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Dienstag, 25. August 2020

Mercedes wirbt völlig ungeniert mit *Dominanz*.

Eigentlich wollte ich nach diesem Artikel hier nur mal nachschauen, ob dieser riesige GLS 580 nur in Amerika verkauft wird - oder auch hier bei uns.

Bekomme dann direkt diese Werbung reingedrückt:

Mike Frison / renn.tv

Was soll denn da dominiert werden? Die Nachbarschaft? Die Autobahn? Oder die lästigen Fußgänger und Radfahrer in der Innenstadt?

Vielleicht habe ich ja falsche Assoziationen bei dem Wort Dominanz.

Bemühen wir doch mal Wikipedia:

Unter Dominanz versteht man in der Biologie und in der Anthropologie, dass ein Individuum oder eine Gruppe von Individuen gegenüber einem anderen Individuum bzw. einer Gruppe einen höheren sozialen Status hat, worauf letzteres unterwürfig reagiert.

Unterwürfig. Jawoll! So hat man als Mercedes-Fahrer die anderen Verkehrsteilnehmer am liebsten.

Der Wagen ist übrigens über 5 Meter lang und wiegt über 2,5 Tonnen. Bei mir läuft sowas unter dem Begriff adipös. Wobei sich das gegenüber der Waage dann natürlich wieder als dominant darstellen lässt.

Mercedes | Dominanz | GLS580 |


Donnerstag, 09. April 2020

Coronarunde - mein Fake-Arbeitsweg.

Eigentlich hatte das Jahr gut angefangen - ich wollte meine Mit-dem-Rad-zur-Arbeit Fahrten (#mdRzA) - vom Vorjahr übertreffen und Januar (7x) und Februar (5x) waren nichtmal so schlecht für die Jahreszeit.

Aber dann kam ja alles ganz anders und der komplette März - und jetzt auch der April - ist Home Office angesagt.

Das funktioniert zwar gut und man spart ja auch Zeit - die vom Arbeitsweg - aber man wird auch täglich unfitter.

Und solange wir noch dürfen - in Bayern darf man schon nicht mehr - kann man ja versuchen den Rhythmus umzustellen. Jetzt versuche ich vor der Arbeit und danach 1h mit dem Rad zu fahren - ist eine kleine, gemütliche Runde, die ich hier in der Gegend ausbaldowert habe.

Alles flach wie frisch verlegter Estrich - genau das richtige für Singlespeeding. Das Weiße mit der 16/46er Übersetzung ist aktuell mein Favorit - trotz 28-Zoll für mich wie ein Mountainbike, toller Kompromiss.

Mike Frison / renn.tv

Unterwegs trifft man nicht viel, vielleicht mal ein Traktor oder sogar ein Gabelstapler - das war es schon:

Mike Frison / renn.tv

Viieel schöner als das Chaos in Köln, wo mal als Radfahrer ja sowieso der letzte Dreck ist. Ich mach das zwar erst ein paar Tage, aber ich weiß jetzt schon, dass es mir fehlen wird, wenn Corona vorbei ist. OK - dauert sowieso noch.

Mike Frison / renn.tv

Jetzt erstmal die Ostertage, die kann ich auch gebrauchen, denn bei uns in der Firma sind fast alle auf Kurzarbeit - hätte ich auch gerne genommen, prasselt schon einiges auf einen ein.

Coronarunde | Coronavirus | Radfahren | Singlespeed | HomeOffice |


Samstag, 29. Februar 2020

Wenn die Polizei mal ausnahmsweise ihre Arbeit macht.

Ich hatte das ja schon öfter hier im Blog, dass ich den (Berufs-) Verkehr um mich herum - hauptsächlich als Radfahrender - als rechtsfreien Raum empfinde: die Leute machen, was sie wollen - Verkehrsregeln werden nur noch als Empfehlung interpretiert: an der Ampel erstmal das Handy raus, Tempo 30 eher mit 60, rote Ampel egal, Halteverbot sowieso, Radwege sind Parkplätze.

Die Polizei in Berlin hat jetzt mal ein paar Tage intensiv den Verkehr überprüft und 4.000 Verstöße geahndet.

Mike Frison / renn.tv

Und wer meint: die Radfahrer sind doch die Schlimmsten - fahren immer bei Rot über die Ampel!

Ja - beobachte ich auch oft - aber das hält sich mit dem Autoverkehr ziemlich die Waage:

Rote Ampel missachtet: 425, davon 208 Radfahrer, 215 Kraftfahrzeugfahrer, zwei E-Scooter-Fahrer.

Idioten gibt es halt in allen Lagern - die lassen sich nicht nach Fortbewegungsart klassifizieren (Idioten fahren Fahrrad, aber nicht alle Fahrradfahrer sind Idioten - bzw. Die Tatsache, dass das Fahrrad ein gutes Verkehrsmittel ist, macht Trottel noch lang nicht zu gescheiten Menschen.)

Ich glaube auch nicht, dass Kontrollen alleine die Lösung sind - das sind einfach nur die Auswüchse der Ego-Gesellschaft getreu dem Motto: Ich! Ich! Ich!

