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Dienstag, 18. Dezember 2018

IAV hat sich in Amerika schuldig bekannt zusammen mit VW die Akustikfunktion entwickelt zu haben.

Auch die Strafe von 35 Mio. USD hat die IAV GmbH angenommen - sie ist nur deswegen so niedrig ausgefallen, weil sonst die Firma insgesamt gefährdet worden wäre.

Hier ist das Plea Agreement - "Statement of Facts" ist der interessante Teil. Zum Beispiel unter “The Origin and Implementation of the 2.0 Liter Defeat Device”:

(21) The VW supervisors, however, realized that they could not design a diesel engine that would both meet the stricter NOx emissions standards that would become effective in 2007 and attract sufficient customer demand in the U.S. market. Instead of bringing to market a diesel vehicle that could legitimately meet the stricter U.S. NOx emissions standards, IAV employees acting at the direction of an IAV manager and VW supersivors helped design, creat, and implement a software function (the “defeat device”) to cheat the standard U.S. emissions tests. IAV, the VW supervisors and their co-conspirators referred to the software as, among other things, the “acoustic function”, “swich logic”, “cycle beating,” or “emissions-tight mode.”

Nachdem das jetzt in Amerika geklärt wäre und die Betrüger sich für schuldig bekannt haben, nimmt hier in Deutschland bestimmt die Staatsanwaltschaft schon bald die Ermittlungen auf. Wenn alles gut läuft so im Frühsommer schätze ich. Im Herbst dann ungefähr die ersten Hausdurchsuchungen.

Die Firma ist übrigens stolz darauf zu den Top 100 Arbeitgebern zu gehören. Wahrscheinlich nur knapp geschlagen von der Mafia.

Dieselgate | Akustikfunktion | DefeatDevice | IAVGmbH | EA189 |


Sonntag, 02. September 2018

Dieselgate: Bosch und die Akustikfunktion.

Das hatte ich im Dezember 2015 ja im Detail aufgegriffen, als Daniel Lange und Felix Domke beim Congress des Chaos Computer Clubs über die Prüfstandserkennung referiert haben.

Felix Domke konnte den Code entschlüsseln und hat sogar die Akustikfunktion in den Kommentaren gefunden:

Untere Kilometerschwelle für die Deaktivierung der Akustikfunktion.

bzw.

Obere Kilometerschwelle für die Deaktivierung der Akustikfunktion.

Jetzt - nur 3 Jahre später - tauchen Emails von Bosch auf, in denen im November 2006 die Akustikfunktion wörtlich erwähnt wird.

Das Defeat Device wird dort "Cycle-Beater" oder "Zykluserkennung" genannt - offensichtlicher geht es nicht mehr.

Dieselgate | Volkswagen | Bosch | Akustikfunktion |


Mittwoch, 06. Dezember 2017

VW Dieselgate Manager Oliver Schmidt zu 7 Jahren Gefängnis verurteilt.

Heute war Prozesstag für Oliver Schmidt - der VW Manager, der trotz Dieselgate nach Amerika geflogen ist und dort prompt verhaftet wurde. In dem Buch von Jack Ewing kann man nachlesen, dass Oliver Schmidt in Florida Mietwohnungen besitzt und deswegen nach Miami geflogen ist.

Jedenfalls läuft der Prozess auch vor dem Hintergrund, dass der Ingenieur James Liang bereits die brutale Strafe von 40 Monaten Haft und 200.000 USD erhalten hat vor gut 3 Monaten. Ich habe das ausführlich dokumentiert.

Oliver Schmidt bekennt sich für schuldig, will aber auch Opfer des VW Konzerns sein. Und sein Anwalt fragt ernsthaft nach 40 Monaten und 100.000 USD Strafe. Also weniger als James Liang aufgebrummt bekommen hat. Er begründet das mit der Dauer der Verschwörung, James Liang sei viel länger beteiligt gewesen.

Die Staatsanwaltschaft argumentiert da schon stärker, bringt auch das brisante Detail, dass Oliver Schmidt am 27.Juli 2015 - also 2 Monate vor Bekanntwerden des Defeat Device - eine Präsentation zum Thema gegeben hat an keinen geringeren als Martin Winterkorn.

