genau darauf achtet, dann sieht man das im Einsatz.

Es kostet mich immer noch Überwindung den Fuß oben zu halten und das Motorrad nur durch Einklemmen, Gas und Kupplung zu halten - aber darin liegt ja auch der Reiz: dass es nicht einfach ist.

Faszinierend auch, wie die echten Könner die Flugbahn mit der Hinterradbremse korrigieren: kurz gebremst und das Bike senkt sich mit dem Kopf nach unten. Das kann man auf der Bahn als Zuschauer beobachten, wenn bei einem steilen Sprung bei den schnellen Leuten das Hinterrad in der Luft kurz stehen bleibt.

Davon bin ich selber zwar noch weit weg, aber das macht nichts - mir ging es hauptsächlich darum heil durchzukommen und viel Spaß zu haben. Und DIE Rechnung ist aufgegangen.

Gewöhnungsbedürftig waren auch die Wartungsarbeiten, denn z.B. der Luftfilter will nach jeder Fahrt gereinigt und neu eingeölt werden. Das sind so Sachen an die man sich erstmal gewöhnen muß und dann läuft das.

Mein Plan war ja jedes Jahr ein neues Motorrad zu kaufen - das ist jetzt etwas verzerrt durch Corona, weil mit nur 20h auf der Uhr lohnt sich das fast nicht. Ein weiteres Problem ist, dass die Preise gut angezogen sind - man sagte mir, dass dieses Jahr weniger Motorräder gebaut worden seien. Kann ich nicht prüfen, aber bei dem Händler meines Vertrauens kostet das aktuelle Modell (auch 350er) zur Zeit 10.000€ und das Vorjahresmodell 8.400€. Für meine hatte ich als Vorjahresmodell 7.300€ bezahlt - d.h. ich müsste beim Verkauf stolze 6.400€ erzielen und dann immer noch 2.000€ draufzahlen. Das ist happig und vielleicht ist ein Jahr weiter damit fahren die bessere Option.

Ich werde es trotzdem versuchen über den Winter mit dem Verkauf - ist ein gepflegtes Gerät, das nicht stark beansprucht wurde. Also falls jemand Interesse hat, gerne melden - noch steht sie nicht bei Mobile drin. Es kommt wieder der originale Plastikkit drauf, der liegt noch neu im Keller.

Rückblickend war auch die 350er die perfekte Wahl. Richtig Druck und trotzdem handlich. Auf einer flüssigen Bahn fahre ich alles komplett im 3. Gang ohne Schalten. Wenn man auf den geraden Stücken mal den Gasanschlag sucht, dann wird das ganz schnell ganz schnell! Immer noch für mich unglaublich, dass der kräftige Viertakter 13.500 dreht. Eine 250er wäre eigentlich völlig ausreichend - aber auch eine 450er würde ich fahren. Obwohl die eigentlich 2 Nummern zu groß wäre.

Motocross ist wirklich ein feiner Sport, kann ich jedem nur empfehlen. Und wie man sieht, ist auch ein Ü50 Einstieg möglich. Die Ausfahrten Samstags sind für mich wie Meditation - man schaltet komplett ab, sucht jede Runde die passende Linie und wird körperlich ordentlich beansprucht. Ich habe die Pulsuhr am Lenker, weil ich eigentlich meine Turns messen wollte (also ob die 20 Minuten voll sind) und musste feststellen, dass es nicht einfach ist den Puls unter (!) 160 zu bringen.

Wenn man früh genug zuhause ist, schafft man noch am gleichen Tag das Saubermachen - inklusive Druckluftdusche. Noch ein paar Wartungsarbeiten und WD40 Pflege unter der Woche und schon ist man wieder einsatzbereit. Der Muskelkater erinnert einen noch 2–3 Tage an die vollbrachten Taten.

Mike Frison / renn.tv

Mike Frison / renn.tv

Der ZO832-Transit ist natürlich auch das korrekte Transportfahrzeug - aber dafür ist er auch da.

Mike Frison / renn.tv

Ich glaube man merkt mir an, wieviel Spaß mir die Sache macht. Die neue Saison kann ich kaum erwarten, am liebsten wäre mir sie würde morgen losgehen. Meistens ist März Saisonstart auf den Bahnen - ich fürchte nur Corona hat noch andere Pläne mit uns.

Mike Frison / renn.tv

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