Verkehr | Berlin | Polizei | Radfahrer |


Freitag, 14. Februar 2020

Bundesrat: Radfahrer sind Verkehrsbehinderung.

In der StVO soll sich ja einiges positiv verändern Richtung Radfahren - aber besser nicht zu früh freuen.

Mike Frison / renn.tv

Da wird tatsächlich und ernstgemeint davon gesprochen, dass Radfahrer den Verkehr nicht behindern dürfen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Radfahrer sind der Verkehr. Sogar sehr guter in jeder Beziehung, ob Adipositasvorbeugung, Platz - und Resourcenverbrauch oder Luftverpestung.

Aber um das zu erkennen erfordert es natürlich einen gewissen Intellekt und wir sprechen ja hier von Politikern - da darf man sich natürlich auch nicht zu viel Hoffnungen machen.

Sorry, aber mehr als Sarkasmus fällt mir dazu auch nicht mehr ein.

Und ich fahre trotzdem mit dem Rad zur Arbeit.

Hier meine Statistik für 2020 bisher:

  • 10 x Rad (600 km)
  • 8 x Bahn
  • 6 x Home Office
  • 2 x Auto

Mein Ziel ist es mehr km als letztes Jahr zu fahren (3.180 km / 53 Fahrten) und das sieht bisher ganz gut aus. Obwohl ich sturmbedingt diese Woche Radpause hatte.

Bundesrat | Radfahrer | Verkehrsbehinderung | Fahrradwetter | StVO |mdRzA |


Sonntag, 02. Februar 2020

Fahrradfahren ist in Deutschland tödlicher geworden.

Tote 2010: 381
Tote 2018: 445

Mike Frison / renn.tv

Bei 83% ist es ein tödlicher Zusammenstoß mit einem motorisierten Fahrzeug - bei den tödlichen Fußgängerunfällen (458 Todesopfer in 2018) liegt die Quote sogar bei 99%.

Mike Frison / renn.tv

Im Schnitt bleiben also jeden Tag mindestens ein Fußgänger und ein Radfahrer auf der Strecke. Nur redet niemand davon und man macht auch nichts dagegen - nimmt es mit einem Schulterzucken einfach hin.

Stellt Euch mal vor es gäbe jeden Tag 2 Terrortote - was da los wäre!

Quelle: European Transport Safety Council

Verkehr | Sicherheit | Radfahrer | Fußgänger |


Sonntag, 08. September 2019

Spannende IAA 2019 nächste Woche - aber nicht wegen der neuen Fahrzeugmodelle.

Am Dienstag öffnet die IAA für 2 Pressetage die Türen, bevor die normalen Besuchertage vom 11. bis 22. September starten. Das wird eine spannende Messe. Nicht wegen Elektro, was Anfang des Jahres großen Raum in Genf eingenommen hat, sondern wegen Klima und Resourcenumgang.

Die Städte und die Straßen sind am Limit, doch der Wunsch nach individueller Mobilität wird immer größer. Größer auch im Sinne der Fahrzeuge, das nimmt inzwischen aberwitzige Dimensionen ein.

Mike Frison / renn.tv

Gestern gab es eine schreckliche Katastrophe mit in Berlin: ein Autofahrer steuert mit hoher Geschwindigkeit auf den Gehweg und tötet 4 Menschen. Vier! Stellt Euch das mal als Terroranschlag vor. Oder jemand stößt 4 Menschen vor einen Zug. Was da in den Nachrichten los wäre. Und so? Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen, tragischer - aber ansonsten normaler - Verkehrsunfall. Die Gefahr, die von Autos ausgeht, wird einfach als Status Quo hingenommen.

Oder noch ein Gedankenspiel: was wäre los, wenn das ein autonomes Roboterauto gewesen wäre? Das hätte weltweit Schlagzeilen gemacht. Obwohl ich bezweifle, dass jemals ein autonomes Fahrzeug 4 (!) Menschen auf dem Gehweg killt. Das werden wir wohl nicht erleben.

SUVs schwingen sich auf, den Gipfel der Ego-Mobilität zu erobern - eins größer, breiter und schwerer als das andere. Was zählt, ist die aggressive und dominierende Erscheinung, mit der die Insassen ihre Dominanz über den Rest der Bevölkerung zum Ausdruck bringen wollen. Platz da! Und Platz brauchen sie reichlich. Beim Parken, beim Fahren - und diesem stationären Zustand der persönlichen Mobilität, die man Stau nennt.

Die Süddeutsche schreibt heute über SUVs von einem instinktiven Recht des Stärkeren - passend zu dem Rest unseres heutigen gesellschaftlichen Zusammenlebens in Deutschland, wo Rücksichtnahme und Verantwortung kaum noch Platz eingeräumt wird.

