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Freitag, 08. November 2019

Nichtmal vor der DTM macht die Elektrifizierung Halt.

Kaum ist die DTM Saison mit dem neuen Turbomotor - Stichwort: Sound-Symphonie - zu Ende, werden Pläne für eine eigene Elektro-Rennserie geschmiedet.

Ob die dann auch Powered by Aral sind?

Wie wärs denn mit Carrerabahn?

Aber eigentlich sind das sowieso Nebenkriegsschauplätze, denn ob die DTM mit Benzin, Strom oder Dampf betrieben wird - der Motorsport steht insgesamt auf der Kippe. Bei Audi soll Bram Schot abgelöst werden - gerade mal ein Jahr im Amt, nachdem Vorgänger Rupert Stadler mehr im Knast als im Büro saß. Beerben soll ihn Markus Duesmann von BMW - also die andere DTM-Marke - und ebenfalls ex-BMW Mann Herbert Diess dürfte an der Entscheidung nicht ganz unbeteiligt gewesen sein.

Grund für die hektischen Personalentscheidungen auf weiter Front sind die harten Einschläge für die deutsche Autoindustrie, die sich bräsig zu lange darauf verlassen hatte, dass ihr sowieso nichts passieren kann. Was langsam in Panik umschlägt. Und da ist der Motorsport - wie wir aus der Vergangenheit wissen - gerne mal das Bauernopfer bei den Vorstandsdiskussionen. Bin gespannt, wie Markus Duesmann mit dem Thema umgeht - er hat immerhin von FEV Racing bis Sauber F1 ziemlich starke Verbindungen in den Rennsport.


Mittwoch, 30. Oktober 2019

Wenn PSA und FCA fusionieren, dann wäre das ein ziemliches Markensammelsurium.

PSA ist ja schon das Ergebnis von Fusionen, der Kürzel macht es deutlich. Und FCA ebenso. Zusammenaddiert wäre das:

Abarth - Alfa Romeo - Chrysler - Citroën - Dodge - DS - Fiat - Jeep - Lancia - Maserati - Opel / Vauxhall - Peugeot

Alleine die Fusionsgespräche sind schon eindeutiges Anzeichen, dass die Einschläge für die Autoindustrie immer näher kommen. Der Motorsport könnte sich langsam mal in Alarmzustand versetzen.


Dienstag, 15. Oktober 2019

Harte Zeiten für The German Car Thing.

Kleiner Blick über den Tellerrand - genauer gesagt nach Amerika:

The ugly reality is that greed ultimately killed The German Car Thing, and now they can put their sunglasses away, because their day in the sun is officially over.

Hintergrund sind die sinkenden Restwerte.

Die Einschläge für die deutsche Autoindustrie kommen schneller und näher als befürchtet.

Und wo wird am liebsten der Rotstift angesetzt, wenn die See rauer wird? Richtig, beim Motorsport.

DeLorenzo | Autoextremist | Restwerte | Autoindustrie |


Sonntag, 08. September 2019

Spannende IAA 2019 nächste Woche - aber nicht wegen der neuen Fahrzeugmodelle.

Am Dienstag öffnet die IAA für 2 Pressetage die Türen, bevor die normalen Besuchertage vom 11. bis 22. September starten. Das wird eine spannende Messe. Nicht wegen Elektro, was Anfang des Jahres großen Raum in Genf eingenommen hat, sondern wegen Klima und Resourcenumgang.

Die Städte und die Straßen sind am Limit, doch der Wunsch nach individueller Mobilität wird immer größer. Größer auch im Sinne der Fahrzeuge, das nimmt inzwischen aberwitzige Dimensionen ein.

Mike Frison / renn.tv

Gestern gab es eine schreckliche Katastrophe mit in Berlin: ein Autofahrer steuert mit hoher Geschwindigkeit auf den Gehweg und tötet 4 Menschen. Vier! Stellt Euch das mal als Terroranschlag vor. Oder jemand stößt 4 Menschen vor einen Zug. Was da in den Nachrichten los wäre. Und so? Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen, tragischer - aber ansonsten normaler - Verkehrsunfall. Die Gefahr, die von Autos ausgeht, wird einfach als Status Quo hingenommen.

Oder noch ein Gedankenspiel: was wäre los, wenn das ein autonomes Roboterauto gewesen wäre? Das hätte weltweit Schlagzeilen gemacht. Obwohl ich bezweifle, dass jemals ein autonomes Fahrzeug 4 (!) Menschen auf dem Gehweg killt. Das werden wir wohl nicht erleben.

SUVs schwingen sich auf, den Gipfel der Ego-Mobilität zu erobern - eins größer, breiter und schwerer als das andere. Was zählt, ist die aggressive und dominierende Erscheinung, mit der die Insassen ihre Dominanz über den Rest der Bevölkerung zum Ausdruck bringen wollen. Platz da! Und Platz brauchen sie reichlich. Beim Parken, beim Fahren - und diesem stationären Zustand der persönlichen Mobilität, die man Stau nennt.

Die Süddeutsche schreibt heute über SUVs von einem instinktiven Recht des Stärkeren - passend zu dem Rest unseres heutigen gesellschaftlichen Zusammenlebens in Deutschland, wo Rücksichtnahme und Verantwortung kaum noch Platz eingeräumt wird.

In meiner Kindheit gab es mal den Spruch “Mercedes mit eingebauter Vorfahrt”, weil die zumeist betagten, aber auch betuchten Mercedesfahrer gerne für sich eine Sonderstellung im Verkehr beansprucht haben. Heute hat man das Gefühl, dass jeder auch gerne diesen Status für sich reklamieren möchte, einem Hochrüsten von Größe, Dominanz, Masse und Leistung wird keine Obergrenze eingezogen.

Mike Frison / renn.tv

Ich bin bekennender Autofan - schon immer gewesen. Das kommt davon, wenn man seine Kindheit an Tankstelle und Werkstatt der Eltern verbringt. Aber ich bin auch jemand, der mit offenen Augen durchs Leben geht - und ich erlebe den Verkehr in Köln, seit ich 1993 aus London dorthin gezogen bin. Der öffentliche Raum wird ständig enger, die Anzahl der Fahrzeuge steigt unaufhörlich und der Platz wird auch dadurch kleiner, weil die Autos immer fetter werden. Adipositas im Fahrzeugbau. Behäbige Dickschiffe, denen mit Steroiden - also Monstermotoren - nachträglich eine Dynamik eingeredet werden soll. Die Fahrzeuglenker passen sich diesem Schema gerne an: kommen sich wichtig vor, aber schaffen es nichtmal zu Fuß bis zum Bäcker.

Das Ganze nimmt inzwischen Dimensionen an, die man nur noch als grotesk bezeichnen kann. Wie dämlich muss eine Gesellschaft sein, sich solchen Götzen bereitwillig hinzugeben - den eigenen Körper aber behandeln wie eine Müllkippe? Verpestet von Abgasen, gefoltert von Bewegungsmangel und gestresst von hektischem Verkehr?

Der Bürgermeister von Berlin spricht von panzerähnlichen Fahrzeugen, was ja nicht von der Hand zu weisen ist. Sie haben in der Stadt nichts zu suchen - und so sehe ich das auch. In der Innenstadt von Köln geht es manchmal schlimmer zu als beim 24h-Rennen in der Boxengasse zum ersten Boxenstopp - als stände tatsächlich der Rennsieg auf dem Spiel. Und die Autoindustrie, mit ihrer Werbung, die der Kundschaft auch genau diese Gewinnermentalität suggeriert, ebnet den Weg und gibt das Rennen frei.

Nicht ohne Grund unterschreibt man beim Motorsport als Fotograf z.B. eine Enthaftung, weil man sich bewusst in die Gefahr des Rennens begibt und als ungeschützter Mensch gegen tonnenschwere Autos natürlich keine Chance hat. Aber was sagt das über unser Zusammenleben aus, wenn diese Gefahr ständig um uns herum lauert? Überforderte Fahrzeuglenker, die hochgerüstet ihrem Anspruch auf individuelle Mobilität mit Rücksichtslosigkeit Raum verschaffen. Deren unschuldige Opfer zwar betrauert werden, die aber eine Änderung des Systems auch nicht bewirken. Täglich wird in Deutschland mindestens 1 Radfahrer getötet - übersehen - oh, das tut mir aber leid. Muss ihr Kind halt ohne Vater aufwachsen.

Und quasi auf dem bisherigen Gipfel des Zusammentreffens von Klimaschutz vs Rücksichtslosigkeit, in der ein Auto vier Menschen auf dem Bürgersteig überfährt, will die IAA das Auto mit Hilfe einer großen Party abfeiern. Da muss man schon sehr abgestumpft sein, um den Widerstand in der breiten Bevölkerung zu ignorieren, die immer mehr Abneigung gegen das Auto entwickelt.

Oder sind es nur Außenseiter ohne Stimme und Lobby?

Letzten Freitag bin ich bei der Critical Mass hier in Köln mitgefahren - zusammen mit 1.000 anderen Radfahrern. Das ist keine angemeldete Demo, sondern ein Treffen von Radfahrern, die gemeinsam eine Ausfahrt machen. Die Route ist spontan - die Spitze gibt die Richtung vor. Und weil es ein geschlossener Verbund ist, zählen diese 1.000 Radfahrer als 1 Fahrzeug, d.h. Ampeln zählen nur für die Vorderen. Ist ein großer Spaß und findet schon recht lange weltweit in vielen großen Städten statt. Kai und Markus sind auch mitgeradelt und wir hatten unterwegs viel Spaß, Zeit zum Quatschen und uns die Stadt anzusehen.

Mike Frison / renn.tv

Und natürlich auch, um uns über Mobilität zu unterhalten - die beiden sind auch Autofreaks durch und durch. Trotzdem waren wir uns einig, dass die individuelle automobile Mobilität einen Perversionsgrad erreicht hat, der korrigiert werden muss. Und wenn man sich umschaut, wer da alles gutgelaunt mitradelt, dann sind das keine Ökospinner, sondern Leute aus allen Schichten der Gesellschaft, denen es einfach wichtig ist, angenehm in ihrer Stadt leben zu können.

Und diese - sympathischen - Protestbewegungen nehmen zu. Für die IAA hat sich einiges angekündigt, der Veranstalter VDA tut sich schwer, dem Rechnung zu tragen. Geht ja auch nicht, SUVs und Klimaschutz werden nie kompatibel sein. Und den übertriebenen Raumbedarf des neuen Taycan - der Zukunft! - hatte ich ja erst aufgegriffen.

Deutschland ist ein spezielles Pflaster, wenn es um Autos geht, denn hier sind die Premiummarken zuhause, die ihre Leistungsschau in die Welt exportieren wollen: Porsche, BMW, Mercedes, Audi … und da gehört es natürlich zum guten Ton, beim Heimspiel besonders zu glänzen. Wir vergessen das leicht, weil wir hier wohnen, aber der einstige Segen der glorreichen Autoindustrie entwickelt sich langsam zum Fluch: lähmende Aufklärung bei Dieselgate, peinliche Bahn- und ÖPNV Anbindung, künstliche Erhaltung der Verbrenner-Technologie. Man braucht nicht weit zu schauen, der Vergleich der Raumaufteilung im Verkehr in Holland spricht Bände und die Gegensätze könnten deutlicher nicht sein.

Das zaghafte Umdenken scheint jedoch - sogar! - in Deutschland um sich zu greifen. Von daher wird es eine spannende IAA 2019. Auch lustig, dass die Fahrzeugmodelle an sich fast schon als nebensächlich untergehen.

Und über den Motorsport haben wir in dem Zusammenhang noch gar nicht gesprochen - der könnte schneller die allgemeine öffentliche Ächtung erfahren, als ihm lieb ist.

IAAMesse | Mobilität | CriticalMass | Zukunft | Protest | Klima |


Dienstag, 06. August 2019

Seziert und verglichen: Chevy Bolt vs BMW i3 vs Tesla Model 3.

Jalopnik war wieder bei Munro - das ist die Firma, die sich in der Autoindustrie auf Reverse Engineering spezialisiert hat - Stichwort: Benchmarking.

Und haben die 3 EVs mit ihren Unterschieden im Detail vorgestellt:

youtu.be/pgu6mkKZwNg

Spannend zu sehen wie sich die Konzepte massiv unterscheiden - da ist noch ordentlich Spielraum, bis sich die beste Variante durchsetzt. Und sehr beeindruckend, wie es Tesla gelingt die Latte mächtig hochzulegen.

Jalopnik | Munro | Bolt | BMWi3 | Model3 |


Samstag, 13. Juli 2019

Wachstum und Fortschritt - oder Ende der Fahnenstange?

Noch ist von Verzicht nicht viel zu spüren, doch die Erkenntnis arbeitet sich langsam in die Köpfe vor, dass es ohne nicht gehen wird.

Heute in der Süddeutschen Zeitung:

Echter Klimaschutz wird weh tun.

Politikerinnen und Politiker sollen es richten, dafür werden sie gewählt. Sie sollen es aber so tun, dass es nicht wehtut. Wirtschaft und Wohlstand sollen immer weiter wachsen - nach dem Motto: Wasch’ mir den Pelz, aber mach’ mich nicht nass!

Wir haben uns Wohlstand erarbeitet - aber wollen irgendwie nicht wahrhaben, dass dies auf Kosten der Umwelt geschieht. Denn würden wir es einsehen, dann müssten wir ja konsequenterweise darauf verzichten. Und Verlust ist etwas, das der Mensch grundsätzlich vermeiden möchte.

Mike Frison / renn.tv

Also machen wir es uns auf dem Wohlstandsthron bequem - und lassen uns einreden, dass wir dies verdient hätten. Fängt an bei den Kleinigkeiten - mal schnell mit dem Auto zum Bäcker Brötchen kaufen - und setzt sich bei den größeren Sünden fort: Flugreisen zum Beispiel. Oder Motorsport.

Die CO2 Rechnung hatte ich ja schon aufgemacht - da muss man schon mit dem spitzen Stift kalkulieren, um das Budget nicht zu überschreiten. Wer verzichtet schon auf’s Heizen im Winter, um budgetgerecht im Sommer in Urlaub zu fliegen?

Mike Frison / renn.tv

Noch schreckt der Staatsfunk davor zurück, den Leuten reinen Wein einzuschenken. Schleichen um den heißen Brei, reden von Tonnen und Prozent - aber die reale Plus-Minus-Rechnung wird vermieden. Der Grund ist klar: wir leben aktuell weit über unsere Verhältnisse - quasi in Saus und Braus - nicht bereit auch nur einen Zentimeter aufzugeben. Nie wurden in Deutschland soviele SUVs verkauft wie heute.

Mike Frison / renn.tv

Inzwischen spürt zumindest die Autoindustrie, dass der Zenit überschritten ist. Es werden Allianzen geschmiedet, die früher undenkbar waren: BMW und Daimler, VW und Ford. Und die Analysten sagen weitere Zusammenschlüsse voraus.

Die Dynamik gewinnt an Fahrt - und der o.g. Artikel aus der Süddeutschen untermauert, dass mit dem Tabu gebrochen wird, es könne immer so weitergehen. Es sind Einschnitte nötig, die unser aller Leben betreffen werden. Während die Öl- und Verbrennerindustrie verzweifelt die alten Pfründe verteidigt, wird übersehen, dass die Mobilität insgesamt ungesunde Ausmaße angenommen hat und zurück auf Normal reduziert werden will. Das betrifft nicht nur Personen-, sondern auch Warentransporte und es kann nicht schaden, sich darauf schonmal gedanklich vorzubereiten.

Denkt mal ein paar Jahre weiter - und die Hitzesommer noch ein paar Grad heißer, die Regen stärker, die Tornados wütender. Jedes Extremwetter wird die Diskussion weiter anfachen - das Klima ist nicht mehr Theorie, sondern real für alle live zu erleben. Wobei es fast schon makaber ist, sich über Merlot in Rheinland-Pfalz zu freuen, wie es Julia Klöckner kürzlich im Interview gemacht hat.

Man wird auf die Verbrenner mit dem Finger zeigen, auf die SUVs, auf die Vielfahrer, auf die Flugreisenden, auf die Motorsportler. Und wenn das alles nichts hilft, wenn die Grünflächen weiter ausdörren, die Wasser- durch Flüchtlingsströme ersetzt werden, das Wasser knapp wird - dann wird Mobilitätsverzicht sowieso unser kleinstes Problem sein.

Mike Frison / renn.tv

Ich bin mal gespannt, wie sich der Rhein diesen Sommer einpegelt - hier ist ein guter Link für den Wasserstand in Köln.

In Köln beobachte ich in den letzten Jahren eine interessante Entwicklung: immer mehr Menschen verzichten auf ein eigenes Auto, obwohl sie sich das locker leisten könnten. Nicht der fette Klappenauspuffbenz ist cool, sondern der Lastenradpapa, der seine Sprößlinge zur Kita radelt.

Mike Frison / renn.tv

Veranstaltungen wie Critical Mass wachsen kontinuierlich - der Radverkehr nimmt gefühlt ständig zu. Leider bezahlen auch Viele mit ihrem Leben, in Deutschland letztes Jahr mehr als 1 Radtoter pro Tag (445).

Mike Frison / renn.tv

Ich habe zwar wenig Hoffnung, dass sich die Erkenntnis durch alle Schichten durchsetzen wird, aber ich bin dabei. Im Grunde genommen schon seit ich in Köln wohne - also über 25 Jahre.

Mike Frison / renn.tv

Noch ein Punkt lässt mir keine Ruhe: das Bevölkerungswachstum. Wusstet Ihr, dass die Menschheit täglich um 220.000 wächst? Grob gesagt verdoppelt sich die Bevölkerung alle 30 Jahre. Verdoppelt! Das ist ein globales Problem und solange wir in Länder aufgeteilt sind, die nationalistisch - also als Nation egoistisch - denken, wird das nichts mit solidarischem Handeln.