Automotive News Journalist Larry P. Vellequette kommentiert um 21:42 Uhr unserer Zeit:

If you can’t get the sense from watching it on Twitter, it’s evident here: The hammer is about to drop on Oliver Schmidt.

Was der verantwortliche Richter Judge Cox dann auch gemacht hat:

7 Jahre Gefängnis und 400.000 $ Strafe.

Also ziemlich genau doppelt so viel wie für James Liang.

Da klappen in Wolfsburg einige Kinnladen runter.

In München eventuell auch, denn während man in Deutschland die Gerichte kaum fürchten muss, läuft in den USA bestimmt schon ein 3er BMW Diesel durch die Prüfprogramme.

UPDATE:

So hat er den Prozess besuchen müssen:

In roter Häftlingskleidung kam er in kurzen Trippelschritten in den Gerichtssaal - weil er Fußfesseln tragen musste. Wegen seiner Handschellen konnte er nicht mal alleine aus seinem Wasserglas trinken

UPDATE 2:

Zudem muss Schmidt laut “BamS” 95 Dollar pro Tag für den Haftaufenthalt bezahlen.

UPDATE 3:

Im Geständnis (“Factual Basis for Guilty Plea”) ist beschrieben, wie Oliver Schmidt vom VW Management angewiesen wurde sich zu verhalten:

Following the July 27, 2015 meeting, VW management instructed SCHMIDT to seek a meeting with a senior-ranking CARB employee, with whom SCHMIDT had had a business relationship based on SCHMIDT’s previous work in the United States. VW management instructed SCHMIDT not to disclose the defeat device or any intentional cheating by VW to the CARB employee during the meeting and rather to obtain the necessary U.S. regulatory approvals for the model year 2016 vehicles, which was Schmidt’s primary assigned objective.

On or about August 5, 2015 in Traverse City, Michigan, SCHMIDT and a colleague met with a CARB employee to discuss the discrepancy of emissions of the Subject Vehicles. During the meeting, and as instructed by VW management, SCHMIDT intentionally did not use the term “defeat device” when describing the discrepancy of the emissions of the Subject Vehicles. In addition, Schmidt did not disclose that VW had intentionally installed software in the Subject Vehicles designed to cheat and evade emissions testing. On or about August 7, 2015, SCHMIDT and a colleague had a telephone conversation with another CARB employee and made the same omissions. SCHMIDT knew that his omissions were misleading and designed to conceal the existence of intentional cheating by VW.

Zusätzlich soll Oliver Schmidt aber jetzt von VW vor die Tür gesetzt werden, weil er gegen die Compliance Regeln verstoßen habe. Was ist denn dann mit den Managern, die ihn angewiesen haben zu lügen? Werden die auch rausgeworfen? Oder verstößt man bei VW erst dann gegen die Compliance Regeln, wenn man verhaftet wird?

Dieselgate | Prozess | OliverSchmidt | Gefängnis | Akustikfunktion |


Sonntag, 05. November 2017

Akustikfunktion zwingt Audi zum A8 Diesel Rückruf.

Da schließt sich der Kreis, denn die Akustikfunktion, die dem EA189 die Abgasreinigung abschaltet, kam ursprünglich von Audi. Premium bedeutet bei Audi, dass der Diesel beim starten nicht nagelt, statt die Abgase zu reinigen - daher AKUSTIK-Funktion.

Stellt sich raus, dass beim Audi Flaggschiff - dem A8 - neue Rekorde gebrochen werden, damit die Akustik die empfindlichen Ohren der Premiumkunden nicht belästigt:

Prüfer des KBA haben (..) Emissionswerte von bis zu 2000 Milligramm pro Kilometer gemessen. Erlaubt sind 80 Milligramm.

Da fliegt dem Euro 6 Fahrzeug natürlich die KBA-Zulassung um die Ohren. Im VW Konzern interpretiert man so:

Audi hat den selbst festgestellten Sachverhalt dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) direkt und detailliert berichtet und ein Software-Update im Rahmen eins Rückrufes vorgeschlagen, das bereits vorbereitet wird. Auf dieser Grundlage hat das KBA einen Rückruf angeordnet.