In meiner Kindheit gab es mal den Spruch “Mercedes mit eingebauter Vorfahrt”, weil die zumeist betagten, aber auch betuchten Mercedesfahrer gerne für sich eine Sonderstellung im Verkehr beansprucht haben. Heute hat man das Gefühl, dass jeder auch gerne diesen Status für sich reklamieren möchte, einem Hochrüsten von Größe, Dominanz, Masse und Leistung wird keine Obergrenze eingezogen.

Mike Frison / renn.tv

Ich bin bekennender Autofan - schon immer gewesen. Das kommt davon, wenn man seine Kindheit an Tankstelle und Werkstatt der Eltern verbringt. Aber ich bin auch jemand, der mit offenen Augen durchs Leben geht - und ich erlebe den Verkehr in Köln, seit ich 1993 aus London dorthin gezogen bin. Der öffentliche Raum wird ständig enger, die Anzahl der Fahrzeuge steigt unaufhörlich und der Platz wird auch dadurch kleiner, weil die Autos immer fetter werden. Adipositas im Fahrzeugbau. Behäbige Dickschiffe, denen mit Steroiden - also Monstermotoren - nachträglich eine Dynamik eingeredet werden soll. Die Fahrzeuglenker passen sich diesem Schema gerne an: kommen sich wichtig vor, aber schaffen es nichtmal zu Fuß bis zum Bäcker.

Das Ganze nimmt inzwischen Dimensionen an, die man nur noch als grotesk bezeichnen kann. Wie dämlich muss eine Gesellschaft sein, sich solchen Götzen bereitwillig hinzugeben - den eigenen Körper aber behandeln wie eine Müllkippe? Verpestet von Abgasen, gefoltert von Bewegungsmangel und gestresst von hektischem Verkehr?

Der Bürgermeister von Berlin spricht von panzerähnlichen Fahrzeugen, was ja nicht von der Hand zu weisen ist. Sie haben in der Stadt nichts zu suchen - und so sehe ich das auch. In der Innenstadt von Köln geht es manchmal schlimmer zu als beim 24h-Rennen in der Boxengasse zum ersten Boxenstopp - als stände tatsächlich der Rennsieg auf dem Spiel. Und die Autoindustrie, mit ihrer Werbung, die der Kundschaft auch genau diese Gewinnermentalität suggeriert, ebnet den Weg und gibt das Rennen frei.

Nicht ohne Grund unterschreibt man beim Motorsport als Fotograf z.B. eine Enthaftung, weil man sich bewusst in die Gefahr des Rennens begibt und als ungeschützter Mensch gegen tonnenschwere Autos natürlich keine Chance hat. Aber was sagt das über unser Zusammenleben aus, wenn diese Gefahr ständig um uns herum lauert? Überforderte Fahrzeuglenker, die hochgerüstet ihrem Anspruch auf individuelle Mobilität mit Rücksichtslosigkeit Raum verschaffen. Deren unschuldige Opfer zwar betrauert werden, die aber eine Änderung des Systems auch nicht bewirken. Täglich wird in Deutschland mindestens 1 Radfahrer getötet - übersehen - oh, das tut mir aber leid. Muss ihr Kind halt ohne Vater aufwachsen.

Und quasi auf dem bisherigen Gipfel des Zusammentreffens von Klimaschutz vs Rücksichtslosigkeit, in der ein Auto vier Menschen auf dem Bürgersteig überfährt, will die IAA das Auto mit Hilfe einer großen Party abfeiern. Da muss man schon sehr abgestumpft sein, um den Widerstand in der breiten Bevölkerung zu ignorieren, die immer mehr Abneigung gegen das Auto entwickelt.

Oder sind es nur Außenseiter ohne Stimme und Lobby?

Letzten Freitag bin ich bei der Critical Mass hier in Köln mitgefahren - zusammen mit 1.000 anderen Radfahrern. Das ist keine angemeldete Demo, sondern ein Treffen von Radfahrern, die gemeinsam eine Ausfahrt machen. Die Route ist spontan - die Spitze gibt die Richtung vor. Und weil es ein geschlossener Verbund ist, zählen diese 1.000 Radfahrer als 1 Fahrzeug, d.h. Ampeln zählen nur für die Vorderen. Ist ein großer Spaß und findet schon recht lange weltweit in vielen großen Städten statt. Kai und Markus sind auch mitgeradelt und wir hatten unterwegs viel Spaß, Zeit zum Quatschen und uns die Stadt anzusehen.

Mike Frison / renn.tv

Und natürlich auch, um uns über Mobilität zu unterhalten - die beiden sind auch Autofreaks durch und durch. Trotzdem waren wir uns einig, dass die individuelle automobile Mobilität einen Perversionsgrad erreicht hat, der korrigiert werden muss. Und wenn man sich umschaut, wer da alles gutgelaunt mitradelt, dann sind das keine Ökospinner, sondern Leute aus allen Schichten der Gesellschaft, denen es einfach wichtig ist, angenehm in ihrer Stadt leben zu können.

Und diese - sympathischen - Protestbewegungen nehmen zu. Für die IAA hat sich einiges angekündigt, der Veranstalter VDA tut sich schwer, dem Rechnung zu tragen. Geht ja auch nicht, SUVs und Klimaschutz werden nie kompatibel sein. Und den übertriebenen Raumbedarf des neuen Taycan - der Zukunft! - hatte ich ja erst aufgegriffen.