Die Erde an sich juckt das übrigens überhaupt nicht - die überlebt uns ganz locker. Hat schon 4,5 Milliarden Jahre auf dem Buckel - uns gibt es erst so 100.000 Jahre. Auf eine 24h Skala übertragen sind das 2 Sekunden - dieser Film, der die Geschichte des Universums simuliert, gibt einen guten Eindruck. Nimmt man ein Menschenleben - sagen wir 80 Jahre - dann sind das in dieser Analogie ein bis zwei 1/1.000stel Sekunden - worüber reden wir hier eigentlich?

Vielleicht nehmen wir uns alle einfach nur zu wichtig und sind in Wirklichkeit: völlig irrelevant.

Zukunft | Mobilität | Verzicht | Klima | Wohlstand | Radverkehr |


Freitag, 03. Mai 2019

RWE ist Europa´s Spitzenreiter - in CO2 Emissionen.

Ich habe mir mal diese CO2 Emissionstabelle der EU angeschaut.

Die Liste ist sehr unübersichtlich, hat über 14.000 Zeileneinträge. Wo ist die Executive Summary für uns, die Bürger? Sehr kundenfreundlich ist das nicht - es sei denn man möchte nicht, dass wir uns damit beschäftigen.

Wenn man nach Spalte H sortiert - TOTAL_VERFIED_EMISSIONS - dann sind erstmal über 1.000 Einträge “excluded”, bevor es zur Sache geht.

Das ist eine grafische Darstellung der ersten 100 Einträge:

Mike Frison / renn.tv

… und man sieht auf einen Blick, dass 7 Datenpunkte nach oben ausreißen - es sind wenig überraschend Braunkohle-Kraftwerke:

Mike Frison / renn.tv

Und wo liegen die? Das Dreckigste in Polen, 2 bei Cottbus, 1 bei Leipzig und 3 in unmittelbarer Nähe von Köln:

  • Neurath (Platz 2)
  • Niederaußem (Platz 3)
  • Weisweiler (Platz 5)

Ich war ja kürzlich zu Besuch dort - und in Manheim - die Dimensionen sind nur schwer zu begreifen.

Auf dieser Google-Maps Karte habe ich die Kraftwerke markiert (rote Symbole) zur besseren Übersicht:

Mike Frison / renn.tv

Den Erftlandring in Manheim habe ich auch getaggt (grünes Symbol) - im Satellitenbild sind die Tagebaugebiete gut zu erkennen - auch die Dimensionen, wenn man das mal mit der Größe von Köln vergleicht.

Würde man die 3 Emittenten zusammenfassen - was ja aufgrund der geografischen Nähe, dem Tagebaugebiet und dem Betreiber RWE gerechtfertig wäre - dann ergibt sich ein gemeinsamer CO2 Ausstoß von knapp 75 Millionen Tonnen (74.870.458 t CO2).

RWE hat heute übringens Hauptversammlung - aber solch ein Rekord wird natürlich nicht in den Reden aufgegriffen. Hier ganz aktuell die Version vom Vorstandsvorsitzenden Dr. Rolf Martin Schmitz - sie zeigt deutlich, wie der Konzern mit dem Rücken an der Wand steht und leicht panisch versucht zu korrigieren, was in den letzten Jahren verschlafen wurde. Hambacher Forst und Fridays for Future lassen sich nicht mehr ignorieren - der Druck der Gesellschaft ist größer geworden als der Widerstand und die Arroganz des Konzerns. Parallelen zur vergleichbar bräsigen und politikverwobenen Autoindustrie sind nicht zu verkennen.

Um das mal ins Verhältnis zu setzen: 75 Mio. Tonnen CO2 liegen in der Größenordnung ganzer Länder wie Kolumbien oder Österreich.

Die 3 Kraftwerke speisen pro Jahr zusammen 72.600 GWh Energie ins Netz ein (Neurath: 31.300, Niederaußem: 26.000, Weisweiler: 15.300 - laut Wikipedia).

Das stellt sich natürlich die Frage, wo sich die Dimensionen einordnen und was das bedeutet - mir kommen direkt ein paar Gedankenspiele in den Sinn: wie umweltschädlich wäre man unterwegs, wenn man diesen dreckigen Strom für ein Elektroauto tankt?

Pro KWh Strom werden ziemlich genau 1 kg CO2 emittiert: 74,87 Milliarden kg CO2 für 72,60 Milliarden KWh Stromerzeugung. Wenn also ein Elektroauto 15 KWh dieses dreckigen Stroms auf 100km verbraucht, dann emittiert ein Diesel mit einem Verbrauch mit 5,8L/100km genauso viel (2,65 kg / Liter). Jeder Diesel der mehr braucht, ist schädlicher.

Noch ein Rechenspiel: durchschnittlich werden in Deutschland 14.000 km pro PKW jährlich gefahren. Bei 15 KWh Verbrauch wären das pro PKW im Jahr 2.100 KWh. Mit den 3 Kraftwerken könnten also über 34 Millionen Autos elektrisch betrieben werden - immerhin 3/4 der gesamten deutschen PKW-Flotte.

Einen hab ich noch: insgesamt werden in Deutschland ca. 650 TWh Strom erzeugt, die 3 besagten Braunkohle-Kraftwerke machen also 11% aus.

Das heißt, wenn jeder von uns 11% Strom spart, könnten wir die Drecksschleudern sofort ausschalten und den Tagebau komplett stoppen.

Klima | Klimawandel | Zukunft | Emissionen | CO2Budget | Kraftwerke | Braunkohle |


Sonntag, 31. März 2019

(Verbrenner-) Smart sind eines der ersten Opfer des Mobilitätswandels.

Daimler geht ein 50/50 Joint Venture mit Geely aus China ein. Die neue chinesische Fabrik wird ab 2022 nur noch elektrische Smarts bauen. Damit werden die Verbrenner-Smarts auf den Straßen die ersten Dinosaurier, deren Tage gezählt sind.

Vielleicht noch interessant zu ergänzen, dass Geely bereits knapp 10% an Daimler besitzt. Und 100% an Volvo, nachdem sie es vor knapp 10 Jahren von Ford gekauft hatten. Und 51% an Lotus.

Ob der Andi "Fahrradhelm" Scheuer eigentlich mitbekommt, dass die von ihm so fußgeleckte deutsche Autoindustrie nach und nach ausländisch ausgehöhlt wird?


Montag, 25. März 2019

Die perfide Fahrradhelm-Kampagne von Verkehrsminister Scheuer.

Habt Ihr sicher mitbekommen - geht ja gerade in den Medien rauf und runter.

Das Hinterlistige dabei: dass sich alle an dem Sexismus abarbeiten, aber das Thema Fahrradhelm an sich viel zu voreilig abhaken.

Wie Ihr sicher wisst fahre ich viel mit dem Rad - sogar mehr Jahreskilometer als mit dem Auto. Und den Helm setze ich immer auf - kein besonders Teurer, den schließ ich mit dem Rad ab. Aber nicht, weil das Fahrradfahren an sich gefährlich ist, sondern weil mit der Art und Weise, wie der Fahrradverkehr mit anderen Fortbewegungsarten gemischt wird, die Unfälle vorprogrammiert sind.

Wenn Alternativen möglich sind, entscheide ich mich immer für den sichereren Weg - nicht für den Schnellsten oder Kürzesten. Denn hier in Deutschland - und besonders in Köln - ist man als Fahrradfahrer schon als Kollateralschaden mit eingepreist, das Auto hat absoluten Vorrang und danach kommt erstmal lange nichts.

Man wird also quasi gezwungen den Helm anzuziehen, wenn man sich in die Schlacht stürzt.

Und der Andi Scheuer hat natürlich alles andere als unser Wohl im Sinn - das merken wir ja deutlich in der Schadstoffdebatte - siehe gestern. Nein, der Autoindustrie gilt seine wahre Liebe. Und damit das Gemetzel unter den Radfahrern nicht ganz so tödlich ausfällt, sollen die mal alle schön Helm anziehen. An dem Gemetzel an sich ändert das natürlich überhaupt nichts. Und eine Verbesserung für die radfahrende Bevölkerung ist auch nicht vorgesehen.

Mike Frison / renn.tv

Scheuer | Fahrradhelm | Kampagne | perfide |


Sonntag, 03. März 2019

Das kommende Ausbluten der Zeitungsverlage kann sich die Autoindustrie schonmal als Apéritif genehmigen.

Dazu passt auch, dass G+J mit Bauer zusammenspannt - so wie Daimler mit BMW.


Montag, 25. Februar 2019

BEVs und der Osborne Effekt.

Wenn die etablierten Autohersteller gefühlt im Stundentakt neue elektrische Fahrzeuge vorstellen, werden die Leute dann nicht unsicher, was aktuelle Verbrennertechnik angeht?

Ja - werden sie - und es gibt sogar einen Namen dafür:

Osborne Effekt.

Hört sich erstmal relativ harmlos an, könnte aber für die Autoindustrie katastrophale Folgen haben - dieser tiefgründige Artikel, den ich Euch an's Herz lege, geht im Detail auf die Rahmenbedingungen ein.

Ich empfehle den Text wirklich von Anfang bis Ende durchzulesen, weil die Argumentationskette gut aufeinander aufgebaut ist.

Leider ist die Debatte um die kommenden Mobilitätsveränderungen sehr emotional aufgeladen - das spüre ich immer wieder in Gesprächen und auch Zusendungen. Ich hatte es ja sogar in diesem Video thematisiert.

Ich will hier niemanden belehren oder von irgendetwas überzeugen, mir geht es darum die Gedanken wandern und andere daran teilhaben zu lassen. Ein harmonischer Diskurs - Betonung auf: harmonisch.

Argumentativ kann ich dem verlinkten Artikel nur voll und ganz zustimmen, denn ich glaube auch, dass das Ausmaß und die Geschwindigkeit des Wandels massiv unterschätzt werden. Im Endeffekt ist es mir egal, ob es passiert oder nicht - ich kann es ja nicht beeinflussen - will ich auch gar nicht. Was meine berufliche Zukunft angeht, sollte ich sogar eher gegen globale Umwälzungen sein.

Aber es ist zugleich auch sehr spannend zu beobachten und aufgrund der Komplexität der ineinandergreifenden Entwicklungen nicht einfach zu durchschauen - erfordert also eine gewisse intellektuelle Zuwendung, aber auch Vorbildung. Und einen freien Geist, um nicht gleich bei den ersten Denkversuchen in der Sackgasse zu landen.

Wer das in unserer heutigen massiv manipulierten Welt und der genauso massiv unrepräsentativen deutschen Autolandschaft schafft, kann dem Gedankengang in dem Text sicher einiges abgewinnen.

Elektro | Osborne | cleantechnica | Vinkhuyzen |


Sonntag, 27. Januar 2019

Lungenärzte fordern höhere Grenzwerte.

Endlich mal vernünftige Leute, Verkehrsminister Scheuer kann sein Glück garnicht in Worte fassen.

Anders als zum Beispiel Prof. Dr. Christian Witt, Hochschullehrer und praktizierender Lungenarzt an der Berliner Charité. Der tickt nämlich fast aus über die Arroganz, mit der die selbsternannten Experten eine pseudowissenschaftliche Diskussion durch die Medien treiben. Das hätte er auf dem Gebiet der Wissenschaft in dieser Form bisher noch nicht erlebt - absolutes Neuland und wird in keiner Weise einem normalerweise gepflegten wissenschaftlichen Anspruch gerecht. Den Podcast vom Donnerstag in Gabor Steingart’s Morningbriefing zu dem Thema kann ich sehr empfehlen.

Weitere Links und Stellungnahmen zu dem Thema hier, hier, hier, hier und besonders hier.

Mike Frison / renn.tv

Überraschend ist das alles meiner Meinung nach nicht - inzwischen wird mit allen Mitteln gekämpft, dazu zählen natürlich auch Bestrebungen die Deutungshoheit zu erlangen.

UPDATE:

Dieser medial wirksam installierte Ärzteaufstand kommt dem Herrn Scheuer wirklich gut gelegen - da muss er gleich mal das Wort erheben. Hätte er sich wirklich nicht besser wünschen können - ein würdiger Vertreter für die Autoindustrie die Dieselfahrer die Mobilität. Man könnte sogar das Gefühl bekommen, das sei geplant gewesen - aber das wären abwegige Verschwörungstheorien - kann eigentlich nicht sein. Oder?

Dieselgate | Lungenärzte | Grenzwerte | Steingart | Podcast |


Donnerstag, 25. Oktober 2018

emobly - neue Elektroauto-Seite von Richard Gutjahr and Friends.

Wenn Blogger sich einem neuen Thema widmen und die Bühne betreten, dann ist ihnen von mir immer Applaus sicher. Denn Blogger kann es nicht genug geben: unabhängig und niemandem verpflichtet können sie Themen bearbeiten - gerne auch frech und pointiert.

Richard Gutjahr ist hier kein Unbekannter - daher habe ich mich sehr gefreut, heute über LinkedIn auf die neue Seite aufmerksam gemacht zu werden.

Sie ist schon kräftig befüllt - z.B. mit einer Übersicht aller für Deutschland erhältlichen BEVs.

Und ein ebenso kräftiges Autorenteam hat sich auch versammelt - Don Dahlmann kennen einige vielleicht von seinem racingblog.de.

Aber auch sonst geht es knackig los - Mitbegründer Georg Konjovic rechnet - kräftig - ab:

Die deutsche Autoindustrie und ihre Beifall klatschenden Mitläufer sind am Ende.

Die Einschläge kommen immer öfter, stärker und näher.

Nur Angela Merkel hat den Knall noch nicht gehört.

emobly | Elektro | Gutjahr | Konjovic | Dahlmann |


In der Sueddeutschen gibt es heute einen Kommentar zu Dieselgate und Elektromobilität, den ich so ähnlich vor genau 2 Jahren geschrieben habe.

Am 25.Okt.2018 - also heute - schreibt Catherine Hoffmann in der Sueddeutschen Zeitung:

Die Selbstgefälligkeit der Auto-Bosse wird sich rächen: Die Autobauer haben den Trend zur Elektromobilität verschlafen. Das gefährdet mehr Arbeitsplätze als jeder Abgas-Grenzwert.

Am 25.Okt.2016, also auf den Tag vor 2 Jahren, schrieb ich diesen Post:

Schaufelt sich die deutsche Autoindustrie mit dem Verbrennungsmotor ihr eigenes Grab?

Lustig, wenn meine Thesen und Ausblicke ein paar Jahre später vergleichbar rüde bei der Presse hochpoppen.

Wobei man natürlich auch argumentieren kann, dass die Presselandschaft ähnlich bräsig den Trend verschlafen hat wie die Konzerne, wenn sie jetzt erst wach werden.

Sueddeutsche | Dieselgate | Elektro | Autoindustrie | verschlafen |


Montag, 22. Oktober 2018

Seit bekannt ist, dass Tesla in Europa ein Werk bauen möchte, rennen die deutschen Politiker Elon Musk die Bude ein.

Das ist schon grotesk: während die eine Politikerabteilung die deutsche Autoindustrie in Watte konserviert und vor allen äußeren Einflüssen abschirmt, rollt zeitgleich die andere einem amerikanischen Autobauer den roten Teppich aus.


Sonntag, 21. Oktober 2018

Der Mobilitätswandel schleicht sich langsam, aber kontinuierlich, in die Köpfe der Bevölkerung. [Update 2]

Gestern musste ich noch einmal unbedingt zur VLN - den neunten Sieg im neunten Rennen vom Team Kohlhaas durfte ich nicht verpassen:

Mike Frison / renn.tv

Dritter in der VLN Meisterschaft mit einem Ferrari - das hätte vorher auch niemand für möglich gehalten.

Vorher - beim Bäcker - ist mir die Seite 1 der Sueddeutschen in’s Auge gefallen. Ein Elektroroller auf dem Titelbild, eingerahmt von Cholero-Hoeneß und bayerischem Wahlschock - das will was heißen. Und es kommt noch besser: im Artikel geht es nicht um ein hippes neues Modell, sondern ganz konkret um das Gesetzesvakuum, das den Betrieb der kleinen elektrischen Geräte in Deutschland illegal macht.

Mike Frison / renn.tv

Den Kommentar dazu gibt es auch online - kann ich so unterschreiben.

Genau wie den in der selber Zeitung verfassten Beitrag über die deutsche Autoindustrie, deren hartnäckige Ignoranz von Moral und Modernität.

Meine Theorie zum Mobilitätswandel ist ja schon länger, dass nur der öffentliche Druck groß genug werden muss, dann kommt sogar die träge Politik in die Gänge. Gegen die Bestrebungen der Lobbyisten, die am liebsten alles so lassen würden wie es ist.

Einfach machen!

Darum habe ich heute auch meine elektrische Variante wieder ausgeführt - dann fährt man nicht zum nächstgelegenen Bäcker, sondern 1–2 Alternativen weiter - weil es Spaß macht!

Mike Frison / renn.tv

Als ich mit meinen Brötchen wieder beim Bäcker raus bin, ist eine etwa 60-jährige Frau mit ihrer Bäckerbeute in ihren Mercedes SLK gestiegen. Natürlich direkt vor der Tür, keinen Meter zu viel laufen. Benziner, silber, Doppelauspuff. Und wie sie so davonfuhr - nicht leise und Frischluft verbrauchend - dachte ich nur: wie lame.

Es war so einer dieser Momente, in denen man kurz innehält, weil es Klick macht. Mir ist aufgegangen, dass über die Argumente hinaus sich die Elektromobilität durchsetzen wird, einfach weil es sympathischer ist. Vielleicht war der SLK für diese Frau mal die gewünschte Verjüngungskur - aber die Zeiten sind so lange vorbei.

Das Auto - stinkend und laut - war tatsächlich so altbacken wie die Fahrerin. Wo früher um Anerkennung gebuhlt wurde, kann man heute nur noch auf Mitleid hoffen.

Ich bin dann leise und frischluftschonend zurück nach Hause und es gibt niemanden unterwegs, der die Fuhre nicht neugierig mit den Augen inspiziert hätte - so wie es die Kürze der Vorbeifahrt zulässt. Und man kann es ihnen regelrecht ansehen - dieser “Cool, will ich haben!” Gesichtsausdruck.

