VLN bekämpft die GT3-Geister, die sie rief.

Freitag, 15. März 2019

VLN bekämpft die GT3-Geister, die sie rief.

Der VLN gleitet das Heft des Handelns aus der Hand - und das sollte niemanden überraschen. Das ist der Preis, wenn man sein Reglement auslagert, so wie es die VLN 2009 gemacht hat, als sie nicht nur mit der SP9 den internationalen GT3s den roten Teppich ausgerollt hat - sie hat auch noch dafür gesorgt, dass der Gesamtsieg nur mit einem solchen Auto eingefahren werden kann, denn die Konkurrenzklassen wurden entsprechend kastriert.

Das erste GT3-Auto war die Mintgen Viper - und inzwischen haben so ziemlich alle Hersteller Werkseinsätze am Ring in der engeren Auswahl - besonders beim 24h-Rennen. Angefangen hat also alles vor genau 10 Jahren:

Mike Frison / renn.tv

Das war quasi der Anfang vom Ende - genau wie der Sarkophag, der zeitgleich am Ring entstanden ist:

Mike Frison / renn.tv

Zugegeben, ich hänge emotional an den SP-Autos, die damals rausgekegelt wurden. Aber man muss sich auch erinnern, dass dieser Wandel ohne Not vollzogen wurde, nur dem Profitgedanken der Riege um Peter Geishecker folgend. In den GT3 Jahren haben sich nach und nach alle namhaften Hersteller am 24h-Rennen abgearbeitet - zum Wohle der beteiligten Organisationen und Dienstleister.

Und nachdem man mit der GT3 so gute (= profitable) Erfahrungen gemacht hatte, wurde der Spielplatz auch für weitere Klassen (GT4, TCR) geöffnet - wodurch natürlich die Kontrolle über das technische Reglement immer weiter aus der Hand gegeben wurde. Freiwillig.

Mike Frison / renn.tv

Dabei waren die SP-Klassen eine tolle Erfindung: 11 Rennen im Jahr (VLN + 24h) reichten als Betätigungsfeld für einen extra aufgebauten Rennwagen, die Fahrzeuge waren perfekt für die Nordschleife optimiert und die Vielfalt sorgte für einen stabilen Unterbau. Das Reglement war dabei immer selbstbestimmt und wenn es eine sinnvolle Änderung gegeben hätte, dann wäre das die Abnabelung vom DMSB gewesen. Denn den braucht eine Rennserie, die sowieso nur auf einer Rennstrecke unterwegs ist, noch weniger als die anderen.

Heute gibt es kaum noch Eigenbauten, neben den FIA Klassen haben zahlreiche CUP Engagements der Hersteller die Handwerkskunst des Rennwagenbauens weiter vertrieben.

Natürlich ist solch ein Kartenhaus wackelig, denn ohne Kontrolle über das Reglement ist man Entwicklungen hilflos ausgeliefert - was immer das auch für Entwicklungen sind. Dabei ist das Schnellerwerden der GT3 noch die Vorhersagbarste.

Die VLN kommt mir schon seit Jahren vor wie ein Hase in Schockstarre - ich habe es hier oft genug erwähnt. Ich kann mich auch gar nicht mehr aufregen über die jüngsten Entwicklungen - denn das habe ich schon hinter mir und mein Aufregungspotential ist irgendwann auch erschöpft. Da der reinigende Knall auch nicht zugelassen wird und man flickt und schustert, bis nichts mehr geht, habe ich auch für die Zukunft wenig Hoffnung.

Strategisch gesehen ist die VLN nämlich eine komplette Nullnummer. Würde man die Verantwortlichen fragen, wo sie sich in 5 oder 10 Jahren sehen, dann gucken sie einen mit großen Augen an, völlig irrtiert, weil doch alles läuft und idealerweise einfach alles so bleibt wie immer. Dass der Mobilität große Umwälzungen bevorstehen und die OEMs längst die Weichen umstellen, scheint die isolierten Lenker nicht im Geringsten zu beunruhigen - wenn sie es denn überhaut mitbekommen. Ob sich jemand aus der VLN die VW Pressekonferenz diese Woche angeschaut hat?

Strategie heißt für die VLN sich von Rennen zu Rennen zu hangeln, dabei ist die Winterpause mit der Siegerehrung und der Messe Essen dazwischen noch die größte Herausforderung. Dass der Zeithorizont keine Woche weiter reicht, sieht man an den aktuellen Reaktionen der Getriebenen, die allen Ernstes die GT3 - und NUR die GT3 - per Giesskannen-BOP um weitere 5% Leistung reduzieren wollen - eine Woche vor dem ersten Rennen:

Die Balance of Performance (BoP) der GT3-Fahrzeuge für den ersten VLN-Lauf sorgt aktuell in den sozialen Netzwerken für Aufregung. Auf eine Forderung der obersten internationalen Motorsportbehörde FIA unterrichtete der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) die in der GT3-Klasse vertretenen Hersteller Anfang vergangener Woche darüber, dass die Leistung aller Fahrzeuge um fünf Prozent zu reduzieren sei, um die Rundenzeiten zu senken.

Sie meinten wohl, “um die Rundenzeiten zu erhöhen”, aber man darf das ruhig als weiteres Zeugnis der um sich greifenden Hektik deuten.

Damit ist natürlich die Gesamtsieggarantie für die teuren SP9-Autos ebenso gefährdet wie die Sicherheit auf der Strecke - was selbstredend dem Kartenhaus massiv zusetzt. Denn die abtriebsstarken GT3 werden motorseitig leistungsschwächer und müssen immer waghalsigere Manöver einsetzen, um die Autos aus den kleinen Klassen in den Kurven zu überholen, nachdem sie vorher lässig von ihnen auf der Döttinger Höhe einkassiert wurden.

Und die böse FIA vorzuschieben, damit hat man ja inzwischen Erfahrung beim DMSB. Dass der Präsident der FIA GT Commission der wohlbekannte Christian "Tempolimit" Schacht vom DMSB ist, das muss man ja nicht explizit erwähnen - gibt nur unnötigen Ärger.

Man kann als Außenstehender nicht die Gedankengänge nachvollziehen, die dazu führen, dass man sich das eigene Standbein wegtritt. Die schneller werdenden Fahrzeuge, die Limits der Nordschleife und das massive Mobilitäts-Umdenken der OEMs und der Öffentlichkeit - all dies prallt am VLN Bollwerk ab, als würde es gar nicht stattfinden.

Vielleicht wären die Verantwortlichen im historischen Motorsport besser aufgehoben, denn der verfolgt tatsächlich das Ziel die Zeit stillstehen zu lassen.

VLNLangstrecke | FIAGT3 | Schacht | BalanceOfPerformance |

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