N´dlich wieder Motorsport!

Sonntag, 28. Juni 2020

N´dlich wieder Motorsport!

Am Samstag konnte ich endlich nochmal ausrücken zum Motocross - wie sehr habe ich den Moment herbeigesehnt, so sieht ein glücklicher und verschwitzter Motorsportler in seinem Element aus:

Mike Frison / renn.tv

Kurze Rückblende:

Ich war heiß auf die Saison, bin fleißig mit dem Rad zur Arbeit gefahren - auch im Winter - doch dann die große Coronapause. Da steht das scharfe Eisen quasi neu und vollgetankt in der Garage, und ich kann nicht fahren!

Der Originalplan war, die Winterpause möglichst kurz zu halten, damit es mir als altem Sack nicht so schwerfällt wieder in den Tritt zu kommen. Gibt wahrscheinlich nicht so viele Ü50, die mit dem Crossfahren anfangen. Und dann auch noch dank Corona Home-Office, wodurch mein Arbeitsweg - und damit mein Radtraining - wegfällt. Schöner Driss.

Ursprünglich war ja mein Plan B, dass ich meinen Arbeitsweg fake. Dass hat auch ganz gut geklappt, aber inzwischen bin ich bei Plan C, denn das kleine Schwarze läuft so schön, dass man mit genug Zeit auch eine 100km Runde zusammenbekommt.

Mike Frison / renn.tv

Die Strecke habe ich weiter optimiert - und inzwischen ist sie echt toll, eine Mischung aus asphaltierten Feldwegen, festen Waldwegen, flüssigen Singletrails und idyllischen Ortsdurchfahrten. Gesamt 90km und einmal um Euskirchen, also ohne Pause so etwa 4,5h. Sind auch ein paar knackige Steigungen dabei, aber der Rest ziemlich flach - ist ja ein getriebeloses Singlespeed.

Mike Frison / renn.tv

Doch was nützt die ganze Planung und das Training, abgerechnet wird auf der Crossbahn. Und gestern war es soweit:

  • 27.Juni: erstes richtiges Training auf großer Strecke.

Neben der Fitness hatte ich noch ein weiteres Fragezeichen: ob sie anspringt. Denn inzwischen haben die Crosser keinen Kickstarter mehr, alles läuft über die kleine Lithium-Ionen-Batterie. Dafür bräuchte man aber ein spezielles Ladegerät - also Risiko und erst vor Ort zünden. Damit nicht unnötig Strom verbraucht wird.

Was soll ich sagen: hat alles prächtig funktioniert - ist direkt angesprungen und ich habe mich auch gleich wieder wohlgefühlt. Natürlich fahre ich immer noch mein Anfängertempo, aber anstrengend ist es allemal - heute einen Tag später habe ich ordentliches Muskelkater. So soll das sein.

Insgesamt waren es vier Turns je 20 Minuten - der Klassiker könnte man sagen. Ich bin immer noch schwer beeindruckt, was solche Crosser heutzutage leisten. Laufen sauber, springen immer an, Druck ohne Ende, Fahrwerk mit mächtigen Reserven für Normalos - garantierter Fahrspaß. Wenn ich da an damals denke, als wir uns als Jugendliche so eine ausgenudelte 125er luftgekühlt zusammengestottert haben, die aber eigentlich nie lief - was für ein Krampf. OK - ist auch 40 Jahre her - Alter, wie die Zeit vergeht. Aber so lange laufe ich schon der Idee hinterher, mir einen neuen Crosser zuzulegen - also neu im Sinne von frisch aus der Kiste - um damit regelmäßig auszurücken. So langsam scheint das Realität zu werden, hoffentlich breche ich mir nichts, das fehlt jetzt noch.

Letzte Woche wurden von KTM auch die neuen 2021er Modelle vorgestellt - das ist im MX Bereich so üblich, dass das relativ früh im Jahr stattfindet. Das Gute dabei, dass das wieder eine Minor Revision war, also kleinere Verbesserung ohne den Rahmen oder die Plastikteile zu verändern. Das heißt mein blauer Plastik-Kit würde auch da noch passen, wenn es später mal eine 2021 werden sollte.

