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Dienstag, 15. Oktober 2019

35 Städte mit insgesamt 140 Mio. Einwohnern schließen sich zum Klimaschutz zusammen.

Da muß man kein Hellseher sein um zu prophezeien, dass der individuelle Autoverkehr in der Prioritätenliste eher unten angesiedelt ist. Denn man spricht von ehrgeizigen Ziele zur Verringerung der Verschmutzung.

Apropos ehrgeizige Ziele und Städte: in Köln ist ja seit Juli offiziell Klimanotstand. Aber keine Sorge: für die autogerechte Stadt steht das persönliche Kraftfahrzeug nach wie vor an erster Stelle.

Klimaschutz | Klimanotstand | Köln | autogerecht |


Sonntag, 08. September 2019

Spannende IAA 2019 nächste Woche - aber nicht wegen der neuen Fahrzeugmodelle.

Am Dienstag öffnet die IAA für 2 Pressetage die Türen, bevor die normalen Besuchertage vom 11. bis 22. September starten. Das wird eine spannende Messe. Nicht wegen Elektro, was Anfang des Jahres großen Raum in Genf eingenommen hat, sondern wegen Klima und Resourcenumgang.

Die Städte und die Straßen sind am Limit, doch der Wunsch nach individueller Mobilität wird immer größer. Größer auch im Sinne der Fahrzeuge, das nimmt inzwischen aberwitzige Dimensionen ein.

Mike Frison / renn.tv

Gestern gab es eine schreckliche Katastrophe mit in Berlin: ein Autofahrer steuert mit hoher Geschwindigkeit auf den Gehweg und tötet 4 Menschen. Vier! Stellt Euch das mal als Terroranschlag vor. Oder jemand stößt 4 Menschen vor einen Zug. Was da in den Nachrichten los wäre. Und so? Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen, tragischer - aber ansonsten normaler - Verkehrsunfall. Die Gefahr, die von Autos ausgeht, wird einfach als Status Quo hingenommen.

Oder noch ein Gedankenspiel: was wäre los, wenn das ein autonomes Roboterauto gewesen wäre? Das hätte weltweit Schlagzeilen gemacht. Obwohl ich bezweifle, dass jemals ein autonomes Fahrzeug 4 (!) Menschen auf dem Gehweg killt. Das werden wir wohl nicht erleben.

SUVs schwingen sich auf, den Gipfel der Ego-Mobilität zu erobern - eins größer, breiter und schwerer als das andere. Was zählt, ist die aggressive und dominierende Erscheinung, mit der die Insassen ihre Dominanz über den Rest der Bevölkerung zum Ausdruck bringen wollen. Platz da! Und Platz brauchen sie reichlich. Beim Parken, beim Fahren - und diesem stationären Zustand der persönlichen Mobilität, die man Stau nennt.

Die Süddeutsche schreibt heute über SUVs von einem instinktiven Recht des Stärkeren - passend zu dem Rest unseres heutigen gesellschaftlichen Zusammenlebens in Deutschland, wo Rücksichtnahme und Verantwortung kaum noch Platz eingeräumt wird.

In meiner Kindheit gab es mal den Spruch “Mercedes mit eingebauter Vorfahrt”, weil die zumeist betagten, aber auch betuchten Mercedesfahrer gerne für sich eine Sonderstellung im Verkehr beansprucht haben. Heute hat man das Gefühl, dass jeder auch gerne diesen Status für sich reklamieren möchte, einem Hochrüsten von Größe, Dominanz, Masse und Leistung wird keine Obergrenze eingezogen.

Mike Frison / renn.tv

Ich bin bekennender Autofan - schon immer gewesen. Das kommt davon, wenn man seine Kindheit an Tankstelle und Werkstatt der Eltern verbringt. Aber ich bin auch jemand, der mit offenen Augen durchs Leben geht - und ich erlebe den Verkehr in Köln, seit ich 1993 aus London dorthin gezogen bin. Der öffentliche Raum wird ständig enger, die Anzahl der Fahrzeuge steigt unaufhörlich und der Platz wird auch dadurch kleiner, weil die Autos immer fetter werden. Adipositas im Fahrzeugbau. Behäbige Dickschiffe, denen mit Steroiden - also Monstermotoren - nachträglich eine Dynamik eingeredet werden soll. Die Fahrzeuglenker passen sich diesem Schema gerne an: kommen sich wichtig vor, aber schaffen es nichtmal zu Fuß bis zum Bäcker.