Und wenn dann noch die Sueddeutsche auf dem Frühstückstisch liegt, wird der Gedanke nahtlos aufgegriffen, um weiter zu reifen. Jedes elektrisch angetriebene Gefährt - der Roller, das Skateboard, Unicycle, usw. - macht den Leuten unterwegs Appetit und so kommt Bewegung in die Sache. Es gilt nur die Kräfte zu überwinden, die das verzweifelt versuchen aufzuhalten, weil sie möchten, dass wir uns weiter faul in’s Auto fallen lassen.

UPDATE:

Leider ist der Gesetzentwurf bisher viel zu kompliziert und restriktiv - wissen die Autoren, dass es gilt den Rückstand zu anderen Ländern zu verringern?

UPDATE 2:

Noch ein Link - ausführliche Hintergründe, ob und warum nicht der kleine elektrische Roller Xiaomi M365, den man auch ab und zu in freier Wildbahn sieht - legal im Straßenverkehr bewegt werden kann. (tl;dr: Nein.)

(Quelle für die Links - danke!)

Elektro | Mobilität | Mobilitätswandel | Elektroroller | RacingOne | VLNLangstrecke |


Donnerstag, 18. Oktober 2018

Wenn schon die Politiker merken, dass die deutsche Autoindustrie am Boden liegt. Zum Beispiel bei der fehlenden Batterieproduktion - wollen jetzt Milliarden in das Vakuum werfen.


Dienstag, 16. Oktober 2018

Herbert Diess zeigt sein wahres Gesicht.

Auf einer Zuliefermesse heute:

Wir sind es gewohnt, dass das Auto in der Kritik steht. Der jetzige Feldzug gegen die individuelle Mobilität und damit gegen das Auto nimmt jedoch existenzbedrohende Ausmaße an. Ich denke dabei an die beinahe hysterische Stickoxiddiskussion um wenige Problemzonen in unseren Städten, die sich in den nächsten Jahren fast von selbst auflösen werden.

Das kann selbst die beste PR Abteilung nicht mehr einfangen - hier sieht man das wahre Ich des Managers.

Wen kümmert schon das bisschen Stickoxid? Sind ja nur 11,5 Millionen Betrugs-Fahrzeuge, die die VW Gruppe ihren Kunden untergejubelt hat, der Audi Chef sitzt aktuell im Bau und die Liste der Haftbefehle ist - zumindest in den USA - lang und führt als erstes seinen Vorgänger Martin Winterkorn auf.

Und als wäre das alles nicht genug, zeitgleich heute (!) hat Audi ein Bußgeld von € 800 Mio. angenommen.

Was für eine Arroganz für einen Manager, der sich aktuell in Demut üben sollte.

Volkswagen | Diess | Dieselgate |


Montag, 20. August 2018

Wer hat im Juli in D die meisten Elektroautos verkauft?

Die Deutsche Post.

Eine schallende Ohrfeige für die selbstverliebte deutsche Autoindustrie.


Donnerstag, 26. Juli 2018

Neuester Trick der Autohersteller: CO2 Werte zu hoch angeben:

Im Schnitt hätten die von den Herstellern angegeben Emissionen um 4,5 Prozent über dem tatsächlichen Ergebnis gelegen. Mit den überhöhten Werten solle die Ausgangsbasis für künftig verpflichtende Einsparungen zugunsten der Hersteller manipuliert werden, werfen die Forscher den Herstellern laut FT vor.


Dienstag, 17. Juli 2018

So langsam spricht sich rum, dass die deutsche Autoindustrie schwer am Fliegenfänger hängt. Siemens Chef Joe Kaeser nimmt kein Blatt vor den Mund und warnt offen vor dem drohenden Kollaps und sozialen Unruhen:

We’ll still have cars in the streets, but they won’t be electric, they’ll be burning.


Freitag, 22. Juni 2018

Goldenes Lenkrad fällt aus wegen Diesel.

Du weisst wie sehr die deutsche Autoindustrie am Boden liegt, wenn sogar schon die Bildzeitung ein schlechtes Gewissen bekommt.

Dieselgate | GoldenesLenkrad | Bildzeitung |


Montag, 30. April 2018

Auftragsgutachten mit positivem Ergebnis zur Dieselnachrüstung unter Verschluss gehalten.

Die Regierung hat ein Gutachten zurückgehalten, das eine Nachrüstung mit SCR-Kat befürwortet (Link zum Gutachten am Ende des Artikels.)

Kein guter Start für den neuen Verkehrsminister Andreas Scheuer.

Die Arbeit wurde von Prof. Georg Wachtmeister erstellt - er bzw. sein Institut sind schon länger am Thema dran.

Dieselgate | Wachtmeister | Nachrüstung | Scheuer |


Montag, 16. April 2018

Blaue Plaketten mit höheren NOx-Werten abgelehnt.

Immerhin lässt die Regierung der Autoindustrie nicht mehr alles durchgehen.


Flixbus testet Elektrobusse.

Und die MÜSSEN aus China kommen, denn:

Wir würden ja noch mehr E-Bus-Modelle testen, aber Yutong und BYD sind im Moment die einzigen Hersteller mit einem entsprechenden Angebot.

Das muss diese innovative deutsche Autoindustrie sein, von der immer alle reden.


Montag, 26. Februar 2018

China´s Geely und Li Shufu kaufen sich mal eben 10% Daimler.

VW hat die Porsche-Familie, BMW die Quandts - und Daimler? Der größte Anteilseigner war bisher ein Investmentfonds aus Kuwait (6,8%).

Das hat sich schlagartig geändert, als am Freitag überraschend bekannt wurde, dass der chinesische Milliardär Li Shufu sich über die frei gehandelten Aktien an den Börsen fast 10% zusammengekauft hat. Das hat ihn 7,5 Milliarden € gekostet.

China´s Geely und Li Shufu kaufen sich mal eben 10% Daimler.

Der Mann ist kein Unbekannter: er hat 1986 in China den Autobauer Geely gegründet, die 2010 Volvo von Ford übernommen haben. Vor 8 Jahren hat ihn das 1,8 Milliarden USD gekostet - für 100% Volvo. Daran sieht man mal, wie wichtig ihm die 10% Daimler sein müssen, die mit 9,2 Milliarden USD 5x so teuer waren.

Und schwierige Zeiten für Daimler, bei allen aktuellen Beschwichtigungen. Denn bisher blieb ihnen starke Einflussnahme von außen erspart - den Konzern trifft es völlig unvorbereitet. Ich persönlich empfinde es sogar als einen Mini-Hostile-Takeover, wobei das “Mini” sich sowohl auf “Hostile” als auch auf “Takeover” bezieht.

Wenn man sich mal die Aktienwerte von Autokonzernen anschaut, dann hätte Li Shufu mit seinem Budget auch 1/3 von Renault übernehmen können - oder gut 20% von Ford.

Kurz gesagt: keiner ist mehr sicher. Das sind die ersten Vorboten einer großen Konsolidierungswelle, die die Autoindustrie auf links drehen wird. Denn im Moment sind die Unternehmen noch relativ gesund - das wird richtig scheppern, wenn sie erst einmal angezählt sind.

Daimler | Shufu | Geely | China | Konsolidierung |


Donnerstag, 22. Februar 2018

Umweltbundesamt hält Stickstoffdioxid-Untersuchung zurück.

Genau die richtige Meldung für die Fahrverbotsverhandlung heute, denn in Leipzig steht quasi der Diesel vor Gericht:

Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass auch sehr geringe NO2-Konzentrationen, wie in ländlichen Gebieten, gravierende gesundheitliche Folgen haben können – und zwar auch weit unterhalb des gültigen Jahresmittel-Grenzwertes von 40 µg / m³ Luft.

Von wann ist die Studie und warum wurde sie bisher unter Verschluss gehalten?

Die Studie wurde bereits Ende Mai 2017 fertig gestellt - bisher aber nicht veröffentlicht. Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher des Umweltbundesamtes, dass es noch keinen Termin für die öffentliche Vorstellung der Studie gebe.

Achso, deswegen. Ich hatte schon Befürchtungen, man wolle wieder die Kumpels von der Autoindustrie schützen.

Dieselgate | Umweltbundesamt | Stickstockdioxid |


Mittwoch, 21. Februar 2018

Wirbel um Porsche´s Diesel.

Große Nervosität - Meldungen von heute:

Porsche | Dieselgate |


Donnerstag, 18. Januar 2018

Hans Joachim Stuck versucht sich auch in Geschichts-Umschreibung.

Was Kurt Beck kann, kann HJS schon lange:

Porsche habe sich wegen der hohen Kosten aus der WEC verabschiedet - der ACO ist schuld.

Die Veranstalter hätten mehr auf die Hersteller hören und aus den Erfahrungen ihre Lehren ziehen sollen. Jetzt bekommen sie die Quittung“, meint Stuck. ”Jetzt bleibt nur noch Toyota."

Wer ist denn ausgestiegen?

  1. Nissan. Haben hoch gepokert - und sind kräftig auf die Nase gefallen. Schade - mir hat es gefallen. Ich weiß, mit dieser Meinung stehe ich ziemlich alleine da. Jedenfalls ist das Wagnis nicht aufgegangen, Nissan hat wieder die Koffer gepackt.

  2. Audi. Und damit über Bande Stuck’s Arbeitgeber, denn er ist ja “VW Repräsentant”. Der Konzern hat den Stecker am 25. Okt. 2016 gezogen - zur großen Überraschung aller Beteiligten. Nachdem im Jahr zuvor - ebenso überraschend - schon das 3. Le Mans Auto gestrichen wurde.

Dabei kam der Abgasskandal erst im September 2015 an die Öffentlichkeit. Die Ausgangslage war bitter: man wollte das Dieselthema still und leise unter den Teppich kehren - da hilft es nicht, wenn DIESEL Rennwagen in Le Mans antreten. Der Antrieb wurde ab da auch nur noch verlegen TDI genannt. Auf Benziner umzustellen wäre ein unmöglicher Kraftakt und die Budgets sind sowieso schneller verdunstet, als man gucken kann - Milliarden Strafen waren zu bezahlen, Ende offen.

  1. Porsche. Nachdem klar war, dass Dieselgate Unsummen verschlingen wird und zusätzlich enorme Umwälzungen auf die Autoindustrie und den VW Konzern zukommen, gab es auch bei Porsche die Notbremse. Mit viel Glück noch das 3. Le Mans Rennen gewonnen und dann - wieder mal überraschend - der Abschied.

Und Hans Joachim Stuck muss man schon wieder fragen, für wie naiv er die Leute hält.

Stuck | Dieselgate | Porsche | LeMans |


Dienstag, 09. Januar 2018

Electrek: Tesla Model 3 wird den hohen Erwartungen gerecht.

So langsam kommen die ersten Tesla Model 3 Testberichte rein - nicht von Autozeitungen, sondern von den ersten Kundenauslieferungen:

Electrek:

On December 29th, 2017, I took delivery of one of the first non-employee Tesla Model 3s. This was a day which many of us longtime EV drivers have been waiting for a long time – the realization of Tesla’s “secret master plan” announced more than ten years ago.

So leitet Jameson Dow seinen Artikel ein ... und so endet er:

So the Model 3 is not the “car of the future”, it’s the car of the present. Everything else that isn’t onboard with the EV revolution is a car of the past. They are antiquated, they are inefficient, they respond slowly to driver input, they have overly complicated powertrains, and they have slow interfaces designed by the best software engineers in Detroit, not Silicon Valley. They’re dinosaurs – such dinosaurs that they literally fuel themselves with the decomposed bodies of dead dino-material and loudly belch it out into our air so all of us die a little bit more with each breath.

Ja, er ist ein EV-Nerd. Aber er gibt sich viel Mühe objektiv zu bleiben, arbeitet gut die Game Changer heraus. Und da gibt es einige, ziemlich sensationell für so eine junge Firma, die der etablierten Autoindustrie zeigt, wie sehr sie sich im Tiefschlaf befindet: das ausgefuchste Climate-Control System, die Updates-over-the-air, der hohe Ladestrom, eigenes Schnellladernetz entlang der Transitrouten, das UI und OS für die Fahrzeugkontrolle.

Es ist ein langer Artikel, aber gut geschrieben und interessant zu lesen.

Werbung muss Tesla für das Auto keine machen, bis die 500.000 Vorbestellungen abgebaut sind, dauert noch eine Weile.

Wir werden auch nicht erleben, dass das Model 3 einen Vergleich in der ams gewinnt - solange es TDIs gibt, werden sie VW/MB/BMW auf das Siegerpodest stellen (müssen).

Tesla | Model3 | Electrek | Elektro |


Donnerstag, 04. Januar 2018

brand eins mit Schwerpunkt ´Reset´ und Prof. Andreas Knie: Autos in Privatbesitz sollten in Städten verboten werden.

Auszug aus dem aktuellen Heft 1/2018 - ein Interview mit Andreas Knie.

Das ist zum einen interessant in Bezug auf den Kontext, in dem dieser Artikel eingebettet ist: Schwerpunkt der Ausgabe lautet "Reset".

Zum anderen auch aufgrund der übrigen Themen, die in dem Heft aufgegriffen werden - die Spannbreite reicht von Bitcoin bis Klitschko.

Und wieder einmal bekommen Deutschland, die Regierung und die heimische Autoindustrie den Spiegel vorgehalten - mit wieder einmal ernüchterndem Ergebnis.

Andreas Knie - Professor in Berlin (Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel, InnoZ), im Fach Soziologie mit Schwerpunkt Verkehrsforschung - redet nicht lange drumherum: von dem Szenario heutzutage im Autohaus überhaupt ein Elektroauto kaufen zu können - bzw. nicht zu können, der Historie der E-Autos vergangener Tage, die anscheinend mit Absicht dem Markt vorenthalten wurden (Mini-E, Elektro-Smart, GM EV1), dem Festklammern an Diesel- und Ottomotoren und den Situationen in unseren Städten.

Mike Frison / renn.tv

Er verweist in diesem Zusammenhang auf den historischen Dokumentarfilm "Who Killed the Electric Car", den ich z.B. hier gefunden habe.

Er stellt auch die verwegene Frage:

Da kommt also der Wirtschaftsprüfer und sagt, liebe Autohersteller, was habt ihr denn in euren Büchern? Ah, ein Dieselmotorenwerk, ein Ottomotorenwerk. Aus Kalifornien aber – das ist für euch der Markt mit der größten Strahlkraft – und aus China – das ist euer volumenstärkster Markt – kommen gerade Signale, dass die keine Otto- und Dieselmotoren mehr haben wollen. Ich schreibe eure Werke also mal auf einen Euro ab.

Wirtschaftsprüfer sind nämlich verpflichtet alle Risiken einzupreisen und nicht nur die Investitionskosten zu berücksichtigen. Mit schönen Grüßen von den Atomkraftwerken, die eine ähnliche Erfahrung machen mussten.

Noch aggressiver als Tony Seba traut er den etablierten Automarken nicht zu, den Wandel überleben zu können:

Es wird eine Fusionswelle geben, die einige wenige Foxconns der Autoindustrie übrig lässt. Und die liefert dann den IT-Konzernen zu. Daneben gibt es eine ganze Reihe digitaler Plattformen für Mobilität. Die Automarken werden das wahrscheinlich nicht überleben.

Wir haben uns in eine Sackgasse manövriert, weil wir 90 Jahre lang dem privaten Auto den roten Teppich ausgerollt haben. Das rächt sich jetzt in vielerlei Hinsicht: wir haben uns daran gewöhnt und tun uns schwer das eigene Auto loszulassen, die Städte und Wege sind entsprechend gestaltet ebenso wie das Verkehrsrecht:

Diese gesamte Mechanik, die dem Volk das Auto als privates Glück verkauft, existiert bis heute ungebrochen weiter.

Und junge Leute haben auch keine Lust mehr auf das Auto, weil:

Wir gehen aber davon aus, dass die Menschen, vor allem die der jüngeren Generationen, es schnell satthaben werden, sechs, sieben Stunden in einem Auto eingesperrt zu sein. Die wollen eine Vielfalt an Optionen haben, und das geht am besten im Zug. Da kann man sich die Füße vertreten, Filme schauen, arbeiten – und hat zukünftig flächendeckend WLAN.

Auch stellt Andreas Knie die Arbeitszeitmodelle in Frage - muss jeder von 8 bis 17h arbeiten? Das würde den Berufsverkehr entzerren. Oder ein (flexibler) Arbeitsplatz in der Nähe der Wohnung, den man zu Fuß oder bequem mit dem Fahrrad erreichen kann. Denn:

Autos in Privatbesitz sollten in Städten verboten werden.

Da kommt noch was auf uns zu!

AndreasKnie | Mobilität | Verkehrsforschung | Soziologie | InnoZ |


Freitag, 17. November 2017

Was haben Volkert, Hartz und Osterloh gemeinsam?

Enge Beziehungen zur Staatsanwaltschaft Braunschweig.


Mittwoch, 08. November 2017

Politische Abgas-´Regelung´ in Brüssel.

Der Außenminister (!) von der SPD (!) hat Angst um die Innovationskraft der deutschen Autoindustrie.

Da hilft nur eins: Emissionswerte raufsetzen.


Freitag, 03. November 2017

Streetscooter wird selbstfahrend - mit NVIDIA und ZF.

DPDHL StreetScooter

Nachdem DHL die versammelte Autoindustrie alt aussehen lässt und sich seinen elektrischen Van einfach selber baut - den Streetscooter - legen sie jetzt noch einen drauf und planen autonome Fahrzeuge schon für 2018:

NVIDIA today announced that Deutsche Post DHL Group (DPDHL), the world's largest mail and logistics company, and ZF, one of the world's largest automotive suppliers, have partnered together to deploy a test fleet of autonomous delivery trucks, starting in 2018. DPDHL will outfit electric light trucks with the ZF ProAI self-driving system, based on NVIDIA DRIVE™ PX technology, for automating package transportation and delivery, including the "last mile" of deliveries.

StreetScooter | NVIDIA | ZFProAI | DPDHL |


Sonntag, 24. September 2017

Wir brauchen den Diesel für die CO2 Ziele?