Deutschland ist ein spezielles Pflaster, wenn es um Autos geht, denn hier sind die Premiummarken zuhause, die ihre Leistungsschau in die Welt exportieren wollen: Porsche, BMW, Mercedes, Audi … und da gehört es natürlich zum guten Ton, beim Heimspiel besonders zu glänzen. Wir vergessen das leicht, weil wir hier wohnen, aber der einstige Segen der glorreichen Autoindustrie entwickelt sich langsam zum Fluch: lähmende Aufklärung bei Dieselgate, peinliche Bahn- und ÖPNV Anbindung, künstliche Erhaltung der Verbrenner-Technologie. Man braucht nicht weit zu schauen, der Vergleich der Raumaufteilung im Verkehr in Holland spricht Bände und die Gegensätze könnten deutlicher nicht sein.

Das zaghafte Umdenken scheint jedoch - sogar! - in Deutschland um sich zu greifen. Von daher wird es eine spannende IAA 2019. Auch lustig, dass die Fahrzeugmodelle an sich fast schon als nebensächlich untergehen.

Und über den Motorsport haben wir in dem Zusammenhang noch gar nicht gesprochen - der könnte schneller die allgemeine öffentliche Ächtung erfahren, als ihm lieb ist.

IAAMesse | Mobilität | CriticalMass | Zukunft | Protest | Klima |


Samstag, 13. Juli 2019

Wachstum und Fortschritt - oder Ende der Fahnenstange?

Noch ist von Verzicht nicht viel zu spüren, doch die Erkenntnis arbeitet sich langsam in die Köpfe vor, dass es ohne nicht gehen wird.

Heute in der Süddeutschen Zeitung:

Echter Klimaschutz wird weh tun.

Politikerinnen und Politiker sollen es richten, dafür werden sie gewählt. Sie sollen es aber so tun, dass es nicht wehtut. Wirtschaft und Wohlstand sollen immer weiter wachsen - nach dem Motto: Wasch’ mir den Pelz, aber mach’ mich nicht nass!

Wir haben uns Wohlstand erarbeitet - aber wollen irgendwie nicht wahrhaben, dass dies auf Kosten der Umwelt geschieht. Denn würden wir es einsehen, dann müssten wir ja konsequenterweise darauf verzichten. Und Verlust ist etwas, das der Mensch grundsätzlich vermeiden möchte.

Mike Frison / renn.tv

Also machen wir es uns auf dem Wohlstandsthron bequem - und lassen uns einreden, dass wir dies verdient hätten. Fängt an bei den Kleinigkeiten - mal schnell mit dem Auto zum Bäcker Brötchen kaufen - und setzt sich bei den größeren Sünden fort: Flugreisen zum Beispiel. Oder Motorsport.

Die CO2 Rechnung hatte ich ja schon aufgemacht - da muss man schon mit dem spitzen Stift kalkulieren, um das Budget nicht zu überschreiten. Wer verzichtet schon auf’s Heizen im Winter, um budgetgerecht im Sommer in Urlaub zu fliegen?

Mike Frison / renn.tv

Noch schreckt der Staatsfunk davor zurück, den Leuten reinen Wein einzuschenken. Schleichen um den heißen Brei, reden von Tonnen und Prozent - aber die reale Plus-Minus-Rechnung wird vermieden. Der Grund ist klar: wir leben aktuell weit über unsere Verhältnisse - quasi in Saus und Braus - nicht bereit auch nur einen Zentimeter aufzugeben. Nie wurden in Deutschland soviele SUVs verkauft wie heute.

Mike Frison / renn.tv

Inzwischen spürt zumindest die Autoindustrie, dass der Zenit überschritten ist. Es werden Allianzen geschmiedet, die früher undenkbar waren: BMW und Daimler, VW und Ford. Und die Analysten sagen weitere Zusammenschlüsse voraus.

Die Dynamik gewinnt an Fahrt - und der o.g. Artikel aus der Süddeutschen untermauert, dass mit dem Tabu gebrochen wird, es könne immer so weitergehen. Es sind Einschnitte nötig, die unser aller Leben betreffen werden. Während die Öl- und Verbrennerindustrie verzweifelt die alten Pfründe verteidigt, wird übersehen, dass die Mobilität insgesamt ungesunde Ausmaße angenommen hat und zurück auf Normal reduziert werden will. Das betrifft nicht nur Personen-, sondern auch Warentransporte und es kann nicht schaden, sich darauf schonmal gedanklich vorzubereiten.

Denkt mal ein paar Jahre weiter - und die Hitzesommer noch ein paar Grad heißer, die Regen stärker, die Tornados wütender. Jedes Extremwetter wird die Diskussion weiter anfachen - das Klima ist nicht mehr Theorie, sondern real für alle live zu erleben. Wobei es fast schon makaber ist, sich über Merlot in Rheinland-Pfalz zu freuen, wie es Julia Klöckner kürzlich im Interview gemacht hat.