Das Ganze nimmt inzwischen Dimensionen an, die man nur noch als grotesk bezeichnen kann. Wie dämlich muss eine Gesellschaft sein, sich solchen Götzen bereitwillig hinzugeben - den eigenen Körper aber behandeln wie eine Müllkippe? Verpestet von Abgasen, gefoltert von Bewegungsmangel und gestresst von hektischem Verkehr?

Der Bürgermeister von Berlin spricht von panzerähnlichen Fahrzeugen, was ja nicht von der Hand zu weisen ist. Sie haben in der Stadt nichts zu suchen - und so sehe ich das auch. In der Innenstadt von Köln geht es manchmal schlimmer zu als beim 24h-Rennen in der Boxengasse zum ersten Boxenstopp - als stände tatsächlich der Rennsieg auf dem Spiel. Und die Autoindustrie, mit ihrer Werbung, die der Kundschaft auch genau diese Gewinnermentalität suggeriert, ebnet den Weg und gibt das Rennen frei.

Nicht ohne Grund unterschreibt man beim Motorsport als Fotograf z.B. eine Enthaftung, weil man sich bewusst in die Gefahr des Rennens begibt und als ungeschützter Mensch gegen tonnenschwere Autos natürlich keine Chance hat. Aber was sagt das über unser Zusammenleben aus, wenn diese Gefahr ständig um uns herum lauert? Überforderte Fahrzeuglenker, die hochgerüstet ihrem Anspruch auf individuelle Mobilität mit Rücksichtslosigkeit Raum verschaffen. Deren unschuldige Opfer zwar betrauert werden, die aber eine Änderung des Systems auch nicht bewirken. Täglich wird in Deutschland mindestens 1 Radfahrer getötet - übersehen - oh, das tut mir aber leid. Muss ihr Kind halt ohne Vater aufwachsen.

Und quasi auf dem bisherigen Gipfel des Zusammentreffens von Klimaschutz vs Rücksichtslosigkeit, in der ein Auto vier Menschen auf dem Bürgersteig überfährt, will die IAA das Auto mit Hilfe einer großen Party abfeiern. Da muss man schon sehr abgestumpft sein, um den Widerstand in der breiten Bevölkerung zu ignorieren, die immer mehr Abneigung gegen das Auto entwickelt.

Oder sind es nur Außenseiter ohne Stimme und Lobby?

Letzten Freitag bin ich bei der Critical Mass hier in Köln mitgefahren - zusammen mit 1.000 anderen Radfahrern. Das ist keine angemeldete Demo, sondern ein Treffen von Radfahrern, die gemeinsam eine Ausfahrt machen. Die Route ist spontan - die Spitze gibt die Richtung vor. Und weil es ein geschlossener Verbund ist, zählen diese 1.000 Radfahrer als 1 Fahrzeug, d.h. Ampeln zählen nur für die Vorderen. Ist ein großer Spaß und findet schon recht lange weltweit in vielen großen Städten statt. Kai und Markus sind auch mitgeradelt und wir hatten unterwegs viel Spaß, Zeit zum Quatschen und uns die Stadt anzusehen.

Mike Frison / renn.tv

Und natürlich auch, um uns über Mobilität zu unterhalten - die beiden sind auch Autofreaks durch und durch. Trotzdem waren wir uns einig, dass die individuelle automobile Mobilität einen Perversionsgrad erreicht hat, der korrigiert werden muss. Und wenn man sich umschaut, wer da alles gutgelaunt mitradelt, dann sind das keine Ökospinner, sondern Leute aus allen Schichten der Gesellschaft, denen es einfach wichtig ist, angenehm in ihrer Stadt leben zu können.

Und diese - sympathischen - Protestbewegungen nehmen zu. Für die IAA hat sich einiges angekündigt, der Veranstalter VDA tut sich schwer, dem Rechnung zu tragen. Geht ja auch nicht, SUVs und Klimaschutz werden nie kompatibel sein. Und den übertriebenen Raumbedarf des neuen Taycan - der Zukunft! - hatte ich ja erst aufgegriffen.