Wohl auch eher so eine These aus dem Reich der Sagen:

Dieselfahrzeuge produzieren während ihrer gesamten Lebensdauer knapp 10 Prozent mehr klimaschädliches CO2 als Benziner, so die Untersuchung. Insgesamt gehe es um über 3,6 Tonnen Kohlendioxid, teilte die Organisation am Montag mit.

Hier gibt es die Studie, von der die Rede ist.


Donnerstag, 21. September 2017

Faster, Higher, Farther - das Dieselgate-Buch von Jack Ewing.

Selbst wenn man die Abläufe bei Volkswagen so intensiv verfolgt, wie ich das hier im Blog gemacht habe, verliert man schnell die Übersicht in der komplexen Gemengelage zwischen Politik und Industrie, zwischen Deutschland, Europa und Amerika und den vielen Schachzügen der Mächtigen im Hintergrund.

Trotzdem hatte ich das Gefühl einigermaßen durchzublicken, denn als Ingenieur, in Deutschland, in der Autoindustrie arbeitend, sogar selber schon am Prüfstand Kennfelder programmiert, zeitgleich mit Ferdinand Piëch bei Audi in Ingolstadt gearbeitet - wie kann mir jemand von der New York Times aus Amerika noch etwas Neues beibringen?

Wenn ich ehrlich bin, dann dachte ich die Lektüre des Buches wird für mich eher Pflichtveranstaltung als Augenöffner.

Wie ich mich täuschen sollte!

In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt: durch meine Vorgeschichte war ich befangen, habe Ereignisse als selbstverständlich hingenommen, obwohl sie von großer Bedeutung sind und war auch nicht in der Lage, die Entwicklung aus der Distanz als großes Ganzes wahrzunehmen.

Jack Ewing ist das hervorragend gelungen: er hat behutsam die Historie ausgebreitet, akribisch alle Details aufbereitet und navigiert souverän zwischen den Schlüsselpersonen - aber auch geografisch zwischen den Kontinenten.

Alle Rollen der Akteure wurden - soweit das in der Öffentlichkeit möglich ist - zu den Geschehnissen logisch und zeitlich einsortiert: über die Porsches und Piëchs zu Pischetsrieder, Wiedeking und Winterkorn - die Liste der Handelnden ist mächtig und lang.

Auch technisch ist Jack Ewing sattelfest unterwegs. Mir war neu, dass der EA 189 Motor quasi die Ablösung von Pumpe-Düse hin zu Common Rail war - und welche Machtverhältnisse zu diesem Zeitpunkt im VW Konzern herrschten.

Aber auch solche Details, dass Oliver Schmidt nach Miami geflogen ist, weil er dort nicht nur das schöne Wetter genießen wollte, sondern selber in Florida auch Mietwohnungen besitzt.

Und gefreut habe ich mich, dass auch Felix Domke und der CCC den ihnen gebührenden Platz in dem Werk gefunden haben.

Der Unterschied zwischen dem deutschen bzw. europäischen Rechtssystem und dem amerikanischen war hierzulande in der Berichterstattung immer etwas zu kurz gekommen. Jack Ewing räumt damit auf. Auch die Vorgeschichte, warum es überhaupt zu der Enthüllung kam, die dann auffällig? zufällig? genau zum Start der 2015er IAA eingeschlagen ist - spannend, aber auch unterhaltsam zugleich. Da bleibt für Verschwörungstheorien nicht mehr viel Raum und wir müssen eingestehen, dass wir ohne die beharrliche Emissionsforschung in Amerika heute alle ein gewaltiges Stück dümmer wären.

Es wird während der Lektüre auch klar, dass uns das Thema noch lange nicht loslassen wird - so sehr das Matthias Müller auch herbeizureden versucht.

Fazit: volle Punktzahl und unbedingter Lesebefehl für alle, die irgendwie mit Autos zu tun haben. Also quasi jeder, der hier mitliest würde ich schätzen.

Ich selber habe die englische Originalversion gelesen, aber es gibt auch eine deutsche Übersetzung. Und Kindle gibt es auch - gut für Bahnfahrer wie mich.

Danke an Jack Ewing für dieses Buch!

Dieselgate | Ewing | Miketest | Buchvorstellung | NewYorkTimes | Piëch | Volkswagen |


Freitag, 15. September 2017

Ehemaliger deutscher Dieselstolz entwickelt sich zur internationalen Peinlichkeit.

Jack Ewing´s ausführlicher Artikel in der New York Times über die Verflechtungen von Politik und Autoindustrie in Deutschland:

Sometimes it is hard to tell where the German government ends and the auto industry begins. (..)

For decades, the German government has been a crucial ally for carmakers, operating as a de facto lobbyist for the industry.

Und dabei selber für die Dieselprobleme gesorgt, die uns jetzt belasten:

Germany has taxed diesel fuel at a lower rate than gasoline since the 1980s, originally to make truck transport, which is predominantly diesel, less expensive. The goal, according to a 2011 study by Transport and Environment, an advocacy group in Brussels, was to lower costs to help German manufacturers compete internationally.

Alles hat nur auf CO2 geguckt und die NOX Werte lange ignoriert. Und die Regierung hat sich mit breiter Brust verteidigend vor die Autoindustrie gestellt, um die Einführung von strengeren Grenzwerten zu verhindern: in Deutschland, in Europa, sogar in Amerika.

Das ist erfrischend und erschreckend zugleich, die Zusammenhänge so klar und detailliert in einer nicht-deutschen Zeitung erklärt zu bekommen.

Dieselgate | NYTimes | JackEwing | Politik |


Donnerstag, 14. September 2017

Wisst Ihr noch? Nokia?

Dieses Forbes Cover von vor genau 10 Jahren ist ein schönes Sinnbild für den bevorstehenden Wandel in der Autoindustrie. Wer kommt durch, wer bleibt auf der Strecke?


VW´s Matthias Müller: Nichts verschlafen und Dieselthema jetzt zu den Akten legen.

Die diesjährige IAA hat schon 2 Pressetage hinter sich, morgen 2 “Fachbesucher” Tage und am Samstag für alle geöffnet bis nächste Woche Sonntag (24.Sep. = Wahltag Bundestag).

Ich hatte schon die historische Brisanz angesprochen, die auch in den Rückmeldungen aus den Medien so reflektiert wird. Die Hersteller hängen schwer in der Luft und man könnte die Messe auch als Konzeptschau bezeichnen, weil alle nur elektrische Zukunftsmusik präsentieren, die man meistens erst in 2 oder 3 Jahren kaufen können wird. Und dann ist 2019 schon wieder die nächste IAA.

Vor diesem Hintergrund ein spannendes Interview mit Matthias Müller, der nach der großzügigen Beurlaubung von Martin Winterkorn seit 2 Jahren den Vorsitz im VW Konzern hat und nach diesem entlarvenden Patzer ordentlich in n-tv von deren Ulrich Reitz gegrillt wird. Und der ihm diese gewagten Statements zu der Dieselthematik entlocken konnte (ab 7:34 Min.):

Ich denke wir sollten das Thema jetzt auch mal zu den Akten legen - wir haben in Amerika ein weitreichendes Settlement mit den Behörden gefunden im Frühjahr - das setzen wir sehr konsequent - und ich glaube auch sehr erfolgreich - um.

Wir haben nichts verschlafen - Volkswagen nicht und die deutsche Autoindustrie auch nicht - wir sind nach wir vor führend, insbesondere was Premiumprodukte anlangt. Dass wir aufholen müssen, das ist klar - wir müssen das Ganze forcieren - weil sich ganz offensichtlich das Bewusstsein der Menschen zur Mobilität verändert - mit dem müssen wir Schritt halten.

Interessante Sichtweise, das jetzt zu den Akten legen zu wollen, während in Amerika langgediente VW Mitarbeiter mit brutalem Strafmaß eingelocht werden - Ende offen, was Anklagen und Prozesse angeht. In Deutschland duckt sich VW weg und fordert von jedem Kunden einzeln einen Gerichtsprozess anzustrengen. Die übrigens zunehmend erfolgreich ausgehen, d.h. Rückkauf des betroffenen Fahrzeugs durch den Konzern. Eine europäische Lösung wird vermieden, hier nutzt VW aus, dass Europa durch die einzelnen Länder fragmentiert ist und man dadurch den Effekt klein halten will. Aber einige Klagen nehmen erst jetzt Anlauf und das weiß natürlich auch Matthias Müller. Ich glaube er versucht den Tenor zu setzen, dass irgendwann ja auch mal gut sein muss und hofft dabei, dass die Öffentlichkeit ebenfalls müde wird von dem Thema. Dabei gibt es hierzulande keinerlei Konsequenzen, außer der Verteufelung des Diesels allgemein, dessen Restwerte für Gebrauchte im Sinkflug sind und der Effekt in den Leasing- und Finanzierungsgesellschaften noch aussteht.

Ich lese übrigens gerade die Aufarbeitung der Ereignisse von Jack Ewing, der dieses Dieselgate-Buch geschrieben hat. Habe das erste Viertel durch - der Autor holt ziemlich weit aus und geht auch lange auf die Ursprünge und den Einfluß von Ferdinand Piëch ein - spannend. Denn die Ära, als Audi durchgestartet ist und VW ebenfalls ähnlich im Premiumbereich positioniert wurde, haben viele von uns damals live miterlebt. Interessant dazu die Hintergründe genauer dargelegt zu bekommen. Jack Ewing arbeitet im normalen Leben bei der New York Times - ich glaube das ist sogar ein Vorteil, dass es sich nicht um einen Autor aus Deutschland handelt.

Dieselgate | Volkswagen | MatthiasMüller | IAA2017 | Piëch | JackEwing | UlrichReitz |


Donnerstag, 17. August 2017

Marcus Schurig: Deutschland sollte sich hüten, die Autoindustrie in den Untergang zu schreiben.

Marcus Schurig hat sich in der sport auto auch mal am Dieselgate versucht:

Deutschland sollte sich als Industrie- und Autonation davor hüten, eine Sparte, die bisher ein wesentlicher Treiber von Wachstum und Wohlstand war, in den Untergang zu schreiben.

Sich dem Wandel entgegen zu stemmen und in Alles-wird-gut Melancholie zu verfallen kann es aber auch nicht sein.

Audi in Le Mans raus, VW und WRC, Porsche und Le Mans, Mercedes und DTM … wieviel Einschläge braucht es denn noch?

Nur eine starke Autoindustrie kann Antworten auf die Fragen der Zukunft finden. Google und Apple haben ihre Autopläne nämlich schon wieder begraben.

Die starke Autoindustrie ist so mit sich selbst und ihren Altlasten beschäftigt, dass sie den abgefahrenen Zug gar nicht mitbekommen haben.

Und beerdigt ist bei den “halbgaren Internetfirmen” überhaupt nichts - im Gegenteil:

Bei Google - bzw. Alphabet Inc. - ist Waymo unterwegs:

In October 2015, we achieved the world’s first fully self-driving trip on public roads, in a car without a steering wheel or pedals. We refine Waymo technology through 1 billion miles of simulation testing each year, and our cars have self-driven more than 3 million miles on public roads across four U.S. cities.

Und Apple’s Tim Cook hat ja kürzlich erst bestätigt, dass es in Cupertino unter der Oberfläche kräftig brodelt.


Donnerstag, 10. August 2017

Clemens Gleich von Mojomag hatte ich hier schon öfter.

Jetzt hat er sich - bei Heise Autos - des Themas Diesel angenommen. Und wie zu erwarten sehr lesenswert:

Wer den Diesel verteidigt, ist eine Hartgeldnutte der Autoindustrie in tief gebückter Körperhaltung. Wer die deutsche Autoindustrie kritisiert, ist ein kurzsichtiger Grünstichromantiker, der Elon Musk hörig ist. Wer eine Position außerhalb beider Lager einnimmt, wird unweigerlich beide Beleidigungen hören, denn ein richtiger Diskurs, mit Argumenten und so, der ist in der allgemeinen emotionalen Hitze unmöglich geworden. Schade. Gerade jetzt, wo in einer Umorientierung viel möglich wäre, wird also wieder irgendein Aktionismus zum Zuge kommen, der in zehn Jahren den nächsten Skandal verursacht.


Ich bin gespannt, wie die IAA ankommen wird, während immer noch der Abgasnebel des Dieselskandals über der Autoindustrie wabert.

Hier gibt es als Warm-Up einen aktuellen Besuch in Wolfsburg - stimmungsvoll eingefangen von David Hugendick in der ZEIT:

Und in dem Maße, in dem die Computertechnik ins Auto einzog, die Touchscreens und Algorithmen, wuchs auch der Argwohn bei vielen, dass ihnen damit nicht nur Klimaanlagen, Seitenairbags und Regensensoren geschenkt wurden, sondern sich auch mit dem Digitalen erst recht der Raum für Manipulation geöffnet habe.

Und wer die IAA kennt, der weiss, dass dort nicht gekleckert wird, sondern mächtig geklotzt.

Also die arrogante Bestätigung der selbstherrlichen Vorstände, denen aktuell Demut besser zu Gesicht stünde.


Ist Euch das auch schon aufgefallen, die Sprache im Dieselgate-Skandal ist voller Verniedlichungen - von Schummelsoftware, überhöhten Werten, getäuschten Diesel-Fahrern und Nachjustierungen ist die Rede. Selbst der Justizminister kommt über ein Tricksereien nicht hinaus - so sehr wird die Autoindustrie in Watte gepackt.

Diese einseitige Protektion wird die Bevölkerung weiter spalten und ökologisch eingestellte Menschen werden noch weniger Verständnis für Motorsport aufbringen.

Die Gesellschaftsfähigkeit des Sports, die sich in etwa in der Nach-Schumi-Ära eingestellt hat und die es vielen Industriellen ermöglicht hat, ohne Pseudonym transparent ihre Leidenschaft zur Schau zu stellen, ist aktuell wieder gefährdet.


Mittwoch, 02. August 2017

Das Abschlusspapier für den Dieselgipfeltiefpunkt gab es schon, bevor das Treffen überhaupt startete.

Auf Spiegel Online - VOR dem Treffen:

Der Entwurf für die Abschlusserklärung, die dem SPIEGEL vorliegt, sieht nun vor, dass mehrere Millionen Dieselfahrzeuge “optimiert” werden sollen. Konkret bedeutet das: Dieselautos mit Euro-6- und Euro-5-Motoren sollen ein Softwareupdate bekommen. Die Kosten für die Umrüstung sollen die Hersteller selbst tragen.

Dieselgate |


Dienstag, 01. August 2017

Audi: Die fetten Jahre sind vorbei.

Eigentlich müssten in Ingolstadt die Sektkorken knallen: nach dem Gewinn durch Land Motorsport beim 24h-Rennen Nürburgring hat man am Wochenende auch das 24h-Rennen in Spa gewonnen. Und zusammen mit Abt im Saisonfinale die Formel E Weltmeisterschaft!

Es gab auch mal Zeiten, da hätte man das gebührend gefeiert. Aber momentan ist niemandem zum Feiern zumute - die Einschläge kommen näher und sie kommen härter. Diesel heißt das Tabuthema, über das niemand mehr sprechen will - und trotzdem sind die Zeitungen voll davon. Und die wichtigen Brand-Barrieren, die der VW Konzern mühevoll zwischen den Marken aufgebaut hat, verschwimmen immer mehr. Jüngstes Beispiel: Zulassungsverbot für den Porsche Cayenne Diesel, der mit dem 3L Selbstzünder von Audi ausgerüstet ist und - fast schon Firmenphilosophie - eine Abgasreinungsabschaltung serienmäßig verbaut hat. Warum ausgerechnet der Porsche den blauen Brief vom KBA bekommen hat, ist nicht ganz klar - der 3L streut quasi durch das komplette Dickschiffprogramm der VW-Konzern Flotte.

Das Bild der aufgeschreckten Hühner hatte ich schonmal bemüht - es drängt sich mir auch bei Audi wieder auf: von den 7 Audi-Vorständen - hier ein aktueller Screenshot von audi.de - sollen 4 den Platz räumen.

Witziges Detail am Rande: Axel Strotbek verantwortet neben Finanz und IT auch die Integrität bei Audi - trägt das sogar im Titel. Also entweder hatte er seinen Laden überhaupt nicht im Griff - oder der Laden hatte ihn gut im Griff.

Und als hätten die Bayern nicht schon genug Probleme: jetzt wird auch noch der Geldhahn zugedreht. Weil man die E-Mobilität verschlafen hat und sich beeilen muss den Rückstand wieder aufzuholen.

Unter’m Strich also eine maximal schlechte Ausgangsposition, allerdings auch die große Chance, das Unternehmen einmal auf links zu drehen.

Warum ich das alles schreibe? Ich glaube nicht, dass in diesem Szenario ein DTM Engagement viele Freunde in der Konzernzentrale hat. Neben den Kosten stellt sich immer mehr die Frage nach dem Sinn - zumal die GT im Moment auf einer Erfolgswelle schwimmt, sowohl insgesamt als auch bei Audi im speziellen.

Audi | Dieselgate | Integrität | TourenwagenMasters | Vorstand | Elektro |


Jakob Augstein: Autoindustrie trägt Züge der organisierten Kriminalität.

Kann man nicht ganz von der Hand weisen:

Die deutsche Autoindustrie kann machen, was sie will. Es ist wie bei den Banken: Ist man erst mal “too big to fail”, dann sind die Gesetze egal, und die Politik hat ganz viel Verständnis - sogar die Grünen.

Er zitiert die Definition von organisierter Kriminalität, die sich so auch in der Wikipedia findet:

Organisierte Kriminalität ist die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig
a) unter Verwendung gewerblicher oder geschäftsähnlicher Strukturen,
b) unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel oder
c) unter Einflussnahme auf Politik, Massenmedien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft zusammenwirken.

Bis auf den Punkt b) mit der Gewalt scheint sich das leider zu bestätigen:

Danach wären also große Teile der deutschen Autoindustrie der organisierten Kriminalität zuzurechnen. “Planmäßige Begehung von Straftaten” - was sonst waren die Abgasbetrügereien, also das Vortäuschen günstigerer Emissionswerte anhand einer extra entwickelten Lügensoftware? Und was sonst wären die Kartellabsprachen der fünf deutschen Autokonzerne, wenn sich die jüngsten Berichte des SPIEGEL bewahrheiten?