Man wird auf die Verbrenner mit dem Finger zeigen, auf die SUVs, auf die Vielfahrer, auf die Flugreisenden, auf die Motorsportler. Und wenn das alles nichts hilft, wenn die Grünflächen weiter ausdörren, die Wasser- durch Flüchtlingsströme ersetzt werden, das Wasser knapp wird - dann wird Mobilitätsverzicht sowieso unser kleinstes Problem sein.

Mike Frison / renn.tv

Ich bin mal gespannt, wie sich der Rhein diesen Sommer einpegelt - hier ist ein guter Link für den Wasserstand in Köln.

In Köln beobachte ich in den letzten Jahren eine interessante Entwicklung: immer mehr Menschen verzichten auf ein eigenes Auto, obwohl sie sich das locker leisten könnten. Nicht der fette Klappenauspuffbenz ist cool, sondern der Lastenradpapa, der seine Sprößlinge zur Kita radelt.

Mike Frison / renn.tv

Veranstaltungen wie Critical Mass wachsen kontinuierlich - der Radverkehr nimmt gefühlt ständig zu. Leider bezahlen auch Viele mit ihrem Leben, in Deutschland letztes Jahr mehr als 1 Radtoter pro Tag (445).

Mike Frison / renn.tv

Ich habe zwar wenig Hoffnung, dass sich die Erkenntnis durch alle Schichten durchsetzen wird, aber ich bin dabei. Im Grunde genommen schon seit ich in Köln wohne - also über 25 Jahre.

Mike Frison / renn.tv

Noch ein Punkt lässt mir keine Ruhe: das Bevölkerungswachstum. Wusstet Ihr, dass die Menschheit täglich um 220.000 wächst? Grob gesagt verdoppelt sich die Bevölkerung alle 30 Jahre. Verdoppelt! Das ist ein globales Problem und solange wir in Länder aufgeteilt sind, die nationalistisch - also als Nation egoistisch - denken, wird das nichts mit solidarischem Handeln.

Die Erde an sich juckt das übrigens überhaupt nicht - die überlebt uns ganz locker. Hat schon 4,5 Milliarden Jahre auf dem Buckel - uns gibt es erst so 100.000 Jahre. Auf eine 24h Skala übertragen sind das 2 Sekunden - dieser Film, der die Geschichte des Universums simuliert, gibt einen guten Eindruck. Nimmt man ein Menschenleben - sagen wir 80 Jahre - dann sind das in dieser Analogie ein bis zwei 1/1.000stel Sekunden - worüber reden wir hier eigentlich?

Vielleicht nehmen wir uns alle einfach nur zu wichtig und sind in Wirklichkeit: völlig irrelevant.

Zukunft | Mobilität | Verzicht | Klima | Wohlstand | Radverkehr |


Freitag, 01. März 2019

Straßenverkehr in Deutschland.

Innerhalb des letzten Jahres haben in Deutschland zusätzliche 621.190 Autos auf die Straße gefunden.

Gesamt jetzt 47.095.784.

So richtig verstehen kann man das nicht, man kommt doch auch schon heute kaum noch voran auf den Straßen. Vor allem in der Stadt. Wer kauft sich denn dann noch zusätzliche Autos?

Und noch eine Statistik mit steigenden Zahlen:

3.265 Tote gab es auf deutschen Straßen letztes Jahr - 85 mehr als im Jahr davor. Die zusätzlich getöteten Opfer rekrutieren sich aus Fahrrad- und Motorradfahrern - siehe hier.

Insgesamt gab es letztes Jahr knapp 398.000 Verletzte und 2.600.000 Unfälle im deutschen Straßenverkehr - was für gigantische Zahlen. Entspricht rechnerisch 5 Unfällen pro Minute mit einem Toten alle 3 Stunden - rund um die Uhr bei einem 24h Tag.

Mike Frison / renn.tv

Im Gegensatz dazu hat man nicht das Gefühl, dass diese Toten und Verletzten die Nachrichten erreichen. Das wird inzwischen lokal als Nebenmeldung unter den Teppich gekehrt. Denn es passiert … nichts.

Stellt Euch mal vor es würden jährlich 4.000 Menschen im Flugverkehr sterben - nur in Deutschland?! Oder in der Bahn?! Aber beim Straßenverkehr wird es schulterzuckend in Kauf genommen.

Radfahrer und Fußgänger werden durch die immer voluminöseren SUV-Wohnlandschaften weiter zurückgedrängt - obwohl ihnen sowieso kaum noch Platz zugestanden wird.

Auch das Verhalten wird ständig verantwortungsloser - ohne Konsequenzen. In Köln - das ich jeden Tag morgens und abends in Nord-Süd-Richtung mit wechselnden Verkehrsmitteln durchquere - beobachte ich inzwischen, dass Radfahrern nicht mal mehr die Rechts vor Links Vorfahrt gestattet wird: Autos fahren einfach durch, die Fahrer gucken demonstrativ weg und geben sich immun für nachfolgende Beschimpfungen. Das vergiftet nicht nur die Atmosphäre - Stichwort: harmonisches Miteinander - sondern sorgt dann auch für die oben genannten Statistiken.