Das liest sich im Spiegel leicht anders:

Das KBA hatte die Anordnung für den Rückruf bereits wegen einer Abschalteinrichtung in der Motorensoftware nach SPIEGEL-Informationen bereits am vergangene Freitag an Audi geschickt. Besonders verwundern dürfte die Beamten nun die Behauptung des VW-Konzerns, dass die ganze Aktion von Audi selber ausgegangen sei. Dabei waren es Messungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die in diesem Sommer die Behörden erst dazu veranlasst hatten, genauer beim A8 hinzusehen.

Und besonders dreist:

Von dem Update sind in Europa 4.997 Fahrzeuge betroffen, davon 3.660 Autos in Deutschland im Produktionszeitraum September 2013 bis August 2017.

Dieselgate wurde schon am 18. September 2015 öffentlich - bei Audi hat man einfach 2 Jahre lang weiterproduziert, als wäre nichts passiert.

Bei Motoren mit AdBlue Einspritzung ist es relativ einfach die Wirksamkeit zu erhöhen: AdBlue in korrekten Mengen dosieren. Können die A8 Fahrer schonmal nach geeigneten Tankstellen Ausschau halten.

Die Befüllung scheint einfach zu sein, aber ich frage mich beim Nachfüllen aus einem Behältnis: wie kontrolliert man den Füllstand, ohne dass die Suppe überläuft?

UPDATE:

Zum dem Befüllen schickt mir ein Leser (Danke Mario!) diesen Link. Cleveres System von Stihl - simple und wirkungsvoll, kein Überlaufen. So müsste man das mit AdBlue auch machen.

Dieselgate | AudiA8 | Umwelthilfe | Akustikfunktion | Euro6 |


Montag, 23. Oktober 2017

Bosch ist Dieselgate Verlierer und Gewinner gleichzeitig.

Natürlich ist Bosch völlig unschuldig im Dieselskandal - und die 327 Millionen Dollar haben sie freiwillig bezahlt, die waren halt gerade übrig.

Ist auch bestimmt nur Zufall, dass die EA189 alle Bosch Motorsteuerung an Bord haben und das mit der Akkustikfunktion - ja, das konnte doch keiner ahnen, dass das so mißbraucht würde.

Auf der anderen Seite ist Bosch natürlich hervorragend aufgestellt, wenn es um elektrische Mobilität geht - denn bei Anlassern und Lichtmaschine sind sie schon immer eine Macht und inzwischen hat gefühlt jedes E-Bike einen Boschmotor als Antrieb.

Kürzlich hat Bosch in London eine TranforMOTION Ausstellung gemacht mit allem, was sie so bei dem Thema anbieten können. Und das ist einiges.

Fully Charged hat sich das nicht entgehen lassen und ein Video mitgebracht.

Das neue Elmoto, was sie da fahren konnten, ist der Burner - in der 125er Klasse:

Elmoto

Heißer Feger - sieht aus, als könnte der was in der Stadt.

Die kleine Firma aus Stuttgart - also Elmoto, nicht Bosch - hat mich ja schon auf der Intermot letztes Jahr beeindruckt. Dort waren sie eins der Highlights, weil ansonsten die Messe in Bezug auf Elektro ja sehr enttäuschend war.

Aber Bosch liefert natürlich noch viel mehr - schaut Euch das Video an, ist unterhaltsam und gut gemacht.

Bosch | Elektro | Dieselgate | Akkustikfunktion | Elmoto |


Montag, 18. September 2017

2 Jahre Dieselgate - Ende offen.

Am 18.September 2015 hat die amerikanische Umweltbehörde die Notice of Violation of the Clean Air Act veröffentlicht - sie hat VW in der Folge schon 22 Milliarden US$ gekostet. Am Anfang war das noch gar nicht absehbar - von “Defeat Device” bzw. Prüfstandserkennung war die Rede. Erst dieser Vortrag beim jährlichen Kongress des Chaos Computer Clubs 3 Monate später brachte Licht in’s Dunkel - Felix Domke war es gelungen die Motorsteuerung zu hacken und er war auch der erste, der dort die Akustikfunktion auslesen konnte.

Martin Winterkorn flog schon nach Tagen aus dem Sattel, allerdings ist er weich gefallen: 3.000 € Urlaubsgeld pro Tag summieren sich in 2 Jahren zu über 2 Mio. €.