Dieselgate | Augstein | Spiegel | Kriminalität |


Donnerstag, 27. Juli 2017

Ist der Motorsport vom Aussterben bedroht? Oder doch noch zu retten?

Nein, das ist keine Clickbait Überschrift - die Tage des Motorsports so wie wir ihn kennen sind gezählt. Aber es gibt Hoffnung.

Ich versuche mich mal an einer Erklärung:

Die Einschläge aktuell sind nicht zu übersehen. Erst hat sich VW aus der Rallye verabschiedet, dann Audi aus Le Mans und diese Woche sogar Mercedes aus der DTM. Und jetzt die Nachrichten von Porsche und deren Le Mans Engagement. Entgegen dem Trend wird allerdings BMW in Le Mans antreten (in der GT) - das wurde aber VOR der Kartellgeschichte entschieden und ich könnte mir vorstellen, dass sie es inzwischen schon wieder bereuen. Ich sehe auch große Fragezeichen für die noch bestehenden Engagements von Toyota (WEC) und Audi/BMW (DTM) - da rauchen in den Zentralen jetzt die Köpfe.

Warum? Weil ICE Autos - also die mit Internal Combustion Engine - ein Auslaufmodell sind. Und es wird nicht mehr lange dauern, dann sind Verbrennerautos mit Lenkrad so altertümlich, als würde jemand sein Pferd satteln, um zum Einkaufen zu reiten.

Der DTM Ausstieg von Mercedes ist nicht mit Kosten oder DMSB Wirren zu begründen. Motorsport der Hersteller dient dem Imagegewinn und Rennen sind sportlich, dynamisch, spektakulär, laut, Wettbewerb und Kampf. Doch die Zukunft der Mobilität ist eine andere: geräuschlos, harmonisch, unspektakulär, vernetzt, miteinander und friedlich. Da müssen neue Bilder geschaffen werden für den Aufbruch in das neue Zeitalter und wer von Anfang an vorne mit dabei sein will, muss die Antike hinter sich lassen. Wenn nicht, könnte es sogar trotz der hohen Kosten zu einem negativen Effekt kommen, sodass die Marke veraltet und altbacken erscheint. Der Supergau jeder Marketingabteilung.

Fallt nicht auf die Formel E Ausrede rein - die Kosten sind nur ein Bruchteil der bisherigen Rennserien und es war eine willkommene Gelegenheit, um die Öffentlichkeit nicht vor den Kopf zu stoßen. Autohersteller denken nicht von einem Rennen zum anderen, sondern in Fahrzeugzyklen, die 3 … 7 … 10 Jahre umspannen. Da liegen die Pläne nicht nur in der Schublade, sondern der Entwicklungs-Zug ist längst abgefahren und die Prototypen beweisen sich im Testeinsatz.

Jetzt versetzt Euch mal in die Lage der Vorstände, denen die Zukunftsszenarien präsentiert werden: ein massiver Umbruch in der Art und Weise, wie wir Autos benutzen werden. Der Zeitpunkt für den Imagewechsel ist jetzt, wenn man nicht in’s Hintertreffen geraten will. Zumal neben der bisherigen Konkurrenz sich zunehmend neue Player in den Markt drängen.

Bedeutet das jetzt das Aus für den Motorsport?

Nein - nur den Rückzug der Hersteller mit ihren fetten Budgets.

Nur ist dabei relativ, denn aufgrund der satten finanziellen Ausstattung bisher hat sich eine kleine Industrie rund um diesen Sport dieses Marketingvehikel gebildet: Rennstrecken, Fahrer, Agenturen, Fotografen, … alles Profis, die damit bisher gut leben konnten. Doch die Geldgeber werden in Zukunft diese lauten und stinkigen Veranstaltungen meiden wie der Teufel das Weihwasser - und das Feld den Amateuren überlassen. Denn die Aktiven haben immer noch soviel Freude am Selberfahren wie das heute der Fall ist.

Eine sehr schöne Vorstellung, denn wenn sich die Hersteller zurückziehen, verschwinden nicht nur ihre Gelder, sondern auch ihre Einflussnahme. Eine große Chance für den Sport - vielleicht sogar eine Renaissance der Eigenbauten? Wenn es dann überhaupt noch Rennstrecken zum Fahren gibt, denn besonders in Deutschland musste ja unbedingt alles Formel 1 Standard haben. Die Gigantanlagen stehen vor großen Herausforderungen, der Lausitzring wurde aktuell schon vom autonomen Tsunami einkassiert.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich neidisch auf die Engländer mit ihren kleinen Clubrennstrecken bin.

Kleiner Blick in die Vergangenheit, denn der Motorsport wurde schon einmal totgesagt während der Ölkrise der 70er. Doch im Vergleich zu den heutigen Umwälzungen war das damals eine temporäre Geschichte. Umwälzungen sind endgültig - siehe Musik, Fotografie, oder Kommunikation.

Wie altbacken der Motorsport inzwischen schon ist, sieht man gut an dem Rückstand der Wettbewerbstechnik gegenüber den bereits käuflichen Serienfahrzeugen. Während sich früher technische Entwicklungen vor ihrem Serienstart erst im Sport beweisen mussten, ist heute die Technik der Straße weiter als der Wettbewerb. Pikes Peak oder IOMTT hat elektrische Beispiele gesehen - aber Le Mans wartet immer noch auf seinen ersten rein elektrischen Einsatz - so sehr wird sich an die herkömmliche Technologie geklammert. Natürlich auch durch das Diktat der Hersteller, Audi’s Le Mans Diesel vorneweg. Immerhin können wir uns glücklich schätzen das letzte Aufbäumen der Dinosaurier miterlebt zu haben, die Schlachten in Le Mans, als die Grenzen im Wettkampf komplett ausgelotet wurden. Was wohl die NASCAR macht, wo das V8 Getöse Teil der DNA ist?

Die Reaktionen und Kommentare, die ich zur Zeit zu lesen bekomme, sind weit von diesen Gedanken entfernt. Ähnlich wie die Autoindustrie mit ihrem Diesel klammern sich weltweit die Fans an Sound und Spektakel, als wäre ihnen irgendjemand etwas schuldig. Dass sie sowieso nur Mittel zum Zweck in dem großen Spiel sind, damit die Marketingmillionen auch in einem angemessenen Rahmen zur Geltung kommen, wird verdrängt obwohl es alle wissen.

Vielleicht liegt es an meinem Alter oder dem Tinitus, aber ich freue mich auf den Umbruch. Schlimmer als heute kann es sowieso nicht mehr werden, die Aktiven werden geschröpft und gegängelt bis zur Belastungsgrenze, obwohl sie doch nur mit Freude ihren Sport ausüben wollen. Die Elektrifizierung wird völlig neue Dimensionen der Dynamik eröffnen - wartungsarme Sportgeräte, von denen wir nichtmal zu träumen wagen, werden für alle zugänglich. Lärm- und Umweltschutzbeschränkungen sind Themen von gestern - dadurch eröffnen sich völlig neue Konzepte, Veranstaltungsorte und Formate. Jedes Wochenende 24h-Rennen? Wäre kein Problem mit Elektroantrieb. Eine Crossbahn in der Innenstadt? Ja warum denn nicht, gute Idee.

Lasst uns aufbrechen in das neue Zeitalter! Schneiden wir die alten Zöpfe ab, solange noch Zeit dafür ist. Oder der Motorsport endet wie der Diesel: verachtet, korrumpiert, und furchtbar altbacken.

Zukunft | LeMans | Elektro | Dieselgate | FormelE |


Dienstag, 25. Juli 2017

Mercedes zieht den DTM Stecker.

Noch dieses und nächstes Jahr - und ab 2019 sind sie aus der DTM raus.

Kann man ihnen nicht verübeln, denn die DTM-Organisation ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie gar nicht mehr mitbekommt, was um sie rum passiert.

Es ist nicht mehr opportun mit stinkenden Verbrennungsmotoren auf Rennstrecken zu fahren - und damit nicht mehr massentauglich. Und genau das wollte die DTM immer sein, zusammen mit der steuerfinanzierten ARD hohe Reichweiten erreichen, um gute Argumente für die hohen DTM-Marketingausgaben der Hersteller zu haben.

Der Einstieg in die Formel E ist natürlich nicht der Grund, aber eine willkommene Ausrede. Nicht ganz so peinlich wie bei Audi’s Le Mans Ausstieg, aber es wird in der breiten Öffentlichkeit niemand hinterfragen und gibt der Formel E wieder etwas mehr Aufmerksamkeit. Die sich darüber natürlich freut, während man bei der ITR trotzig die Fahne von “einer der bedeutendsten Tourenwagen-Serien der Welt” hochhält.

Gestern dachte ich noch: die DTM ist auch nichts anderes als einer dieser Arbeitskreise der deutschen Automobilindustrie, wo in heimlichen Treffen Maßnahmen ausgeklüngelt werden, um den Kunden etwas vorzugaukeln.

Für die, die hier schon länger mitlesen, kommt die Geschwindigkeit, mit der sich aktuell die Ereignisse überschlagen, nicht überraschend. Und im Vergleich, was da in Zukunft auf uns zukommt, ist das bisher alles Kindergarten. Die Disruption hat noch gar nicht richtig Fahrt aufgenommen und wenn der Motorsport nicht unter die Räder kommen will, muss er sich schleunigst neu aufstellen. Aber so lange der DMSB das Sagen hat, brauchen wir uns hier bei uns über Veränderungen keine Sorgen zu machen - allerdings erledigt sich das Thema dann auch ziemlich schnell von selbst.

Das erklärt auch den seltsamen Zeitpunkt der Meldung: Montags abends mitten in der Saison - aus heiterem Himmel. Schwer vorzustellen, dass das von langer Hand geplant gewesen wäre.

Kleiner Realitätsabgleich: vor nicht einmal 3 Jahren hat die ITR noch von einem weltweiten Reglement geträumt - in Japan hat man das sogar ernstgenommen und das eigene Regelement angepasst. So schnell wird man heute von der Wirklichkeit eingeholt.

Früher hätte man sich über den Weggang von Mercedes tatsächlich noch freuen können, dann wäre der Einstieg leichter gewesen für andere Hersteller wie Toyota, Alfa oder Citroen. Die haben aber inzwischen auch ganz andere Sorgen und sehen natürlich die selbstgefällige Bräsigkeit, mit der sich ITR und DMSB selber im Weg stehen. Bei BMW und Audi wird das einige Diskussionen in Gang setzen - beide haben sich bereits für die Formel E verpflichtet: Audi in der kommenden Saison (17/18), BMW danach (18/19) und dann Mercedes (19/20).

Denn der Kalender der Formel E ist anders strukturiert: die Rennen gehen von Oktober bis Juli - in der aktuellen Saison steht der letzte Lauf bevor. Das heißt der Einstieg in den Elektrosport von Mercedes wird im Herbst 2019 vollzogen. Sie hatten sich eine Option offen gehalten und diese um ein Jahr verlängern können.

Wenn die DTM jetzt implodiert, hat das noch einen anderen Effekt: die Formel E macht alles anders und fährt absichtlich nicht auf Rennstrecken, sondern installiert Kurse dort, wo die Leute schon sind: in den Metropolen. Da können die Rennstreckenbetreiber nur mit den Schultern zucken und müssen zuschauen, wie ihnen die Felle davonschwimmen. Wenn die etablieren Rennserien nicht in der Lage sind, sich zu modernisieren - und zwar nicht irgendwann, sondern ganz schnell. Und die armen DMSB Funktionäre hätten auch keine Möglichkeit mehr um die Welt zu jetten und lecker Hospitality abzugreifen. Dass Werksfahrer keine zukunftssichere Berufswahl mehr ist, hatte ich ja auch schon öfter.

Jetzt rächt sich das, war wir immer kritisiert haben: in den verkrusteten Strukturen sind gravierende Veränderungen unmöglich, die Konflikte zwischen ITR-DMSB-ARD-OEMs lähmen sich gegenseitig und ersticken jede Revolution im Keim. Damit ist die DTM auch so etwas wie ein Sinnbild des Auslaufmodells der etablierten Autoindustrie: selbstgefällig, zurückgeblieben und unbeweglich.

Mercedes | FormulaE | DMSB | TourenwagenMasters | Arbeitskreis | Disruption | Elektro |


Mittwoch, 19. Juli 2017

Mercedes steht mit dem Rücken an der Wand - ruft 3 Millionen Diesel in die Werkstatt.

Mercedes steht dieselmäßig kurz vor dem Abgrund, beschließt freiwillige (!) Rückrufaktion für 3 Millionen (!) Fahrzeuge, nennt das Ganze dann scheinheilig Zukunftsplan für Diesel-Antriebe.

Der trockene Kommentar des Manager Magazin: Dieter Zetsche's Offenbarungseid.

Dieselgate | Mercedes | Zetsche |


Mittwoch, 12. Juli 2017

Continental setzt auf Minibusse.

Die Grenzen zwischen Zulieferer und traditioneller Autoindustrie verschwimmen zunehmend - Continental z.B. hat sich in die französische Firma EasyMile eingekauft, die autonome elektrische Minibusse herstellt.

autonom | Elektro | Continental | EasyMile | Robotaxi |


Sind wir bereit für das Ende von individuellem Autobesitz?

Tony Seba - den hab ich inzwischen hier regelmäßig - fasst noch einmal in diesem übersichtlichen Artikel die bevorstehenden Änderungen der Autoindustrie zusammen.

We face a rapid disruption of transportation today that could end more than a century of individual ownership of the gas-powered vehicle that disrupted the horse.

Seba | Elektro | Autonom |


Mittwoch, 28. Juni 2017

Elektro-Transporter verzweifelt gesucht.

Die Bäcker, die im Januar verzweifelt einen Elektro-Transporter gesucht haben, sind dort gelandet, wo auch DHL Fuß gefasst hat: beim StreetScooter.

Die Autoindustrie ist nach wie vor nicht in der Lage etwas Vergleichbares zu liefern.

Elektro | StreetScooter |


Montag, 19. Juni 2017

Ducatifiziert: Eine Woche 959 Panigale Miketest - Tag 1 von 7.

Da könnt Ihr Euch schonmal auf was gefasst machen, denn heute morgen habe ich in Köln-Rodenkirchen bei Ducati dieses schicke Gerät abholen dürfen:

Ducati Panigale 959 Miketest Tagebuch

Mit einem Satz ganz frischen Reifen! Ist zwar etwas heiß im Moment und ich habe auch eine normale Arbeitswoche, aber ich werde mich mal ausführlicher mit der Italienerin beschäftigen und hier - täglich - berichten. Nur damit keiner sagt, ich hätte nicht gewarnt! ;)

Ducati Panigale 959 Miketest Tagebuch

Obwohl ich bei 959 eigentlich an das hier denken muss. Inzwischen gehört Ducati allerdings auch zur VW Familie und damit ist der Porsche sogar angeheiratete Verwandtschaft.

Ich bin heute tatsächlich das erste Mal in meinem Leben Ducati gefahren und war entsprechend gespannt, wie das wohl so geht. Ich liebe Vierzylinder, weil die so geil am Gas hängen und gierig ausdrehen - und beim Zweizylinder ist das wohl eher umgekehrt. Aber immerhin drückt der 955er 90° V-Motor 157 PS an die Kurbelwelle, das ist ja nicht gerade wenig. Und dabei ist das die kleine Panigale, es gibt auch noch eine 1.200er.

Ich muss zugegeben, das rumpelt schon ganz ordentlich und ist auch ziemlich laut. Aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ist das ein ziemlich geiles Getöse, das das Kraftwerk rauspoltert. Mit einem kurzen Dreh am Gasgriff lassen sich Gewitter beliebiger Größe jederzeit herbeizaubern!

Der Unterschied bei der Panigale ist, dass die Ventile über Steuerkette links und rechts angetrieben werden, statt dem traditionellen Zahnriemen auf nur einer Seite:

Ducati Panigale 959 Miketest Tagebuch

Auf dem Bild sieht man auch den Panigalerahmen, der wird aufgesteckt und der Motor dient als tragendes Teil. Nötig wurden diese Klimmzüge durch die Superbike WM, wo um jeden Zentimeter Bauform und hohe Motordrehzahlen gekämpft wird. Da muss man sich leider von Traditionen verabschieden:

Ducati Panigale 959 Miketest Tagebuch

… aber die Panigale ist tatsächlich die einzige Duc mit Steuerketten.

Dass Ducati aus Italien kommt, merkt man gleich an den hübschen Schwüngen und aufwendigen Details:

Und obwohl das Gerät recht zierlich ist, passe ich mit meinen 1,96m gut drauf und habe - was mir beim Fahren wichtig ist - ordentlich Knieschluss. Aber die Scheibe hätten sie nicht durchsichtig machen brauchen, denn mit Durchgucken ist da nicht viel - so tief kann ich mich gar nicht runterbücken, dass ich noch was sehen würde:

Aber aerodynamisch ist es und ab so ca. 180 km/h lässt es sich sehr bequem fahren, weil nicht mehr soviel Last auf den Armen liegt. Das gleicht sich dann mit dem Winddruck aus und man merkt direkt: dieses Motorrad mag es schnell. Hab ich nix dagegen! Soviel bin ich heute aber noch nicht gefahren, nur einmal durch Köln zur Arbeit in Niehl und dann über den großen Autobahnbogen zurück in den Kölner Süden. Die A555 wurde neu gemacht und ist unbegrenzt, da konnte ich mal laufen lassen und die Panigale läuft wirklich sehr stabil. Bin schon auf die ausführliche Ausfahrt gespannt! Morgen geht es aber erstmal zum Arbteilungskarten nach Kerpen - da habe ich dann den Helm schon automatisch dabei.

Das Handbuch sollte ich mir auch mal anschauen, da gibt es einiges einzustellen:

Ducati Panigale 959 Miketest Tagebuch

Gastfreundlich wie ich bin, darf sie natürlich in der Garage übernachten - nur zum Aufräumen bin ich noch nicht gekommen:

Ducati Panigale 959 Miketest Tagebuch

Ducati | 959Panigale | Miketest |


Donnerstag, 18. Mai 2017

Volvos haben bald ausgedieselt.