Deutschland ist ein spezielles Pflaster, wenn es um Autos geht, denn hier sind die Premiummarken zuhause, die ihre Leistungsschau in die Welt exportieren wollen: Porsche, BMW, Mercedes, Audi … und da gehört es natürlich zum guten Ton, beim Heimspiel besonders zu glänzen. Wir vergessen das leicht, weil wir hier wohnen, aber der einstige Segen der glorreichen Autoindustrie entwickelt sich langsam zum Fluch: lähmende Aufklärung bei Dieselgate, peinliche Bahn- und ÖPNV Anbindung, künstliche Erhaltung der Verbrenner-Technologie. Man braucht nicht weit zu schauen, der Vergleich der Raumaufteilung im Verkehr in Holland spricht Bände und die Gegensätze könnten deutlicher nicht sein.

Das zaghafte Umdenken scheint jedoch - sogar! - in Deutschland um sich zu greifen. Von daher wird es eine spannende IAA 2019. Auch lustig, dass die Fahrzeugmodelle an sich fast schon als nebensächlich untergehen.

Und über den Motorsport haben wir in dem Zusammenhang noch gar nicht gesprochen - der könnte schneller die allgemeine öffentliche Ächtung erfahren, als ihm lieb ist.

IAAMesse | Mobilität | CriticalMass | Zukunft | Protest | Klima |


Sonntag, 14. Juli 2019

Klimanotstand in Köln.

Jetzt offiziell:

Bei anstehenden relevanten Ausschuss- und Ratsentscheidungen solle eine neue Klimafolgenabschätzung als fester Bestandteil eingeführt werden, die kennzeichnet, inwieweit die anstehende Maßnahme oder das Projekt Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit und den Klimaschutz hat. Bis jetzt enthalten Ratsvorlagen als feste Folgendarlegung lediglich finanzielle Aspekte.


Samstag, 13. Juli 2019

Wachstum und Fortschritt - oder Ende der Fahnenstange?

Noch ist von Verzicht nicht viel zu spüren, doch die Erkenntnis arbeitet sich langsam in die Köpfe vor, dass es ohne nicht gehen wird.

Heute in der Süddeutschen Zeitung:

Echter Klimaschutz wird weh tun.

Politikerinnen und Politiker sollen es richten, dafür werden sie gewählt. Sie sollen es aber so tun, dass es nicht wehtut. Wirtschaft und Wohlstand sollen immer weiter wachsen - nach dem Motto: Wasch’ mir den Pelz, aber mach’ mich nicht nass!

Wir haben uns Wohlstand erarbeitet - aber wollen irgendwie nicht wahrhaben, dass dies auf Kosten der Umwelt geschieht. Denn würden wir es einsehen, dann müssten wir ja konsequenterweise darauf verzichten. Und Verlust ist etwas, das der Mensch grundsätzlich vermeiden möchte.

Mike Frison / renn.tv

Also machen wir es uns auf dem Wohlstandsthron bequem - und lassen uns einreden, dass wir dies verdient hätten. Fängt an bei den Kleinigkeiten - mal schnell mit dem Auto zum Bäcker Brötchen kaufen - und setzt sich bei den größeren Sünden fort: Flugreisen zum Beispiel. Oder Motorsport.

Die CO2 Rechnung hatte ich ja schon aufgemacht - da muss man schon mit dem spitzen Stift kalkulieren, um das Budget nicht zu überschreiten. Wer verzichtet schon auf’s Heizen im Winter, um budgetgerecht im Sommer in Urlaub zu fliegen?

Mike Frison / renn.tv

Noch schreckt der Staatsfunk davor zurück, den Leuten reinen Wein einzuschenken. Schleichen um den heißen Brei, reden von Tonnen und Prozent - aber die reale Plus-Minus-Rechnung wird vermieden. Der Grund ist klar: wir leben aktuell weit über unsere Verhältnisse - quasi in Saus und Braus - nicht bereit auch nur einen Zentimeter aufzugeben. Nie wurden in Deutschland soviele SUVs verkauft wie heute.