Das Ganze passierte 2015 auch ausgerechnet zur IAA - Verschwörungstheorien befeuerten die öffentliche Diskussion, von Wirtschaftskriegen zwischen USA und Deutschland war die Rede.

Heute - eine IAA später - sind wir schlauer und die ersten Leute im Gefängnis, aber VW noch lange nicht geläutert. Am Wochenende habe ich mir die ZDF Diskussion bei Maybrit Illner angeschaut. Es war zwar keine Zeitverschwendung, aber wie sehr eine ominöse Software als Schuldiger aus dem Fenster gehangen wird, stellt einem die Nackenhaare auf. Man muss kein Informatiker sein, um die Zusammenhänge zu verstehen, aber selbst Ranga Yogeshwar - der Alleserklärer - hat die Thesen von VW Vorstand Herbert Diess unwidersprochen im Raum stehen lassen.

In Wirklichkeit reden wir von einem klassischen SCHALTER, der auf AN oder AUS gestellt wird. Damit wird die Abgasreinigung ein- oder ausgeschaltet, je nachdem ob das Fahrzeug auf dem Prüfstand steht (Abgasreinigung AN) oder im Alltag auf der Straße unterwegs ist (Abgasreinigung AUS). Sowas wird heutzutage natürlich einprogrammiert, aber nur weil es in Bits und Bytes abgebildet wird, ändert das nichts an der Funktionsweise.

Auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt ist sich nicht zu schade, von einem Fehler in der Software zu sprechen, der halt über den Softwareupdate korrigiert wird. Natürlich ist das alles andere als ein Fehler - es ist ein Betrugs-FEATURE, auf dem die millionenfache EA 189 Dieselmotorstrategie des VW Konzerns fußt.

Ich lese aktuell noch in dem ausgezeichneten Buch von Jack Ewing und er hat kürzlich ein schönes Interview geführt, das man sich hier anhören kann. Beides - Buch und Podcast - sind sehr zu empfehlen. Mir ist klar, dass VW besonders in Deutschland viele Freunde und Fans hat - Käfer, Audi 80 GTE und der elterliche Werkstatt-Passat ziehen sich auch bei mir anekdotenreich durch die jugendlichen Verkehrseskapaden - sowas verbindet.

Und man kann verstehen, dass große Teile der Öffentlichkeit und auch VW die lästige Dieselthematik gerne hinter sich lassen möchten, aber die Geschichte ist noch lange nicht ausgestanden: Gerechtigkeits-Schwergewichte wie Michael Hausfeld nehmen gerade erst Anlauf. Und auch wenn die Vorstände alle lässig abwinken: der Konzern ist noch lange nicht über’n Berg.

Dieselgate | Akustikfunktion | Winterkorn | Yogeshwar | Softwareupdate |


Montag, 11. September 2017

Bei PSA in Frankreich stinkt es auch nach Dieselgate.

Wie bei VW ist beim neuen Opelbesitzer ebenfalls von Abschalteinrichtungen die Rede - statt Akustikfunktion heißen sie in Frankreich LowNox und LowCO2.

Und wie bei uns in Deutschland sickern Details erst durch die Zeitung an die Öffentlichkeit (Le Monde).

Dieselgate | Peugeot | Citroen |


Montag, 28. August 2017

Audi Vorstände ausgetauscht und das Wort DIESEL aus dem Wortschatz gestrichen.

Wie schon Anfang August bekannt wurde und hier zu lesen war, hat Audi jetzt 4 seiner insgesamt 7 Vorstände ausgetauscht.

Die Pressemitteilung wird in die Geschichte eingehen, denn da steht nicht nur 1 Elefant im Raum, sondern eine ganze Elefantenherde: das Wort DIESEL kommt in der PM genau null mal vor!

Stattdessen so Floskeln wie “Bisherige Vorstände haben positive Entwicklung von Audi geprägt” oder “Zuletzt ist Audi durch eine schwierige Phase gegangen.”

Vor allem soll der Eindruck erweckt werden, dass das (was denn eigentlich?) jetzt Vergangenheit ist und man neu durchstarten kann. Ein Reboot sozusagen.

“Die Weichen für die Zukunft zu stellen ..”, ”.. in der Mobilitätswelt von morgen erfolgreich zu sein.”