Eigentlich müsste dringend etwas passieren, aber leider glänzt das Verkehrsministerium mit allem Möglichen, nur nicht mit Kompetenz. Siehe die frisch vorgestellte “Zulassungsverordnung für Elektrokleinstfahrzeuge” - aber das wird besser ein eigener Blog-Post.

Straßenverkehr | Statistik | Unfälle | Verkehrstote |


Sonntag, 03. Februar 2019

Fahrverbote bekämpfen - oder: wie ein deutscher Minister dem Volk die Atemluft raubt.

Man bekommt den Eindruck, dass der Verkehrsminister Scheuer Gesetze als lästige Bürokratie empfindet, denn er empfiehlt die Fahrverbote mit allen juristischen Mitteln zu bekämpfen.

Da lässt sich Köln nicht lange bitten, freie Fahrt für fette Verbrenner!

Mike Frison / renn.tv

Lebensqualität, Fußgänger, Radfahrer, Anwohner - alles überbewertet.

Mike Frison / renn.tv

(Radverkehr in Köln, Symbolbild.)

Heute hatte ich so einen Gedanken: das Wort “Fahrverbote” ist ja schon absichtlich negativ gewählt - Verbot ist immer schlecht und die Einschränkung der Freiheit des Einzelnen schwingt schon im Wort mit.

Mike Frison / renn.tv

Man könnte das Ganze auch positiver formulieren, zum Beispiel als “Erlaubnis frische Luft zu atmen.”. Ich kann immer noch nicht nachvollziehen, wie man als Menschheit überhaupt auf die Idee kommen kann, die eigene Atemluft zu kompromitieren. Als Bewohner von Köln bekomme ich die abgeschalteten Abgasreinigungen live mit und es ist eine Zumutung. Gerade jetzt im Winter. Wenn man mit dem Rad unterwegs ist und tief Luft holen möchte - Sauerstoff! - bleibt einem der Atemvorgang fast im Hals stecken. Dabei fahre ich schon große Umwege - zum einen, um die Verkehrsmischung zu vermeiden (siehe hier) - und zum anderen, um den Sauerstoff zu bekommen, den man beim Radfahren halt so braucht.

Mike Frison / renn.tv

Zur Erinnerung: bei λ = 1 beträgt das Luft-Kraftstoff-Verhältnis 14,7:1 - (14,5 bei Diesel) - also etwa 15 m3 für einen Liter Treibstoff. Da haben wir jetzt noch überhaupt nicht über Schadstoffe gesprochen.

Da muss ich immer dran denken, wenn ich irgendwo Leute sehe, die einfach so ihren Motor laufen lassen. Damit sie es schön warm haben zum Beispiel. Lass die Radfahrer doch husten.

Mike Frison / renn.tv

So gesehen bekämpft der Politiker Scheuer mit allen Mitteln die Atemluft der Leute, für die er eigentlich die Verantwortung trägt. Hört sich doch schon ganz anders an als “Fahrverbot”.

Scheuer | Fahrverbote | Köln | Atemluft | Radverkehr |


Samstag, 03. November 2018

Neu im Test-Fuhrpark: MELLOW elektrisches Skateboard.

Auf den Tag habe ich lange gewartet - und ich habe mich auch gewissenhaft vorbereitet.

Mike Frison / renn.tv

Als die Elektromotoren überall Einzug hielten, war für mich klar, dass die attraktivste und kleinste elektrische mobile Einheit das Skateboard sein würde. Und auch vom Konzept her ideal, denn die Akkus lassen sich tief verbauen, um den Schwerpunkt zu senken. Nicht umsonst heißt die aktuelle E-Auto Architektur “Skateboard Bauweise” - denn auch beim Auto wird grundsätzlich dieses Prinzip angewandt.

Als nicht Skateboarder (auch kein Snowboard oder Surfen) war mir klar, dass ich mir ein paar Skills aneignen musste. Günstige Skateboards gibt es schon im Angebot ab ca. 30 € und meine Wahl fiel auf ein kleines Pennyboard, das zwar für meine Quadratlatschen etwas unterdimensioniert scheint, aber zum Trainieren war es OK. Und aufgrund der kompakten und leichten Bauweise kann man es fast überall hin mitnehmen und ein paar Runden fahren.

Die Firma Mellow ist mir schon früh aufgefallen, denn im Vergleich zu Boosted Boards, die durch Youtuber-Gott Casey Neistat in New York weltweite Beachtung gefunden haben, ist Mellow ein kleines deutsches Startup, deren Ziel eigentlich nicht die Komplettboards sind, sondern die integrierte Lösung von Antrieb und Akku an der Hinterachse, die sich an jedes beliebige Board schrauben lässt. Sogar mein Mini-Pennyboard würde gehen.

Mike Frison / renn.tv

Der größere und wichtigere Unterschied für mich ist aber, dass die Rollen direkt angetrieben sind (links und rechts je ein Motor drin) - und nicht wie bei Boosted über einen Zahnriemen.