Am Wochenende gab es auch noch anderen Motorsport, nämlich den 1. VLN Lauf. Unterwegs dachte ich, ich schau mal, wie es läuft - aber auf Twitter nur das große Schweigen. Keine Infos zum Rennen auf @vln_de - dem offiziellen Kanal. Dafür, dass im Vorfeld in jedem zweiten Satz das Wort digital gefallen ist und man sich gerne als modern und fortschrittlich verkauft, war das dann doch eher enttäuschend. Ich schmeiß von unterwegs sicher kein Youtube an, nur um mal zu gucken, was so geht.

Und wenn man sich dann mal im nachhinein anschaut, wieviele Teams, Fahrer und Zuschauer den offiziellen Kanal referenziert haben, dann kann man sich gut vorstellen, wie der Notification-Button auf dem Account geglüht haben muss. Da gehört schon eine ordentliche Portion Sturheit dazu, das zu ignorieren.

OK - eh nicht mehr meine Welt. Den Fahrern ist es zu gönnen, können sie endlich mal wieder auf die Nordschleife. Nachvollziehbar. Aber als Zuschauer ist - zumindest für mich - der Zenit längst überschritten. Sollen es andere zu Grabe tragen. Kaufautos von der Stange, die in fast 30 verschiedenen Klassen ihre eigenen Rennen austragen. Und nach dem Rennen wird natürlich von ebenso fast 30 kommerziellen PR Strategen der großartige Erfolg posaunt - sind ja auch 30 glorreiche Siegerteams zu feiern.

Wenn man sich die Fotos anschaut, dann wird der Kaufauto-Einheitsbrei offensichtlich. Aber bitte, soll jeder selber entscheiden. Ich will das ja niemandem madig machen - nur nicht wundern, wenn ich selber besseres zu tun habe.

Was ich mir gewünscht hätte, wäre so ein letztes mächtiges Aufbäumen. So noch einmal richtig aus dem Vollen, bevor der Hahn zugedreht wird. In Le Mans ist das gelungen: Audi, Porsche, Toyota - was für eine Schlacht. Am Ring waren das vielleicht die Jahre so um 2005, als Prototypen noch gewinnen durften. Danach nur noch kommerzielles Rahmabschöpfen - noch schnell die Seele verkaufen, bevor die große Ebbe einsetzt.

Problematisch wird nur für die Zukunft, dass man krampfhaft versucht, an Altem festzuhalten. Man hätte längst mit neuen Konzepten experimentieren müssen - als der Sport brummte und es Reserven gab. Aber jetzt - mit dem Rücken an der Wand - ist der Bewegungsspielraum natürlich nicht mehr vorhanden und man kann nur noch auf Zeit spielen. Und hoffen. Dass Corona bald vorbei ist, dass die Wirtschaft sich schnell wieder erholt, dass das mit dem Elektro und autonomen Fahren noch weit weg ist, dass die Leute möglichst bald wieder neue Autos kaufen und Vollgas fahren. Good Luck with that.

Von daher passt die zuschauerlose Nordschleife eigentlich ganz gut zur seelenlosen Rennserie.

Kommerzialisiert bis zur Unkenntlichkeit, ich glaube es würde sich sogar niemand wundern, wenn man in den Fernsehbildern die Zuschauer digital reinrendern würde. Austauschbar, reine Kulisse, geduldet ohne Mitsprache - so wie der digitale Applaus aktuell bei den Fußballspielen.

Ach - was rante ich hier rum - gehe ich nächste Woche wieder im Dreck wühlen und langweile Euch danach wieder mit meinen Anfängerberichten. Hauptsache Spaß in den Backen. Ist schon bemerkenswert, dass Integrität und Dreck im ehrlichen Sport so nah beieinander liegen.

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