Ich fürchte da macht man es sich in Ingolstadt etwas zu einfach, denn die Sünden der Vergangenheit (Gegenwart?) werden sie noch ein paarmal einholen. Akustikfunktion? Da war doch was?

Audi | Dieselgate | Akustikfunktion | Elefant | Diesel |


Sonntag, 27. August 2017

Brutales Urteil für VW Dieselgate-Ingenieur James Liang: 40 Monate US-Gefängnis und 200.000 Dollar Strafe.

Da kannte der Richter keine Gnade: 40 Monate Haft und $200.000 Strafe - das lag ordentlich über dem von der Staatsanwalt geforderten Maß (36 Monate und $20.000).

Die Verteidigung hatte auf sehr viel größere Milde gehofft: 1 Jahr Stubenarrest zuhause (“Home Detention”), 1.500h Sozialarbeit und ein symbolischer Geldbetrag (“Nominal Fine”).

Alta Motors

Das ist mir sogar eine eigene Grafik wert. Denn wahrscheinlich sind alle erstmal schwer blass geworden, als Richter Sean Cox das vernichtende Urteil verlas. Das Problem mit amerikanischen Gefängnissen: Ausländer kommen prinzipiell in Low-Security Gefängnisse - zusammen mit krassen Verbrechern und Bandenmitgliedern. Nicht das geeignete Umfeld für einen 62-jährigen mit eher schmächtiger Statur.

Ich war auf der Suche nach mehr Hintergrundinformationen und wurde bei Prozessreporter Robert Snell fündig, der für Detroit News arbeitet:

Überraschenderweise war bei der Urteilsverkündung am Freitag kaum was los im Gerichtssaal - da hätte ich mehr Medienrummel erwartet. Besonders, weil das ja das erste Urteil ist, das in der ganzen VW Affäre gefällt wurde. Es ist allerdings noch nicht rechtskräftig, James Liang kann noch Berufung einlegen. Was ich eigentlich erwarten würde, denn schlimmer kann es ja nicht werden und es ist ja hoffentlich VW, die die Prozesskosten tragen.

Und wenn der Ingenieur, der keine Leute unter sich hatte und keine Management-Position, schon so eine heftige Strafe bekommt, obwohl er freizügig mit der Strafverfolgung zusammengearbeitet hat, was blüht dann erst dem VW Manager Oliver Schmidt? Der noch leichtsinnig nach Florida in Urlaub geflogen ist, wo man ihn direkt am Flughafen verhaftet hat? Die Latte liegt jetzt jedenfalls ziemlich hoch.

Die Prozessdokumente sind sehr spannend, kann ich unbedingt zur Lektüre empfehlen.

In der Anklage ist z.B. von einer “Company A” die Rede (S.5):

Company A was an automotive engineering company based in Berlin, Germany, which specialized in software, electronics, and technology support for vehicle manufacturers. VW AG owned fifty percent of Company A’s shares was Company A’s largest customer.

Und dann auf Seite 17:

On or about November 10, 2006, a Company A employee submitted a request, on behalf of Volkswagen, for a software design change to what was known as the “acoustic function” that would become the defeat device.

Die Akustik Funktion! Die hat damals im Dez. 2015 Felix Domke in dem historischen Vortrag beim CCC vorgestellt.

In der Anklageschrift kann man aber auch nachlesen, dass es vermehrt Qualitätsprobleme beim EA 189 Motor gab. Weil die Prüfstandserkennung nicht akkurat funktionierte und der Motor dadurch auch auf der Straße im abgasarmen Modus lief. Wofür die Komponenten aber wohl nicht ausgelegt waren. Und wie adressiert man das am geschicktesten? Natürlich per Softwareupdate. Ich weiß nicht, was sie den Kunden in’s Gesicht gelogen haben, aber auf Seite 13 der Anklageschrift kann man nachlesen, dass per Software die Lenkwinkelerkennung nachgerüstet wurde, um die Prüfstandserkennung zu verbessern. Sehr krass.

Als der Betrug drohte aufzufliegen, haben die Beteiligten alles versucht, die wahren Gründe zu verschleiern. James Liang war von Anfang an beteiligt und hat auch an den Sitzungen für die ursprüngliche Zulassung teilgenommen. Aber er war natürlich nicht Kopf des ganzen und nur die vorgeschobene Außenstelle. Aufgrund des Emailverkehrs, der in der Anklageschrift zitiert wird, kann man vermuten, dass noch einige Namen auf der US Fahndungsliste stehen. Da werden wohl ein paar Leute ihre Reisetätigkeiten stark einschränken in Zukunft.