Volvo verabschiedet sich langsam vom Diesel - Kudos an die FAZ für ihre Überschrift. Der jetzige Volvo Selbstzünder ist gerade mal 4 Jahre alt, aber wer die langen Entwicklungszyklen der Autoindustrie kennt, weiß, dass sich die nächste Generation schon in der strategischen Planung befinden müsste.

Aber:

Die Schweden wollten selbstverständlich ihren erst 2013 eingeführten derzeitigen Diesel weiterentwickeln und an den künftigen Abgasgrenzwert Euro 6c anpassen, doch danach werde der finanzielle Aufwand für eine Neukonstruktion zu hoch. Wie lange die bestehende Motorengeneration im Programm bleiben kann, darauf will sich Samuelsson noch nicht festlegen. Man darf bis etwa ins Jahr 2023 rechnen.

Natürlich setzt man danach auf die Elektronen und wie bei den anderen auch wird der Markt mit einem Mix aus Hybrid und rein elektrisch erstmal getestet.

Eigentlich kann derjenige OEM froh sein, der gerade einen frischen Diesel Technologie Zyklus hinter sich hat. Es besteht zwar das Risiko, dass über eine verkürzte Laufzeit nicht alle Kosten eingespielt werden, aber man gewinnt Zeit mit der Entscheidung, ob man eine Neuentwicklung lostritt. Das könnte nämlich viel heftiger in die Hose gehen.

Im Vergleich dazu hat z.B. Mercedes gerade ein neues Motorenwerk in Polen in Auftrag gegeben.

Die Konzernbosse wären besser mal in die Ballettschule gegangen, denn der aktuell geforderte Spagat könnte einige Firmen überfordern.

Diesel | Elektro | Volvo | Mercedes |


Montag, 01. Mai 2017

In Wolfsburg wird offenbar der Verkauf von Ducati diskutiert.

Schreibt das Manager Magazin:

Der Verkauf Ducatis werde aktuell vorbereitet, spätestens im Juni sollten die Unterlagen für potenzielle Käufer fertig sein, berichten Beteiligte. Die Volkswagen-Tochter Audi hatte Ducati 2012 für rund 750 Millionen Euro gekauft.

Wer hätte gedacht, dass Ducati mal über Diesel stolpert? Allerdings gab es hier schonmal einen netten Zusammenhang.

Auf jeden Fall bitter für alle Beteiligten - und es zeigt, wie angespannt die Situation bei VW ist, auch wenn alle so tuen, als sei die Welt in Ordnung.

Ducati | Dieselgate |


Freitag, 14. April 2017

Den DHL Streetscooter kann man jetzt auch normal kaufen.

Bei 32.000€ geht es los. Was für eine Klatsche für die stolze deutsche Autoindustrie, die nicht in der Lage war sowas auf die Räder zu stellen.

Streetscooter | Elektro |


Dienstag, 28. Februar 2017

VW will Chip-Hersteller werden.

Die Autoindustrie ist weiter auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen.

Beispiel VW:

Um diesen Anforderungen auch in Zukunft gerecht zu werden, hat Volkswagen jetzt das strategische Halbleiter-Programm ins Leben gerufen. In diesem Programm kooperiert das Unternehmen direkt mit Chipherstellern.

Erst Batterien, jetzt Chips - die rollenden Computer bahnen sich so langsam ihren Weg.


Mittwoch, 15. Februar 2017

GM will Opel an Peugeot verticken.

Schwerer Schocker in Rüsselsheim, denn die Betroffenen selber haben es als Letzter erfahren:

Die Führung des Rüsselsheimer Traditionsunternehmens wurde nach Informationen von manager-magazin.de erst am Dienstagmorgen telefonisch in die Pläne des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors (GM) eingeweiht.

Grund ist das chronische Geldversenken in Europa - in diesem Jahrhundert hat Opel/Vauxhall noch kein Jahr mit Gewinn abgeliefert. Stattdessen aber über 15 Milliarden Dollar Schulden produziert - Geld, das die Konzernzentrale aus den USA überweisen muss, um die Konten auszugleichen.

Dabei sieht die Zukunft vielversprechend aus: der elektrische Bolt, der rundum gute Kritiken einfährt, läuft gerade in diesem Moment zum ersten Mal als Opel Ampera-e vom Band im GM Werk in Michigan.

Und ratet mal wer jetzt im Dreieck springt, weil eine deutsche Firma unter ausländische Kontrolle geraten könnte? Kommt Ihr nie drauf! Man sollte ihr das Bundesscheinheiligenkreuz verleihen.

Noch ist der PSA Deal nicht in trockenen Tüchern, aber in der Autoindustrie scheint die nächste Konsolidierungswelle eingeläutet. Und Mary Barra scheint kein Interesse mehr am Titel Größter Autohersteller der Welt zu haben.


Samstag, 14. Januar 2017

Dieselgate arbeitet sich langsam von der angeblichen Handvoll Software Programmierer zum Vorstandsvorsitzenden hoch.

Die Frage im Dieselgate Skandal bei Volkswagen ist inzwischen gar nicht so sehr: Wer hat etwas gewusst? sondern Wem kann man etwas nachweisen?

Und offensichtlich hat man sich im Vorfeld schon alle Mühe gegeben, diesen Nachweis so schwer wie möglich zu machen:

Gottweis war der Mann für schwierige Fälle, für Probleme und Rückrufe, der Feuerwehrmann. Aber ein hochrangiger Zeuge beschreibt, seine Rolle gegenüber dem FBI mit dem Begriff “Firewall”, Brandschutzmauer. Gottweis’ Rolle sei es gewesen, heikle Probleme zu lösen, Winterkorn zu schützen. Einer, der dafür sorgt, dass der Chef über heikle Dinge immer mündlich gut informiert wird, aber dass ihm schriftlich - und damit nachweisbar - möglichst wenig offiziell mitgeteilt wird. Es müsse Winterkorn erst jemand “nachweisen, dass er etwas gewusst hat” - so soll sich Gottweis immer wieder geäußert haben.

Das hört sich schon anders an als software engineers who put this in for whatever reason, wie das Michael Horn als CEO VW USA verkaufen wollte (siehe auch hier).

VW gönnte seinem Ex-Chef Martin Winterkorn übrigens eine 3.000€ Rente. Nicht pro Monat, sondern pro Tag. Ich bin mir ziemlich sicher, DAS hat er schriftlich.

Bernd Gottweis wird - neben 5 anderen VW’lern - inzwischen von der US Staatsanwaltschaft angeklagt, nachdem sich VW für schuldig erklärt hat.

Was VW jetzt genau zugegeben hat, um die 4,3 Milliarden Dollar Strafe zahlen zu dürfen, kann man im Detail hier nachlesen.

Dieselgate | Winterkorn |


Mittwoch, 07. Dezember 2016

Die Ölindustrie ist noch verschlafener als die Autohersteller.

Falls einer meint die Autoindustrie hätte die größten Schnarchnasen, was autonomes Fahren und Elektromobilität angeht -

bei der Ölindustrie ist das Problem noch viel hartnäckiger:

ExxonMobil Corp(XOM.N) , the largest western oil producer by market value, and British rival BP Plc (BP.L) publish oil market outlooks to 2035 and 2040 respectively that guide their investment decisions. Both predict that in 2035, less than 10 percent of new cars will be electric vehicles (EVs) or plug-in hybrids – cars with a backup combustion engine for when the battery runs flat.

Hallo McFly, jemand zuhause?

Autonomes Fahren wird in den Artikel zu Recht als Grund angeführt, aber es gibt noch eine andere Beunruhigung: die Autohersteller spielen immer mehr mit dem Gedanken, Batterien selber herzustellen - d.h. die Wertschöpfungskette für Mobilität bekommt immer mehr Mitspieler.

Eigentlich müssten die Konzerne in höchster Alarmbereitschaft Konzepte entwickeln, was aus den Tankstellen passiert, wenn in Zukunft jeder zuhause (Strom) tankt.

Aber von sowas lässt sich doch ein grundbräsiger Ölkonzern nicht aus der Ruhe bringen.

Elektro | Ölindustrie |


Dienstag, 15. November 2016

Tony Seba über die Herausforderungen für die Autoindustrie.

Tony Seba - das ist der, der auch einen Auftritt in Autoland abgebrannt hatte - erklärt noch einmal, was auf die Autoindustrie in Kürze zukommt.

Das ganze Interview lohnt sich - hier ein paar Auszüge:

Nissan ist gut aufgestellt und die EVs (Electric Vehicle) werden am selben Band abgebaut wie die ICEs (Internal Combustion Engine):

The interesting thing about that plant is that they make ICE cars and EVs not just in the same plant but in the same line. So you see the Leaf—EV—and then the ICE car, ICE car, ICE car in same line. So essentially when the EV market takes off it is ready to scale.

Das Problem der Autoindustrie ist nicht die Komplexität der EVs - im Gegenteil, denn es gibt nur noch 18 bewegliche Teile. Der aktuelle Erfolg ist das Problem. Hier wieder der Vergleich zu Kodak:

Making EVs is not difficult, it’s the business model. It’s like making digital cameras with Kodak. Making a digital camera was not difficult; they made so much cash from film that it was hard to let go of that cash cow.

Noch ein guter Vergleich - diesmal Apple und Foxconn. Der eine vermarktet und hat die Ideen, der andere produziert nur. Wenn Autohersteller den Anschluss verpassen, dann könnten sie als Foxconns enden:

I forget who said it, but there is the fear in the car industry now that they are going to be the “Foxconns” of the auto industry. Meaning that Foxconn makes iPhones and iPads but they don’t have a brand. If you look at the cost of goods sold for an iPhone, Apple is making a pile—a huge margin—and Foxconn is not. It works for Foxconn but it’s not a great business. So there is a fear in the OEM industry to be a Foxconn and it’s starting to sink in, but I don’t think it’s sinking in fast enough.

Später meinte er dann noch:

I was on German television a few weeks ago and I said this in a documentary there. One of their questions was, German car companies are great at manufacturing and I said, “That’s true. Guess what other countries are great at manufacturing? Taiwan. And how many Taiwanese brands can you name?” So what may happen if car companies don’t get it is that Germany may be the Taiwan of the auto industry. Nothing wrong with that, but essentially they are going to manufacturer stuff for somebody else.

Das mit dem Anschluss-verpassen geht schnell, z.B. indem man in die falsche Technologie investiert:

Volkswagen is still investing billions in diesel, which makes exactly no sense. It doesn’t make any sense at all.

Ich dachte eigentlich VW ist durch mit dem Diesel - ich bin mir daher nicht ganz sicher, ob die auf dem Gebiet wirklich weiter Geld verbrennen wollen. Allerdings hat Mercedes kürzlich bekanntgegeben, 3 Milliarden € dem Diesel hinterherzuwerfen. So wie Kodak damals noch schnell einen neuen Analogfilm vorgestellt hat.

Schön, dass auch mal die Hybrids angesprochen werden, denn die halte ich auch für eine Fehlkonstruktion. Viel zu aufwendig und beide Technologien müssen mitgeschleppt werden. Warum nicht das Geld sparen und direkt auf EV setzen?

Tony Seba:

No, hybrids are not disruptive. Hybrids are an eco thing (like the eco mode in Nossan cars) and they are a product line extension of the internal combustion engine. (We’ve had hybrids for 20 years or so and really they have not—with few exceptions—sold that well. Which leads people to believe, “Oh, hybrids have not been successful, so why would EVs be successful?” They are two different things. (..) The pure EV drivetrain is disruptive. Eighteen moving parts—that’s what’s disruptive. The fact that you can charge at home—or anywhere—that’s disruptive. You don’t need to go to the same old gas station and that’s disruptive.

So sieht´s aus.

Wer hätte das gedacht, sogar Kodak hatte einen Hybrid. Was hat es gebracht? Nichts.

An example of that is that at some point Kodak had a hybrid camera and not a whole lot of people know this. They had a combination—you took the film and instead of printing them you could basically [save them digitally]. That was their attempt to bridge but it didn’t work, as we know. Because hybrids in cameras, just like in EVs, are not disruptive but digital cameras just like EVs are disruptive. So I don’t see that path at all. It’s going to go from ICE to EV and that’s it—end of story.

Und wie schnell wird diese Entwicklung stattfinden? Sehr schnell!

In 2018 you are going to see level 4 self-driving in the tens of thousands, maybe hundreds of thousands of cars. And certainly by 2020 you are going to see them in the millions. The disruption is going to happen soon after that. (..) In many ways the technology, it’s not a 100%, but it’s improving dramatically. And that’s because deep learning technology, Artificial Intelligence, learns from data. It learns from experience—if you can say that, that computers have experience—let’s call it data. In all, Uber and Tesla are gathering a lot of data. Basically they are learning very quickly, and so their systems are improving dramatically and very fast. The more cars you have that are self-driving, the more you will learn, the faster it improves.

Und was können die Regierungen machen, um zu helfen?

The government’s role at this point is to help enable this disruption by helping the market make it happen. And they can best do that by getting out of the way.

Schnell aus dem Weg gehen! Aber das wird hierzulande wohl Wunschdenken bleiben.

Elektro | Autonom | Seba |


Mittwoch, 02. November 2016

TU Europe Live Blog - ICM München

Die nächsten 2 Tage - Mittwoch und Donnerstag - dreht sich hier alles um Mobilität, denn ich besuche aktuell die TU Europe Konferenz in München.

Dieser Blogpost soll dazu dienen die Konferenz zu begleiten und ich werde ihn ständig erweitern mit den Eindrücken, die ich hier sammeln kann. Also ab und zu den Eintrag neu laden, damit die Inhalte im Browser aktualisiert werden.

Die Konferenz gibt es seit über 10 Jahren und sie wurde gestartet rund um das Thema Telematics. Inzwischen ist sie ausgeweitet worden auf das Thema Mobility - alleine das ist schon eine interessante Tatsache. Die Grenzen zwischen Automobilherstellern und Anbietern von Mobilit verschwimmen zunehmend, daher hat diese Entwicklung heute eine Riesen-Aufmerksamkeit.

Gestartet hat die Konferenz Roger Lanctot von Strategy Analysis:

  • Connected Cars sind abhängig von der Technology (Mobilfunk) - Schätzungen gehen von 50% Connected Cars im Jahr 2019 aus. Das ist noch relativ wenig, weil die andere Hälfte nicht connected ist. Das könnte ein Bremsklotz für die Entwicklung sein. 5G würde das beschleunigen, aber der Roll-Out ist noch recht langsam.
  • OTA - Over the Air Update - ist dazu auch eine Voraussetzung, aber die OEMs hängen noch ziemlich weit zurück. Ausnahme ist Tesla, die Kreise um die Konkurrenz fahren.
  • Automated Driving wird im Moment sehr stark bearbeitet, 61 OEMs, 6 Aftermarket- und 73 Startup Firmen und 8 Development Plattformen beschäftigen sich mit dem Thema. Da ist mächtig viel in Bewegung und wir werden bald mehr davon hören.

Johann Jungwirth von VW (CDO) und Holger Weiss (German Autolabs):

  • Die ersten selbstfahrenden Autos werden bald Realität - etwa 2018/2019. Das wird nicht in Europa starten, sondern US, Singapur und China. Es wird wichtig sein für Europa nicht den Anschluss zu verlieren und da sind die Regierungen gefragt.
  • Viele Unfälle heutzutage sind menschlicher Natur und diese werden sich alle vermeiden lassen.
  • Leute, die bisher kein Auto selber nutzen können - Blinde, Kinder, Ältere, .. - werden in Zukunft ein Auto fahren können - bzw. werden gefahren von dem Auto.
  • VW wird noch diesen Monat eine neue Marke vorstellen rund um das Thema Mobilität - der Name wurde aber noch nicht verraten. Das wird die 13.Marke von VW werden.
  • Alle Resourcen werden im Konzern gebündelt, d.h. man wird auch intensiv mit Audi z.B. zusammenarbeiten.

Von DriveNow - einer Tochterfirma von BMW - war Sebastian Hofelich vor Ort:

  • In Deutschland sind erst 30.000 elektrische Fahrzeuge auf den Strassen.
  • Die Idee ist den ruhenden Verkehr aus den Städten zu verbannen - die Autos werden als Shared Service eine viel höhere Auslastung haben und weniger rumstehen.

Ein i3 steht auch in der Lobby und das Raumangebot im Inneren ist beeindruckend: keine B-Säule mehr und auch kein Getriebetunnel zwischen den Vordersitzen. Mit einer DriveNow Anmeldung kann man sich für relativ kleines Geld zusätzliche Mobilität sichern - und gleichzeitig mal den i3 bzw. ein Elektroauto ausprobieren. Werde ich auf jeden Fall machen, wenn ich wieder in Köln bin.

Von Uber war Christoph Weigler auf der Bühne. Am Interessantesten fand ich die Tatsache, dass Uber keinerlei Hardware entwickeln will und die gesamte Funktionalität auch in Zukunft über das Smartphone erreichen wird - sowohl für Uber Fahrer als auch Passagiere.