Bei dem Preis muss man sich erstmal hinsetzen - aber OK, so ist das halt.

Ob sich meine Trainingseinheiten gelohnt haben, zeigte sich eher überraschend bei meinem Formel E Besuch in Berlin im Mai, denn dort hatte Mellow ein kleines Trainingsareal aufgebaut, wo jeder mal die Powerbretter ausprobieren durfte.

Dort habe ich auch den Firmengründer Johannes Schewe getroffen, der nicht nur mir geduldig die Tipps und Tricks nahegebracht hat. Und als ich ihn vor ein paar Tagen anschrieb, ob sie für einen Mobilitätsblogger wie mich ein Leihboard übrig haben, hat er nicht nur spontan zugesagt, sondern hat es mir sogar persönlich nach Köln gebracht - wo er noch Familienanschluss hat.

Mike Frison / renn.tv

Und so war gestern der große Tag. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so aufgeregt gewesen bin - dass Johannes Zeit für mich hatte war natürlich nochmal ein besonderes Highlight.

Mike Frison / renn.tv

Hier ein paar Videoeindrücke - so sieht das an Tag 1 aus, wenn ein Bewegungslegastheniker wie ich das erste Mal auf einem Elektroboard steht:

youtu.be/cYncgBK1PUU

Erstaunlich auch wie anspruchslos das Board gegenüber dem Untergrund ist - Kopfsteinpflaster kein Problem - allerdings sind hier auch die 90er Rollen drauf (statt original 80er Durchmesser):

Mike Frison / renn.tv

Und was mir auch aufgefallen ist: die Motoren laufen angenehm leise, fast nicht zu hören - sehr gut!

Natürlich musste ich zum Abschluss dem Johannes auch mal eine Rollerfahrt anbieten - so von Elektrobauer zu Elektrobauer:

Mike Frison / renn.tv

Mit meiner Skate-Bilanz bin ich für den Anfang ganz zufrieden: 3 Akkuladungen durch, zweimal abgeflogen - aber noch alles heile, und sogar schon einen Radfahrer überholt. Der hatte Klickpedale, zählt also doppelt.

Denn schnell ist das Gerät und eigentlich ganz gut, dass ich schon die Flatter gemacht habe, man wird sonst zu leicht übermütig. Die Wahrscheinlichkeit, dass Stürze schneller als Laufgeschwindigkeit in Aua enden, ist ziemlich hoch. Eingebremst cruise ich jetzt zum Brötchen holen oder rücke zur abendlichen OKF aus - soviel Spaß hat es noch nie gemacht.

Mike Frison / renn.tv

Als nächstes steht der Einsatz in Kombination mit der Straßenbahn an. Eine Variante meines Arbeitsweges geht so: 2 km zur Bahn - dann ohne Umsteigen 45 Min. Fahrt bis zur Endhaltestelle (Linie 16) - dann wieder 3 km bis zum Werkstor. Etwas zu weit und langwierig, um zu Fuß zu gehen und zu kurz, um dafür das Fahrrad mitzunehmen. Ich habe es mal mit dem Pennyboard ausprobiert, aber da schwitzt man auch schnell im eigenen Saft. Ideal also für eine kleine Mellow Surfeinlage - ich bin gespannt.

Und weil das ja hier ein renn.tv Blog ist, der Johannes ist um einige Level dynamischer als ich:

Mike Frison / renn.tv

Mike Frison / renn.tv

Und schonmal eine kleine Vorwarnung: hier wird es die nächsten Wochen ziemlich Mellow!

Elektro | Mellow | Skateboard | Miketest | Mobilität |


Mittwoch, 27. Juni 2018

LKW vs Straßenbahn.

In Köln gibt es gefühlt jeden Tag mindestens einen Rechtsabbieger-Unfall, meistens erwischt es einen Radfahrer und wenn es dumm gibt es dann ein Todesopfer.

Ich finde es ist nichtmal die Schusseligkeit der LKW-Fahrer, sondern die Verkehrsführung, die die unterschiedlichen Transportgeräte auf Kollisionskurs zwingt.

Heute habe ich das Ergebnis eines ebenbürtigen Zweikampfes gesehen - ich würde sagen unentschieden:

Mike Frison / renn.tv

Das hat richtig gekracht, die Bahn ist aus der Schiene gesprungen.

Köln | Rechtsabbieger | Lastwagen | Straßenbahn |


Samstag, 09. Juni 2018

Die Autos werden immer sauberer, doch die Luft in den Städten immer schmutziger - wie kann das sein?

In Köln z.B. braucht man keine Messgeräte, man kann es selber spüren wie an bestimmten Tagen die Luft kaum zum Atmen taugt. Gerade als Radfahrer möchte man den Sauerstoff zur Fortbewegung umwandeln, doch die Verbrennerautos lassen kaum noch etwas übrig.

