Eigentlich wäre jetzt Rock am Ring.

Freitag, 05. Juni 2020

Eigentlich wäre jetzt Rock am Ring.

Das Nicht-Festival ist den ARD Tagesthemen einen Beitrag wert.

Eigentlich sollte man ja froh sein, wenn wenigstens das Fernsehen noch zum Ring fährt. Aber das sind schon surreale Bilder, die die senden - so einsam war es in der Eifel nur vor 1927.

Wie Beat im Beitrag sagt, das Virus kam zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Bildlich gesprochen: alle stehen startklar zum Saisonbeginn getankt und mit laufendem Motor vor der roten Boxengassenampel ... und dann Rennabbruch. Ohne Re-Start. Ohne Alles eigentlich.

Das gilt natürlich auch für Meuspath und der DTM Rückzug von Audi bzw. von GT-Porsche im Langstreckensport belastet die Stimmung noch zusätzlich.

Was ich schade finde ist die auffallende Kreativitätslähmung des Nürburgrings. Mir würden mit einer leeren Rennstrecke und ein paar Videokameras viele verrückte Sachen einfallen, die gerade jetzt auf darbende Zuschauer treffen würden. Und weil die Strecke ja eh leer ist, könnte man sie kostenlos nutzen. Für einen Rundenrekord mit einem autonomen Fahrzeug zum Beispiel. Da hätten die Geeks genug Zeit ihre Algorithmen zu tunen.

Nicht, dass das Uschi oder Retti helfen würde, aber man würde immerhin im Gespräch bleiben.

Aber digital und gedanklich setzt die große Ideenlosigkeit direkt hinter Sim-Racing ein - das hat inzwischen auch schon schmerzhaften Seuchencharakter.

Zur Ehrenrettung vielleicht noch, dass es die anderen Strecken auch nicht besser machen. Alle warten darauf, dass es morgen oder zumindest bald weitergeht - um dann bequem wieder in das alte Raster zu fallen. Dass es vielleicht nie wieder normal weitergeht ist mental zu anstrengend, um überhaupt darüber nachzudenken.

Gilt natürlich auch für Rock am Ring, die einfach stupide absagen. Da hätte man sich auch was Witziges in digitaler Live-Form einfallen lassen können, um die Community am Leben zu halten und den Leuten eine kleine Entschädigung zu bieten. Und - Achtung: Panikmache! - mit Formaten zu experimentieren, die als Alternative dienen könnten, wenn solche Großveranstaltungen in der bisher bekannten Form einfach nie wieder stattfinden können.

Das legendäre 24-Stunden-Rennen, das auf der rund 26 Kilometer langen Nordschleife und dem Grand-Prix-Kurs gefahren wird, musste bereits auf September verschoben werden: 800 Fahrer, 200 Autos, Zehntausende Zuschauer, die viel Geld in der Region lassen.

Lese ich richtig? Zehntausende Zuschauer? Woher die plötzliche Demut, das sind doch sonst immer Hunderttausende? Wo soll das noch hinführen, wenn nichtmal die Zuschauerlüge aufrechterhalten wird?

Immerhin ist Andy Gülden noch Chefinstruktor. Eine Wortschöpfung fast so schön wie Hauptgeschäftsführer.

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