Coronavirus und Tauchen.

Sonntag, 19. April 2020

Coronavirus und Tauchen.

Ein Taucharzt - ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt - der zugleich auch leitender Oberarzt in der Notfallaufnahme der Uniklinik Innsbruck ist, teilt Einblicke aus seinem aktuellen Arbeitsalltag. Innsbruck liegt wie bekannt mitten in Tirol - und da war doch was.

Die Lunge spielt beim Tauchen natürlich eine große Rolle:

Interessant war und ist, dass es eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen den Befunden und dem Empfinden der Patienten gibt. Junge Leute im besten Taucheralter kommen zu Fuss in die Notfallaufnahme, haben normale Vitalparameter und benötigen subjektiv keinen Sauerstoff. Und dann haben sie diese eindrucksvollen beidseitigen Infiltrate in ihren Lungen, die ausschauen, als ob man ein, zwei Tücher in einen Eimer Öl hängt und wieder rauszieht und aufhängt. (..)

Man kann Lungenschädigungen haben, ohne dass man das direkt spürt. Und das zieht sich zeitlich wohl auch eine Weile hin.

Spannend sind nun die ersten Kontrollen dieser sechs Taucher, die nach 5 bis 6 Wochen klinisch gesund zur Kontrolle kamen. Bei zweien sahen wir bei Belastung eine deutliche Sauerstoffunterversorgung als typisches Zeichen eines persistierenden Lungenshunts. Bei zweien bei Belastung immer noch sehr erregbare Bronchien wie beim Asthmatiker. Bei vier von den sechs Tauchern im Kontroll-CT immer noch eindrucksvolle Lungenveränderungen.

Fest steht, dass jene Taucher, die sich im Grossen und Ganzen wieder gesund fühlen, offensichtlich auch nach vielen Wochen immer noch gravierende Befunde aufweisen, die in keinster Weise zu einer Tauchtauglichkeit führen.

Er schenkt aber auch reinen Wein ein - sozusagen direkt von der Front - dass wir aktuell immer noch viel zu wenig wissen und die Experten auch nur vor sich hin vermuten:

Ich schreibe euch nur so viel, dass es den sogenannten Corona-Experten überhaupt nicht gibt, weil wir alle täglich Neues dazulernen und viele Bücher neu geschrieben werden müssen. Auch die Virologen oder Epidemiologen können uns aktuell nur wenig helfen, auch wenn sie täglich in Interviews und Beiträgen zitiert werden. Momentan sind wir alle erst im Nachhinein schlauer.

Worüber ich mir in letzter Zeit viel Gedanken machen: Sportler.

Aktuell fallen alle Veranstaltungen aus und damit auch die Wettkämpfe, auf die viele Sportler hin trainiert haben. Olympia ist der weltweite Wettkampf, aber das gibt es natürlich auch auf nationaler oder lokaler Ebene. Die Sportler wissen nicht, wann es wieder weitergeht, müssen sich aber fit halten, damit sie wieder ihre Leistung abrufen können, wenn es soweit ist.

Mike Frison / renn.tv

Man hört ja oft genug, dass die Mehrzahl der Corona-Infizierten keine Symptome zeigen - also gibt es für die Einzelnen auch keinen Grund, das Trainingspensum zu reduzieren. Und da wir über einen Virus reden, kann der im Körper ordentlich Verwüstung anrichten, wenn man trotz Infektion - die man aber nicht kennt - weitertrainiert.

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