Zur Zeit wohnt James Liang mit seiner ganzen Familie (2 Töchter, 1 Sohn - 18, 23 und 24 Jahre alt) in Kalifornien. Das geht aus der Schrift der Verteidigung hervor. Die Aufenthaltsgenehmigung für James Liang wird bei Verurteilung zurückgezogen und nach der Gefängnisstrafe muss er sofort das Land verlassen. Er arbeitet seit 1982 bei VW - direkt nach dem Studium in Hannover - also 35 Jahre. 2006 war er einer der Ingenieure, die an der 2L Diesel Entwicklung mitgewirkt haben - für 69.000 € im Jahr. Normales Ingenieursgehalt würde ich sagen.

Schon damals war der Entwicklungsabteilung klar, dass die NOx Werte nicht zu schaffen sind und in 2007 wurde der “Clean Diesel” der Environmental Protection Agency (EPA) und dem California Air Resources Board (CARB) vorgestellt. Von Anfang an mit Defeat Device, das natürlich verheimlicht wurde. Mitte 2008 ist James Liang dann gewechselt zu VW GOA (Volkswagen Group of America). 2014 hat die ICCT Study alles aufgedeckt und erst im September 2015 hat VW gestanden.

Jetzt - 2 Jahre später - wird ein Ingenieur eingelocht. Während z.B. der feine Herr Winterkorn beurlaubt ist und weiterhin 3.000€ Gehalt bekommt. Täglich. Und die Strafverfolgung in Deutschland im Bezug auf VW außer Kraft gesetzt scheint.

Dieselgate | Liang | Akustikfunktion | Detroit | Michigan | Winterkorn |


Donnerstag, 16. März 2017

´Dieselthematik´ mit voller Wucht in Ingolstadt eingeschlagen.

Da haben sich einige Kreative lange Zeit die Köpfe zerbrochen, wie man den größten Betrug im Automobilbau Made in Germany mit einem harmlosen Wort verniedlichen kann: Dieselthematik.

Die Staatsanwaltschaften der Länder Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen lässt das kalt - sie hatten ganz andere Probleme: der Anfangsverdacht gegen Audi musste so wasserdicht sein, dass man sich mit maximalem Drehmoment zu den Köpfen von Clean Diesel der Volksverarsche durcharbeiten kann.

Und ausgerechnet Volkswagen selber hat den Startschuss gegegeben, als man sich zu den detaillierten Anschuldigungen in Amerika bekannt hat - in der Hoffnung damit die Sache vom Tisch zu bekommen.

Man kann die Dicke der Hälse der Staatsanwälte grob einschätzen, wenn bei breit angelegten Hausdurchsuchungen gestern sogar die VW’sche Anwaltskanzlei auf links gedreht wird. Oder selbst vor der zeitgleich stattfindenden Audi Jahrespressekonferenz keine Rücksicht genommen wird.

Innerhalb der aktuellen Berichterstattung gab es auch eine Theorie, warum die Abschaltung ausgerechnet als Akustikfunktion bezeichnet wurde:

Um die Rolle Audis im Dieselskandal zu verstehen, muss man sehen, welche Bedeutung Audi im großen VW-Konzern hat. (..) .. die Ingolstädter Ingenieure haben seit jeher wichtige Entwicklungsaufgaben im Konzern. (..) 1999 entwickelten sie eine Software, die das laute Klopfen von Dieselmotoren beim Starten unterdrücken sollte. Wie sich später herausstellte, ließen sich mit diesem zunächst ganz legalen Programm auch Abgasmessungen manipulieren. Eine Schummel-Software, die unter dem beschönigend-harmlosen Begriff “Akustikfunktion” geführt wurde?