Angus Lyon kommt nach der Kaffeepause auf die Bühne und er arbeitet … für Manor F1! Na da sind wir doch zuhause! Er referiert über Telemetrie und Datenübertragung - auch wichtige Punkte in Zukunft für die Mobilität:

  • Manor Racing ist das kleinste Team, sie wurden damals von Virgin 2010 aufgebaut. Der Vorteil ist aber, dass man nicht von einem OEM abhängig ist - man agiert lean and agile.
  • Heutzutage kommen TV Bild, Telemetrie, Team Radio, … alle über den gleichen Datastream. Dafür sind 3 Systeme redundant voneinander aufgebaut.
  • Team Daten addieren sich auf 2 GB pro Rennen. Datenraten sind 100 kHz, aber 1 kHz ist typisch.
  • Der Wettbewerbsvorteil kommt dann erst, wenn die Daten effizient verteilt und ausgewertet werden - auch zuhause in der Basis von allen Rennstrecken der Welt aus.
  • Die Analyse betrifft zuerst Reifen und Fahrwerk, um den Zustand des Wagen ständig zu analysieren. Wenn Benzin weniger wird, wird der Wagen schneller - aber der Reifen baut ab, dadurch wird er wieder langsamer. Das muss man optimieren, um den Reifen nicht zu überfordern.
  • Alle Gangwechsel werden überwacht, um sicherzustellen, dass das Getriebe nicht überfordert wurde.
  • Benzinverbrauch ist natürlich wichtig, nur 100kg Benzin dürfen verbraucht werden.
  • Bremsen werden auch überwacht - zumal die Kühlung so klein wie möglich gehalten werden möchte, um die Aerodynamik nicht zu verschlechtern.
  • Die Aufgabe des Teams ist es zu optimieren, Risiken erkennen, Verbräuche überwachen und die Konkurrenz im Auge zu behalten.
  • Nur 3 Leute an der Strecke und 4-6 zuhause sind für diese Aufgaben eingeteilt.
  • Manor Racing nutzt diese Daten, um einen Vorteil zu gewinnen - denn ihnen ist auch klar, dass sie nicht das schnellste Auto im Feld haben.

Martin Rosell / WirelessCar:

  • C-Connected, S-Sharing, A-Autonomous, E-Electric - diese Buzzwords werden zur Zeit ständig genutzt.
  • Um autonomes Fahren zu ermöglichen, müssen die Fahrzeuge connected werden, überwacht, kontrolliert, analysiert und optimiert werden.
  • Heutzutage sind nur 3-5% aller Fahrzeuge connected.
  • Die Entwicklungszyklen der OEMs sind langsam - ein Grund warum nicht mehr Fahrzeuge vernetzt sind.
  • Volvo Truck nutzt die Technologie schon heute, um schneller auf Fahrzeug-Reparaturen zu reagieren: der Besitzer wird früher gewarnt und die Werkstatt kann sich schon im Vorfeld vorbereiten.
  • Car Sharing könnte auch in kleinerem Scale realisiert werden: nicht mit allen das Fahrzeug teilen, sondern eher mit Freunden und Bekannten - und das könnten alle OEMs schon heute anbieten.
  • Heat Maps helfen die Daten besser zu analysieren und auf das Verbraucherverhalten zu reagieren.

Juergen Daunis / Ericsson:

  • In der Vergangenheit wurden die Netzwerke hauptsächlich für die Bedürfnisse der Verbraucher entwickelt. Heute findet zum ersten Mal ein Umbruch statt, weil neue Netzwerke für die Bedürfnisse der Autoindustrie geschaffen werden.
  • Zukünftig werden überall Sensoren verbaut werden, die den Datenverkehr massiv erhöhen werden. 5G soll das adressieren.
  • Volumen erhöht sich x 1.000 und die Latency stellt hohe Anforderungen an die Geschwindigkeit für kritische Übertragungen.

In der Mittagspause ist mir Holger Weiss (German Autolabs, s.o.) über den Weg gelaufen und ich habe ihn gefragt, wie er zu meiner Motorsport Theorie im autonomen Zeitalter steht:

  • Seiner Meinung nach werden sich Marken wie Porsche oder Audi nach wie vor über die Dynamik differenzieren.
  • Es wäre sogar vorstellbar, dass Fahrspuren für schnelleres Fahren reserviert werden. Berlin - München geht dann in 3 statt in 7 Stunden, kostet aber mehr.
  • Die Entwicklungen von Audi in der Formel E würden ja schon deutlich zeigen, dass trotz E-Mobilität die Hersteller ein Interesse an der Präsenz zeigen.

David Wong (SMMT), Chris Roig-Ramos (BlaBlaCar), Matthew Caudle (Drover), Helmut Ramsauer (Spinpartners) diskutieren über: Auto Brand Loyalty in a Sharing Economy

Interessanter Punkt, weil wie Marken-loyal soll man sein, wenn man sowieso die Services wechselt und das Auto mietet, das gerade verfügbar ist.

  • BlaBlaCar Service wird von 10 Mio. Leuten pro Quartal genutzt. Wenn man zu Viert statt alleine mit dem Auto fährt, dann reduzieren sich für jeden die Fahrtkosten auf 1/4.
  • Ökonomische Argumente werden als wichtiger erachtet gegenüber der Markenanziehung.
  • Marken werden zunehmend unwichtiger - ein Trend, der sich auch aktuell bei den Fluglinien feststellen lässt. Ausschlaggebend ist am Ende der Preis.
  • Die Herausforderung für die OEMs in den nächsten 5–10 Jahren wird darin liegen, den Übergang von klassischem Fahrzeugbesitz zu den zukünftigen Car Sharing Modellen zu bewerkstelligen.
  • Marken und Brands sind nach wie vor essentiell, definieren sich aber eher über die User-Erfahrung und die Qualität der Services, als über klassisches Marketing, wie wir es heute kennen.

Tag 2 meines Besuches auf der TU Europe und ich werde diesen Beitrag weiter fortführen mit Notizen aus den Vorträgen, die ich besuche.

Christoph Stadeler, Facebook

Da fragt man sich, was hat Facebook mit Automotive und Mobility zu tun?

  • Sie skalieren, haben kein Problem 1,7 Milliarden Nutzer zu bedienen - dazu noch WhatsApp, Messenger und Instagram.
  • Marken sind mehr denn je das größte Pfund, das die Autoindustrie hat. Wenn man Größe und Volumen über Produktionszahlen definiert, dann stößt man schnell an Grenzen. Aber eine Marke kann heutzutage viel einfacher Millionen von Nutzern ansprechen und über Facebook verlinken.
  • Facebook sieht sich in einer guten Position die Brücke zu Connected Car zu bauen - weil sie schon mit den User (Auto-Kunden) verknüpft sind.

Chris Reeves (Horiba MIRA) - Autonomous Vehicles - the technical and business challenges:

  • Es wird unterschieden zwischen Automated Car und Connected Car.
  • Standards und Gesetzgebung hinken noch hinterher und sind zu einfach gestrickt. Dadurch kann die komplexe Realität im Verkehr nicht abgebildet werden.
  • Straßen werden nicht nur von Autos genutzt - Fussgänger, Radfahrer, aber auch Tiere kreuzen den Verkehr.
  • Test und Erprobung erfordern neue Methoden - Controlled Environment löst die Teststrecke ab. Wo früher Dauerhaltbarkeit z.B. getestet wurde, werden heute reale Straßensituationen, Ampeln und Kreuzungen abgebildet. Sogar Mobilfunktestzellen werden installiert, um den Datenverkehr zu validieren.
  • Ziel ist die Reproduzierbarkeit während der Erprobungsphasen.
  • Während autonomer Testphasen können auch Fahrzeuge anderer Hersteller die Strecke nutzen, wodurch reale Situationen mit Verkehr abgebildet werden.
  • Trotzdem können Teststrecken nicht die Realität komplett simmulieren - daher sind Tests in öffentlichem Verkehrsraum notwendig.
  • In UK kooperiert u.a. Milton Keynes bei der Umsetzung, um einem Konsortium die Tests zu ermöglichen.
  • Zur Zeit nehmen Ford, JLR und Tata teil.
  • Es gibt Überlegungen, dass für die Abnahme bis zu 10 Mio. Testkilometer nachgewiesen werden müssen - aber das ist noch nicht endgültig entschieden und eigentlich von der Größenordnung zu hoch, um es im Test in akzeptabler Zeit umzusetzen.

Nach seinem Vortrag hatte ich die Gelegenheit Chris Reeves mit Fragen zu löchern.

  • Motorsport wird seiner Meinung nach immer ein Thema sein für die Auto-Industrie, weil das Fahrerlebnis auch immer eine Belohnungs-Komponente beinhaltet (needs to be rewarding). Was auch die einzelnen Brands nutzen werden, um sich voneinander zu unterscheiden.
  • Zusätzlich kommt aber noch die komplette Kundenerfahrung mit der Marke - von Kauf über Service über Connected und Autonom - dazu, um einen Vorteil gegenüber dem Wettbewerb zu erlangen.
  • Das Straßenbild wird auch in Zukunft immer ein Mix sein zwischen manuellem und automatischem Verkehr, denn wir haben eine 100-jährige Geschichte von Fahrzeugen auf der Straße. Die wird nicht von heute auf morgen verschwinden.
  • Für das autonome Fahren ist es nicht zwingend erforderlich, dass Fahrzeuge verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren. Um in der Zukunft aber einen höheren Effizienzgewinn zu realisieren wird die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen höhere Bedeutung gewinnen.

Die letzte Präsentation des Tages war von Michael Wong, Codeplay.

  • Autos werden in der Zukunft ein Gehirn brauchen, das mit enormer Prozessor-Power ausgestattet ist.
  • Ebenso große Anforderungen werden an die Software gestellt, die in der Lage sein muss, die neuen Aufgaben des autonomen Verkehrs abbilden zu können.
  • An AI - Artificial Intelligence bzw. neuronalen Netzen - führt kein Weg vorbei.
  • Bereits heute ist AI im Einsatz, z.B. bei Google Maps. Tesla nutzt diese Technologie ebenfalls.
  • Open Source Sprachen ist der Vorzug zu geben, damit diese gewaltige Aufgabe mit Erfahrungsaustausch untereinander bewerkstelligt werden kann.

Nach dem Vortrag hatte ich Gelegenheit mit Michael zu sprechen. Seine Erklärung, was AI denn sei, geht so: wir Menschen lernen aus Erfahrung - Sachen, die funktionieren, werden im Gehirn verknüpft (neuronal), um sie bei der nächsten Gelegenheit wieder abrufen zu können. Das versucht man im Computer abzubilden - quasi eine gigantische Trial- and Error Datenbank. Das Konzept ist schon viele Jahrzehnte alt, aber erst jetzt sind Computer durch die gestiegene Rechenleistung in der Lage damit sinnvoll umzugehen.

Wichtig in dem Zusammenhang fand er auch die Validierung - also das ausgiebige Testen, ob die Interpretationen des Systems richtig sind.

Das das Ganze auch Gefahren birgt will er gar nicht auschließen. Die Entscheidungsfindung ist im Einzelfall schon so komplex und beinhaltet soviele Paramenter, dass der Mensch mit seinem Gehirn überfordert ist den Werdegang bis zur Entscheidung nachzuvollziehen. In dem Fall ist man dann der Technik ausgeliefert in der Hoffnung, dass sie die richtige Entscheidung trifft.

Dabei kommt natürlich kein Bauchgefühl zum Tragen - das gibt es bei einem Computer mit 0 und 1 nicht. Aber Wahrscheinlichkeiten werden gegeneinander abgewogen, um die Abläufe am Ende richtig in Gang zu setzen.

Ziemlich gruselig, wenn man es sich mal auf der Zunge zergehen lässt, aber wir alle werden damit schon konfrontiert - z.B. bei Google Maps. In Sekundenbruchteilen werden Routen optimiert aufgrund aktualisierter Parameter. Tesla setzt ebenfalls schon auf AI und das Faszinierende bei dem Konzept ist, dass jeder gefahrene Kilometer von allen Tesla Fahrzeugen wieder jedem einzelnen Fahrzeug zugute kommt. Michael vergleicht das mit einem lernenden Baby, das auf einmal auch von der Erfahrung von allen anderen lernenden Babies auf der Welt profitiert. Die Lernkurve steigt in dem Moment natürlich extrem steil und die Geschwindigkeit nimmt rapide zu.

In dem Zusammenhang war es etwas krotesk zu beobachten, dass AI auf der Konferenz kaum eine Rolle gespielt hat - dabei ist es die Schlüsseltechnologie zum Aufbruch in das neue Zeitalter.

TUEurope | Mobility | München | LiveBlog | Mikebericht |


Dienstag, 01. November 2016

Die nächsten zwei Tage begleite ich die größte europäische Zukunfts-Konferenz zur Mobilität.

Mittwoch und Donnerstag volles Programm im ICM in München:

Europe´s Largest Conference & Exhibition Dedicated to the Future of Auto Mobility. For 14 years the TU-Automotive Europe Conference & Exhibition has been the central meeting place for those at the forefront of automotive technical innovation and business strategy. Executives from the leading OEMs, tier1s, telematics services providers, telecoms and government bodies will gather to develop robust proof of concepts, agile business models and effective innovation processes to bring the auto industry up-to-date with the digital revolution.

Wenn es Antworten auf die Frage gibt, ob der autonome Verkehr der Zukunft den Motorsport gefährdet, dann ja wohl hier.

Grund genug für mich für die nächsten 2 Tage mein Quartier in München aufzuschlagen, um die Konferenz zu verfolgen.

Der Rahmen ist schonmal beeindruckend - hier werden morgen etliche Vertreter der C-Suite Stellung beziehen zu den Themen der Zukunft:

Ich werde einen Blogbeitrag als Live-Blog zünden und während der einzelnen Vorträge die Highlights aus meiner Sicht zusammenfassen - stay tuned.

Heute war Aufbautag …

… und man konnte die Anspannung gut spüren. Die Autoindustrie steht vor einem massiven Wandel - Revolution? Disruption? - und ich bin gespannt, ob das thematisiert werden wird.

Kongress | TUEurope | München |


Donnerstag, 27. Oktober 2016

Audi verabschiedet sich aus Le Mans.

Nicht 2018, nicht 2017 - nein schon Ende diesen Jahres wird das komplette WEC Programm eingestampft.

Noch 2 Rennen, dann ist Schluss.

Die Einschläge kommen im Moment knüppeldick für VW. Am Dienstag hat VW einem Vergleich in den USA über 14,7 Milliarden (Milliarden!) Dollar zugestimmt, um die 475.000 in Amerika verkauften Green-Diesel als 2 Liter Variante vom Tisch zu bekommen. 85.000 3L warten noch auf eine Lösung. Nicht vergessen, dass es sich insgesamt um 11 Mio. Fahrzeuge handelt - alleine 2,61 Mio. in Deutschland.

Bei VW geht es finanziell an´s Eingemachte und man hat sich sowieso gefragt wie es sich ein Konzern leisten kann, 2 LMP1 Teams - Audi und Porsche - auf allerhöchstem Level gegeneinander antreten lassen kann. Matthias Müller hatte an dieser Entscheidung sicher auch seinen Anteil, denn im Windschatten von Winterkorn ist er 2010 Chef von Porsche geworden. Um 2015 den dann geschassten Winterkorn zu beerben und die Leitung der VW AG zu übernehmen. Wo sich der Kreis wieder schließt, denn dort verantwortet er natürlich auch das Einstampfen des Audi R18.

Vielleicht schlägt sein Motorsport-Herz eher für Porsche, aber Audi über die Klinge springen zu lassen hat noch einen anderen Grund: den Diesel.

Denn Audi setzt als einziges Motorsport-Team einen Diesel als Antriebsquelle ein - aus Marketinggründen. Und zwar schon ewig - nämlich seit 2006. Insgesamt geht Audi seit 1999 in Le Mans am Start und hat ab 2000 eine unvergleichliche Siegesserie hingelegt: nur 2009 konnte Peugeot gewinnen - die Siege 2005 (ADT Champion Racing, R8) und 2003 (Bentley) buche ich mal mit dazu. Geändert hat es sich allerdings mit dem Einstieg von Porsche, denn die Weissacher konnten die letzten beiden Jahre gewinnen. (Das tragische Schicksal von Toyota von diesem Jahr haben wir ja noch gut in Erinnerung.)

Seit Dieselgate hat Audi Sport die Bezeichnung Diesel vermieden wie der Teufel das Weihwasser - wenn es gar nicht mehr anders ging wurde TDI eingesetzt. Was eigentlich nur Auto-Insidern ein Begriff sein dürfte. Damit stand also auch schon 2016 unter einem schlechten Stern, denn selbst Erfolge konnten sich überhaupt nicht vermarkten lassen, da der Ruf des Diesels für immer und ewig vergiftet war. Eigentlich hatte man sich geschämt, einen Diesel einzusetzen - aber das ließ sich ja nicht so schnell ändern. Ich wette es gab im Konzern genug Leute, die nur auf die erste Gelegenheit gewartet haben, das Audi Le Mans Programm über die Klinge springen zu lassen. Einen Sauger neu zu konstruieren machte natürlich noch viel weniger Sinn, das läuft ja schon bei Porsche.

Das ist schon bitter zu beobachten, wie ein Sportteam zum Spielball der Marketing Strategen wird - erst, als ihnen übergedeut wurde doch einen Diesel einzusetzen und jetzt, wo sie ihn ausgereift haben, gehen sie als Opfer mit unter.

Die Era dicker V8 (Toyota), kleiner Turbo (Porsche) und Diesel (Audi) in der LMP1 gegeneinander antreten zu sehen, wird als ausgewöhnlich in die Le Mans Geschichte eingehen. Ich war fasziniert davon, diese grundsätzlichen Konzepte Kopf an Kopf im Rennen zu sehen. Wetten, dass dass sich die Konzepte jetzt wieder aneinander annähern? Wobei ja nur noch Toyota und Porsche übrig sind. Ob jetzt noch ein weiterer Hersteller einsteigt? Die Türen beim ACO werden sperrangelweit offen stehen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die deutsche Autoindustrie beeindruckt aber auch das konsequente Handeln von Audi - durch den Druck von allen Seiten sind sie gezwungen alte Zöpfe abzuschneiden und können sich - ohne Diesel Ballast - voll auf Elektro konzentrieren.

So desaströs die Situation momentan erscheint - es könnte sich hinterher als großer Glücksfall herausstellen.

Bitter ist es für die Fahrer - ich hoffe sie müssen nicht aus der Not heraus noch Formel 1 fahren.

LeMans | AudiLMP1 | Dieselgate | LM24 |


Dienstag, 25. Oktober 2016

Schaufelt sich die deutsche Autoindustrie mit dem Verbrennungsmotor ihr eigenes Grab?

Es ist mir nach wir vor unerklärlich, wieso der Elektromotor nicht längst die Verkehrsbilder bestimmt. Manchmal habe ich das Gefühl ich stehe mit meiner Meinung alleine, so stark ist der ICE (Internal Combustion Engine) in den Köpfen der Menschen festgefahren.