Mike Frison / renn.tv

Inzwischen spürt zumindest die Autoindustrie, dass der Zenit überschritten ist. Es werden Allianzen geschmiedet, die früher undenkbar waren: BMW und Daimler, VW und Ford. Und die Analysten sagen weitere Zusammenschlüsse voraus.

Die Dynamik gewinnt an Fahrt - und der o.g. Artikel aus der Süddeutschen untermauert, dass mit dem Tabu gebrochen wird, es könne immer so weitergehen. Es sind Einschnitte nötig, die unser aller Leben betreffen werden. Während die Öl- und Verbrennerindustrie verzweifelt die alten Pfründe verteidigt, wird übersehen, dass die Mobilität insgesamt ungesunde Ausmaße angenommen hat und zurück auf Normal reduziert werden will. Das betrifft nicht nur Personen-, sondern auch Warentransporte und es kann nicht schaden, sich darauf schonmal gedanklich vorzubereiten.

Denkt mal ein paar Jahre weiter - und die Hitzesommer noch ein paar Grad heißer, die Regen stärker, die Tornados wütender. Jedes Extremwetter wird die Diskussion weiter anfachen - das Klima ist nicht mehr Theorie, sondern real für alle live zu erleben. Wobei es fast schon makaber ist, sich über Merlot in Rheinland-Pfalz zu freuen, wie es Julia Klöckner kürzlich im Interview gemacht hat.

Man wird auf die Verbrenner mit dem Finger zeigen, auf die SUVs, auf die Vielfahrer, auf die Flugreisenden, auf die Motorsportler. Und wenn das alles nichts hilft, wenn die Grünflächen weiter ausdörren, die Wasser- durch Flüchtlingsströme ersetzt werden, das Wasser knapp wird - dann wird Mobilitätsverzicht sowieso unser kleinstes Problem sein.

Mike Frison / renn.tv

Ich bin mal gespannt, wie sich der Rhein diesen Sommer einpegelt - hier ist ein guter Link für den Wasserstand in Köln.

In Köln beobachte ich in den letzten Jahren eine interessante Entwicklung: immer mehr Menschen verzichten auf ein eigenes Auto, obwohl sie sich das locker leisten könnten. Nicht der fette Klappenauspuffbenz ist cool, sondern der Lastenradpapa, der seine Sprößlinge zur Kita radelt.

Mike Frison / renn.tv

Veranstaltungen wie Critical Mass wachsen kontinuierlich - der Radverkehr nimmt gefühlt ständig zu. Leider bezahlen auch Viele mit ihrem Leben, in Deutschland letztes Jahr mehr als 1 Radtoter pro Tag (445).

Mike Frison / renn.tv

Ich habe zwar wenig Hoffnung, dass sich die Erkenntnis durch alle Schichten durchsetzen wird, aber ich bin dabei. Im Grunde genommen schon seit ich in Köln wohne - also über 25 Jahre.

Mike Frison / renn.tv

Noch ein Punkt lässt mir keine Ruhe: das Bevölkerungswachstum. Wusstet Ihr, dass die Menschheit täglich um 220.000 wächst? Grob gesagt verdoppelt sich die Bevölkerung alle 30 Jahre. Verdoppelt! Das ist ein globales Problem und solange wir in Länder aufgeteilt sind, die nationalistisch - also als Nation egoistisch - denken, wird das nichts mit solidarischem Handeln.

Die Erde an sich juckt das übrigens überhaupt nicht - die überlebt uns ganz locker. Hat schon 4,5 Milliarden Jahre auf dem Buckel - uns gibt es erst so 100.000 Jahre. Auf eine 24h Skala übertragen sind das 2 Sekunden - dieser Film, der die Geschichte des Universums simuliert, gibt einen guten Eindruck. Nimmt man ein Menschenleben - sagen wir 80 Jahre - dann sind das in dieser Analogie ein bis zwei 1/1.000stel Sekunden - worüber reden wir hier eigentlich?

Vielleicht nehmen wir uns alle einfach nur zu wichtig und sind in Wirklichkeit: völlig irrelevant.

Zukunft | Mobilität | Verzicht | Klima | Wohlstand | Radverkehr |


Freitag, 18. Januar 2019

Nach dem Vorbild von Greta Thunberg streiken auch in Deutschland die Schüler: warum für die Zukunft lernen, wenn die Erwachsenen diese gerade verzocken?




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