Und das Nachfüllen von AdBlue sollte auf keinen Fall den Kunden aufgenötigt werden - die feine Audikundschaft könnte sich ja die Finger schmutzig machen. Bei den langen Inspektionsintervallen hätte das große AdBlue Tanks bedeutet, für die kein Platz war, denn der Kofferraum sollte natürlich auch üppig ausfallen. Also kleiner Tank und die Akustikfunktion sorgt für die nötige Sparsamkeit. Und weil das Nachfüllen ja jetzt Aufgabe der Werkstätten war, brauchte der Tank noch nicht einmal gut erreichbar verbaut werden: win-win-win.

Dieselgate | Akustikfunktion |


Montag, 19. September 2016

1 Jahr Abgasskandal.

Am Sonntag jährte sich der VW-Skandal in Europa. Am 18. September 2015 löste der öffentliche Brief der US-Umweltschutzbehörde EPA den Absturz Volkswagens aus. (..)

Der aufschlussreichste Teilbereich dürfte in den Recherchen zum Zulieferer Bosch liegen. Dort fanden die Behörden E-Mails, in denen Bosch dazu raten soll, die als "Akustikfunktion" verschleierte Abschalteinrichtung der Abgasreinigung nur einer möglichst kleinen Personengruppe bekannt zu machen und sie aus der Dokumentation des Motorsteuergeräts zu streichen. Diese E-Mails geben also einen Hinweis darauf, dass Volkswagen tatsächlich in betrügerischer Absicht handelte zur Zulassung in den USA anstatt nur in nachlässiger oder billigender.


Sonntag, 27. Dezember 2015

32C3: VW Dieselgate Steuergerät entschlüsselt.

Auf dem 32C3 haben heute zwei IT’ler über den VW Emissionsbetrug referiert. Der 32C3 findet seit heute in Hamburg statt - also nur knapp 200km von Wolfsburg entfernt.

Der eine - Daniel Lange - war früher selber in der Autoindustrie und hat in seinem Vortrag das Feld geebnet, wie es so in den Entwicklungsabteilungen bezüglich Zielvorgaben abgeht und wie Emissionen technisch bekämpft werden sollen.

Der andere - Felix Domke - besitzt einen der betroffenen VWs und hat sich deshalb mal eine baugleiche ECU bei ebay besorgt, um den Code zu entschlüsseln. Was ihm auch tatsächlich gelungen ist durch das Ausnutzen einer Schwachstelle in einem der Chips, die er selber gefunden hat.

Der klassische Hacker also, der einfach mal sein eigenes Auto unter die Lupe nimmt. Übrigens nicht irgendwie bezahlt, sondern aus reiner Neugierde.

Und hat er Überraschendes rausgefunden, denn entgegen aller Meldungen, die bisher von den Medien weltweit verbreitet werden, wird nicht der stationäre Zustand auf dem Prüfstand abgefragt, sondern es muss ein enger Korridor aus Zeit und zurückgelegter Wegstrecke vorliegen, damit der AdBlue Zusatz zugeführt wird. Und damit die Abgase den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Von diesen Min/Max Kurven der zurückgelegten Wegstrecke in Abhängigkeit zur Zeit konnte Felix diese Korridore extrahieren:

(Klick! für gross.)

Die Daten, die Felix theoretisch aus dem Quellcode gewonnen hat, konnte er auf dem Prüfstand verifizieren, denn sobald er den einprogrammierten Zeit/Entfernung Korridor verlassen hat, wurde die AdBlue Zuführung quasi abgeschaltet.

Unnötig zu erwähnen, dass der Zeit/Entfernungs Korridor exakt den Prüfzyklus umschließt:

(Klick! für gross.)

In den Kommentaren des ECU Quelltextes wird die Funktion übrigens Akustikfunktion genannt - Arglistigfunktion wäre vielleicht besser gewesen:

(Klick! für gross.)

Der Vortrag dauert 90 Minuten und es gibt ihn hier zum Ansehen und als Download.

Aufgrund der genauen Eingrenzung, wie die Prüfsituation von der Elektronik erkannt wird - nämlich durch die zurückgelegte Wegstrecke über die Zeit und nicht durch eine stationäre Situation auf dem Rollenprüfstand - sollte es auch ein Leichtes sein, andere Fabrikate gezielter zu untersuchen.

Als kleines Nebenprodukt hat Felix übrigens noch herausgefunden, dass der Drehzahlmesser alles andere anzeigt, nur nicht die Drehzahl.

Dieselgate | 32C3 | ChaosComputerClub |




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