Genau zum richtigen Zeitpunkt kommt daher dieser Film der ARD, den man sich in der Mediathek anschauen kann:

Autoland abgebrannt - Wie die Branche die Zukunft verspielt.

Hab ich gesagt: anschauen kann? Nein, ich meinte: anschauen MUSS. Absoluter Guckbefehl. Denn das Bedrohungsszenario ist enorm, aber irgendwie will es keiner wahrhaben. Selbst Dieselgate war nicht in der Lage die bräsigen Automanager wachzurütteln.

Die Rede ist von der disruptiven Innovation - sie kommt nicht schleichend, sondern wächst exponentiell. Ja, wir haben aktuell nur 1% Marktanteil für Elektroautos. Aber wenn der Markt kippt aufgrund der exponentiellen Entwicklung und du kein Produkt hast, das du skalieren kannst, dann bist du raus.

Das sage diesmal nicht ich, sondern das ist das Zitat von Tony Seba - Forschungsprofessors an der Uni Stanford. Und er hat auch plakative Beispiele: Nokia hat das Smartphone verschlafen und Kodak die Digitalfotografie.

Wie schnell solch eine Entwicklung heutzutage gehen kann, macht das Smartphone deutlich. Es hat längst die Welt erobert und unsere Kommunikation massiv verändert. Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass es unglaublich erscheint, dass vor 10 Jahren niemand dieses Produkt auch nur erahnt hätte. Ausser dem iPhone Projektteam in Cupertino natürlich, denn es wurde am 9.Januar 2007 zum ersten Mal vorgestellt.

Die Auto-Journalisten bekommen übrigens auch ihr Fett weg:

Kultur des Wegschauens? Oder warum wurde ein Betrug, der millionenfach über die Straßen rollt, einfach nicht bemerkt?

Auch Brüssel, VW, Oettinger, ..

Am krassesten ist aber Matthias Wissmann, Ex-Verkehrsminister, jetzt VDA Präsident und Merkel Duz-Freund:

Extremste Abweichungen - die sind vielleicht nicht illegal, aber sie sind natürlich an der Grenze des Legitimen. (bei 24:27 Min.)

Ah ja.

VW´s Ulrich Eichhorn meinte, dass man in 10–15 Jahren soweit sei, dass Elektroautos die Kunden überzeugen würden. In 10–15 Jahren? Eichhorn auf die Frage, wann bei VW der letzte Diesel vom Band rollt: Das werde ich in meiner aktiven Berufslaufbahn nicht mehr erleben. Er ist 55 Jahre alt und da muss die sarkastische Frage erlaubt sein, ob das vielleicht daran liegt, dass seine aktive Berufslaufbahn früher als erwartet zu Ende geht.

Dieter Zetsche ist auch nicht besser, er erwartet 2025 15–25% Prozent Elektrofahrzeuge bei Mercedes.

Aber über dessen Zeitrechnung habe ich mich ja letzte Woche auch schon aufgeregt.

Bevor ich mich jetzt hier auch noch auslasse über Konformitätsfaktor und die Rolle Chinas: schaut Euch den Film an - 45 Minuten, die das automobile Weltbild erschüttern.

Tony Seba schließt mit einem schönen Vergleich: die Weiterentwicklung des Diesels ist so als hätte Kodak den Analogfilm immer effizienter gemacht.

Elektro | Wissmann | Diesel | Autoindustrie | Seba | Eichhorn | Zetsche |


Sonntag, 16. Oktober 2016

VW muss den Gürtel enger schnallen.

Matthias Müller hat bei einem Management-Meeting ein neues Sparziel von 10% vorgegeben:

Die Folgen der Krise werden uns in den nächsten Jahren bis an die Grenzen belasten.

Die aufkommenden Gerüchte von einem Audi Le Mans Rückzug ab 2018 werden in Fuji beim 6h-Rennen von Wolfgang Ulrich so kommentiert:

I hope they are wrong.
Schwierige Zeiten für VW - der Zeitpunkt könnte auch nicht schlechter sein, denn die Autoindustrie steht vor mächtigen Veränderungen. Da werden sich auch Auswirkungen für den Motorsport nicht vermeiden lassen. Sowohl Audi als auch Porsche haben in Le Mans nur 2 statt 3 Autos eingesetzt und die Weiterentwicklung des R8 GT3 steht auch in Frage.

Dieselgate | LeMans | MatthiasMüller |


Sonntag, 27. Dezember 2015

32C3: VW Dieselgate Steuergerät entschlüsselt.

Auf dem 32C3 haben heute zwei IT’ler über den VW Emissionsbetrug referiert. Der 32C3 findet seit heute in Hamburg statt - also nur knapp 200km von Wolfsburg entfernt.

Der eine - Daniel Lange - war früher selber in der Autoindustrie und hat in seinem Vortrag das Feld geebnet, wie es so in den Entwicklungsabteilungen bezüglich Zielvorgaben abgeht und wie Emissionen technisch bekämpft werden sollen.

Der andere - Felix Domke - besitzt einen der betroffenen VWs und hat sich deshalb mal eine baugleiche ECU bei ebay besorgt, um den Code zu entschlüsseln. Was ihm auch tatsächlich gelungen ist durch das Ausnutzen einer Schwachstelle in einem der Chips, die er selber gefunden hat.

Der klassische Hacker also, der einfach mal sein eigenes Auto unter die Lupe nimmt. Übrigens nicht irgendwie bezahlt, sondern aus reiner Neugierde.

Und hat er Überraschendes rausgefunden, denn entgegen aller Meldungen, die bisher von den Medien weltweit verbreitet werden, wird nicht der stationäre Zustand auf dem Prüfstand abgefragt, sondern es muss ein enger Korridor aus Zeit und zurückgelegter Wegstrecke vorliegen, damit der AdBlue Zusatz zugeführt wird. Und damit die Abgase den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Von diesen Min/Max Kurven der zurückgelegten Wegstrecke in Abhängigkeit zur Zeit konnte Felix diese Korridore extrahieren:

(Klick! für gross.)

Die Daten, die Felix theoretisch aus dem Quellcode gewonnen hat, konnte er auf dem Prüfstand verifizieren, denn sobald er den einprogrammierten Zeit/Entfernung Korridor verlassen hat, wurde die AdBlue Zuführung quasi abgeschaltet.

Unnötig zu erwähnen, dass der Zeit/Entfernungs Korridor exakt den Prüfzyklus umschließt:

(Klick! für gross.)

In den Kommentaren des ECU Quelltextes wird die Funktion übrigens Akustikfunktion genannt - Arglistigfunktion wäre vielleicht besser gewesen:

(Klick! für gross.)

Der Vortrag dauert 90 Minuten und es gibt ihn hier zum Ansehen und als Download.

Aufgrund der genauen Eingrenzung, wie die Prüfsituation von der Elektronik erkannt wird - nämlich durch die zurückgelegte Wegstrecke über die Zeit und nicht durch eine stationäre Situation auf dem Rollenprüfstand - sollte es auch ein Leichtes sein, andere Fabrikate gezielter zu untersuchen.

Als kleines Nebenprodukt hat Felix übrigens noch herausgefunden, dass der Drehzahlmesser alles andere anzeigt, nur nicht die Drehzahl.

Dieselgate | 32C3 | ChaosComputerClub |


Mittwoch, 04. Dezember 2013

Übrig Ns vom Mittwoch.

Kommentare: Facebook | N-Forum | Tag: ÜbrigNs


Samstag, 20. November 2010

Industriepool vor dem Aus?Wilhelm Hahne hat seinem ihm typischen Stil wieder einen frischen Schwung neuer Geschichten veröffentlicht, darunter auch eine, die den Industriepool am Nürburgring betrifft. Für die Autoindustrie ist die Nordschleife bisher fester Bestandteil für Fahrwerksentwicklung und Dauerläufer, das Ziel der Kraftfahrzeugentwicklung ist sogar im Gesellschaftsvertrag der Nürburgring GmbH verankert.

Man hat aufgrund der neuen privaten Betreiberstruktur schon mit Preiserhöhungen gerechnet, aber die Miete gleich verzehnfachen?

Unter Strich möchte man auch den ´Pool´ als solchen abschaffen und die Termine in Zukunft per Fahrzeug und Datum im Voraus vergeben. Die schwere Planbarkeit dieser Termine war eigentlich der ursprüngliche Grund der Industrie die Strecke gemeinsam zu mieten und den Pool zu gründen. Die bisherige Streckenmiete liegt soweit ich informiert bin in den (bisher?) üblichen Regionen von Rennveranstaltern und Trackday Organisatoren.

Für die Betreiber ist das Risiko gering, aber für die Region bedrohlich. Das betrifft das Industriegebiet Meuspath, die regionalen Pensionen und Hallenverpächter - aber auch die Reputation des Rings als Test- und Entwicklungsstrecke wird auf´s Spiel gesetzt.

Schöner neuer Nürburgring.
Mittwoch, 11. August 2010

Gordon Murray Design und nur 550 kg auf der Waage.Designed by Gordon Murray, 550 kg und um die 6.500 GBP. Ist aber nur das neue T.25 Citycar, das der geniale Designer in der Autoindustrie unterbringen möchte. Auf das Aussehen würde ich nicht viel geben, bei der Optik gibt es sicher noch Spielraum.




Samstag, 20. März 2010

Aktuell sitze ich in der Pressekonferenz der VLN, ein paar Fotos hab ich mal hochgeladen und es geht gleich interessant los. Matthias Wurm von der Wige Media AG hat einen neuen Sponsor für die VLN aus dem Hut gezaubert: Gran Turismo, das als Seriensponsor auf der Heckscheibe der VLN Starter angebracht wird. Der Vertrag wird interessanterweise nicht mit Sony abgeschlossen, sondern direkt mit Polyphony Digital in Japan. Der Vertrag hat erstmal eine Laufzeit von 1 Jahr, zum Erscheinungstermin von GT5 konnte man aber auch nichts neues berichten und geht von "irgendwann in 2010" aus.

Premio steigt als Sponsor in 2010 neu ein, man möchte das ähnlich aufziehen wie seinerzeit bei der V8Star Serie. Das Ganze heißt "Premio Race Cup" und soll über die Händler die Reifenkunden ansprechen.

Sandy Grau wechselt vom Renncockpit ins Business und wird sich in Zukunft stärker bei Uvex einbringen. In der Rennerei kennt er sich schonmal gut aus! Uvex wird auch einen Service vor Ort anbieten, zusätzlich zum racewear24 Shop im Boulevard.

Peter Geishecker hat das TV Paket vorgestellt und hat noch zusätzliche internationale Ausstrahlung in Aussicht gestellt. Das internationale Starterfeld der VLN erlaubt es, auch im Ausland interessant zu berichten. Daher, laut Robert Rust, heißt die neue Strategie der VLN: aktive Vermarktung auch außerhalb von Deutschland. Das DSF sei primär am 24h-Rennen interessiert, hat sich jedoch bereit erklärt 10 x 26 Min. (netto!) auszustrahlen.

Peter Geishecker gibt noch ein paar Infos zur DVB-T Ausstrahlung, der Sender soll stärker werden, um ein besserers Signal auszustrahlen. Das neue Wige Fernsehstudio am Ring erlaubt auch eine Moderation und eventuell auch Werbeeinspielungen. Nach wie vor ein Thema für die Wige ist die Ausstattung der Nordschleife mit Kameras, dafür fehlt allerdings das Geld.

Die VLN baut ihr Rahmenprogramm aus. Geben soll es: Drift Challenge, Sommerfest im Eifeldorf Grüne Hölle, Tourenwagen Revival und Formel Renault Saisonfinale.

Jöckel Hilgeland geht nach den Einschreibungen davon aus, daß das große Starterfeld von 2008 wieder erreicht wird - Krise? Welche Krise? Das Reglement war erfolgreich und man möchte weiterhin die 20-30 ersten individuell anpassen, um die Spannung und Chancengleichheit zu erhalten.

Neu ist auch der Freitag als Trainingstag, damit das Fahrerlager in der Obhut der VLN bleibt. Die Einstellfahrt findet immer Freitag morgens statt.

Klaus von Barby bestätigt nochmal, daß es gegenüber 2009 keine Änderungen im Reglement gibt. Verfeinert wurde der Bereich Aerodynamik, damit es keine Auswüchse gibt. Für die Serienwagen gibt es bei den Benzinern die Neuigkeit, daß auch Turbos eingestuft werden können. Grund sind die neuen kleinen Turbomotoren in der Autoindustrie. Der Hybrid von Porsche ist als Versuch unterwegs in einer eigenen Hybridklasse, der Stromkreis läßt sich zur Sicherheit komplett unterbrechen.

Frank Pohl, der neue Marketing Chef seit 3 Wochen am Ring, bescheinigt der Nordschleife einen hervorragenden Zustand und sie habe den Winter gut überstanden. Die Lärmschutzwand in Breidscheid ist nach seiner Aussage eine Auflage für die Betriebsgenehmigung ab 1.1.2010. Die Bauarbeiten sind bis VLN-Start abgeschlossen. In den vergangenen Wochen und Monaten sei viel für die Sicherheit gemacht worden. "Six Packs" und FIA Zäune hat er dabei betont.

Es gibt auch immer von 17:30 bis 19:30 Uhr Touristenfahrten, außer beim 6-Stunden Rennen.

Die Siegerehrung bleibt jetzt im Eifelstadl und ab 21:00 Uhr soll dann noch gefeiert werden.

Laut Jöckel steht die Graduierung 3 der FIA kurz bevor und erlaubt jetzt internationale Wettbewerbe. Wenn das Zertifikat gültig ist, können sogar GT1 Fahrzeuge auf der Nordschleife fahren. Das gab es seit Jahrzehnten nicht mehr für die Nordschleife.

Marcel Tiemann, Timo Bernhard und Dirk Adorf kamen dann als "Werksfahrer" :) auf's Podium. Marcel gewöhnt sich an den "R", weil der "RSR" nicht mehr konkurenzfähig ist. Der Neue hat noch einiges an Arbeit vor sich. Manthey hat über 20 Fahrer, d.h. könnten eine eigene Meisterschaft veranstalten ;)

Timo hat gestern den Rollout für den "R" gefahren, funktioniert erstmal alles ganz gut. Der Abtrieb ist geringer und noch gewöhnungsbedürftig. Timo hält 10 Autos für siegfähig und sieht die Werks-BMW und Audi als Hauptkonkurenz. Er war auch noch nicht im Hybrid auf der Nordschleife unterwegs, wird aber die Testarbeit begleiten. Es ist noch zu früh die Potentiale aufzuzeigen, aber die Entwicklung wird spanned zu beobachten.

Dirk im schicken weißen Fahreranzug von BMW ist stolz und geht die Sache mit viel Respekt an, aber ist völlig begeistert von seinem neuen Renner. Für ihn ist definitv ein Traum in Erfüllung gegangen und vielleicht ist es auch ein Dank von BMW an die Fans der Nordschleife, einen Privatfahrer in das Werksauto zu setzen. Wie stellen sie die Werksfahrer gegenüber den Nordschleifenfahrern dar? Dirk sei herzlich aufgenommen worden, eine Hackordnung gibt es nicht, aber Uwe und Dirk werden komplett im Team integriert und bringen wertvolle Infos ein. Der Z4 ist auch ein Thema, hört sich super an und sieht geil aus, der Z4 habe auch großes Potential und soll auch in die Runde der Favoriten vorstoßen.

Marcel hält nichts von Pokern, es wird von Anfang an Vollgas gegeben und sie werden versuchen, jedes Rennen zu gewinnen.

Die 2.Runde setzte sich zusammen aus Christer Jöns, Jan Derenbach und Heinz-Jürgen Winz. Christer wird den Black-Falcon Audi steuern, heute war Rollout. Gestern war zu knapp, obwohl heute das Wetter einiges schlechter ist. Klappt aber ganz gut und das Auto macht viel Spaß. Christer hält den Audi nach den ersten GP Runden "für genau mein Auto". Statt Dunlop wird bei Black Falcon Yokohama gefahren, aber es gibt Unterstützung von Audi Sport, um den Wagen in den Griff zu bekommen. Die ersten Rennen sind zum Testen vorgesehen, aber nach dem 24h-Rennen soll auch mal ein Gesamtsieg angepeilt werden. Das sei natürlich der Grund, in die GT3 Klasse zu wechseln. Christer fehlt auch nur noch der Gesamtsieg in seiner Sammlung - Junior Meister und VLN Champion hat er schon im Schrank stehen.

Das Ex-Junior Team der FH Köln ist jetzt erwachsen geworden und mit dem Ford Focus RS in der Specials Klasse SP4T. Gegenüber einem Cup (Honda Civic) sicher 2 große Schritte, aber trotzdem macht es viel Spaß. Die FH arbeitet eng mit der Ford Entwicklungsabteilung zusammen und die beiden sind in Köln nur durch den Rhein getrennt. Die Konkurenz ist eher in der SP3T zu suchen, die 9 Minuten Marke von Christoph Breuer ist nicht das Ziel. Dafür eher seriennah und zuverlässig.

Heinz-Jürgen Winz wird einen Fiat 500 Abarth einsetzen, weil es genausoviel Spaß macht mit kleinen Hubraum zu fahren. Und vielleicht kann man mit dem unterlegenen Fahrzeug den "Großen" ab und zu Paroli bieten. Der 1,4 L Punto sollte eigentlich mit Turbo aufgerüstet werden, aber der 500er war zu verlockend. Es gibt auch eine Zusammenarbeit mit Turin, um diesen als Cup ausgelegten Wagen für die Nordschleife passend zu machen. Tank, Bremse, Elektrik - alles wird optimiert. Die Winz'ens sind ein Familienteam, Papa und Schwester, aber nach Geschäftsschluß im Autohaus kommen noch jede Menge Leute dazu, um die Rennen am Ring zu ermöglichen. Auch ein Einsatz beim 24h-Rennen ist geplant.

So, jetzt zieh ich mir erstmal einen Kaffee und guck mich nochwas im Fahrerlager um :)


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