Es gibt nur eine Möglichkeit, dieses Paradoxum aufzulösen: die Schadstoffe der Fahrzeuge bei der Vorbeifahrt messen. Was inzwischen technisch möglich ist:

Remote sensing technology uses various non-intrusive spectroscopic methods to capture a snapshot of exhaust emissions as a vehicle drives through a beam of light at the sampling location along a roadway.

Und auch in einer großen Studie während der letzten Jahre in mehreren Ländern durchgeführt wurde - sie wurde aktuell veröffentlicht.

Sieht nicht gut aus für Diesels:

On average, petrol vehicle NOX emissions are far lower than diesel vehicle emissions. In addition, a much larger share of petrol vehicles emit NOX levels on par with or below their respective standards, even considering that diesel NOX limits were more than three times higher than petrol NOX limits for Euro 3 through Euro 5. In fact, almost no Euro 3 through Euro 6 diesel vehicle family had emissions below the respective type-approval limits, while 23% to 63% of petrol vehicle families had average emissions below their respective limits.

By manufacturer group, Euro 6 petrol vehicle NOX emissions for even the worst manufacturers were within 1.5 times the type-approval limit. For diesel vehicles, even the best manufacturer group had NOX emissions more than double the type-approval limit; vehicles of all other manufacturer groups emitted levels at least four times the type-approval limit; and four manufacturers’ vehicles had average emissions of more than 12 times the type-approval limit.

Da sind jetzt nicht ein Handvoll Autos durchgefahren, das ist schon eine mächtige Datensammlung:

The CONOX dataset currently includes more than 700,000 records and is the largest database of remote sensing measurements collected across European countries.

Der Lichtstrahl-Vorbeifahr-Test sieht sich als Ergänzung zu den bisherigen Messmethoden - ein großer Vorteil ist auch die Sample-Größe. Um Rückschlüsse zu einem bestimmten Fahrzeugtyp zu ziehen, werden viele Fahrzeuge gemessen, statt nur einem. Zum Beispiel der unterste Ausreißer von Fiat Chrysler mit dem 2L Diesel und knapp 1,5 g NOx hatte 52 verschiedene Messungen. Das geht hoch bis 2.600 Fahrzeuge beim 2L VW.

Und es macht deutlich, dass zwar theoretisch die Autos sauberer geworden sind - praktisch aber nicht. Q.e.d.

Dieselgate | Stickstoffoxide | ICCT |


Dienstag, 30. Januar 2018

Wann kommen endlich die autonomen Autos?

Ich kann es kaum abwarten. Die Verkehrsdichte nimmt immer weiter zu, aber ebenso auch die Unaufmerksamkeit der Fahrzeuglenker. Und der Stress - man hat den Eindruck hier in Köln wird das Verhalten täglich aggressiver.

Ich wohne seit 25 Jahren in Köln - der Verkehr hat sich massiv zum Schlechten gewandelt. Von wegen Fortschritt.

Gekniffen sind die Schwächsten in der Kette: Fußgänger und Radfahrer - sowohl platzmäßig als auch im verzweifelten Versuch zwischen den ganzen Aggro-Abgelenkten mit ihren 1,5 bis 2,5 Tonnen Gefährten nicht unter die Räder zu kommen.

Woran ich heute morgen krachend gescheitert bin.

Dieser übersichtliche Kreisverkehr hat den von rechts kommenden PKW offensichtlich so überfordert, dass er den ordnungsgemäß fahrenden Radfahrer mit heller Beleuchtung morgens um 6 Uhr übersehen hat. Ohne die abrupte Flugbahnänderung wäre ich eigentlich geradeaus gefahren:

Wann kommen endlich die autonomen Autos?

Warum sind Straßen nur so verdammt hart? Ich habe zum Glück nur Schürfwunden und Prellungen - ebenso wie mein bedauernswertes Rad:

Wann kommen endlich die autonomen Autos?

Herzlichen Dank an die beiden Damen, die mir zur Hilfe gekommen sind - sie waren sicher auch zu spät auf der Arbeit. Und an den Unfallverursacher die Gedankenanregung, dass man einem Verletzten, den man auf dem Gewissen hat, auch gerne gute Besserung wünschen kann, statt mit vereinten Kräften ihn so schnell wie möglich an Armen und Beinen von der Straße zu ziehen (Real Story).

Menschen haben evolutionsbedingt ein eingeschränktes Sichtfeld von geschätzten 160°. OK, die muss man natürlich erstmal einsetzen, aber geschenkt. Computer - also autonome Fahrzeuge - haben keine Einschränkung. 360° Panoramablick - immer. Mit mehreren Kameras und Radarsystemen (Lidar) und viel schnelleren Reaktionszeiten, als dies ein Mensch je könnte. Kollisionen sind so gut wie ausgeschlossen, während sie heute an der Tagesordnung sind.

Gerade für die Schwächsten - also Fußgänger und Radfahrer - gute (Überlebens-) Aussichten. Und auch für die ganzen noch sinnlos sterbenden Auffahrunfallopfer. Keine Woche, an der hier am Kölner Autobahnring nicht so ein Unfall passiert. Gestern ist auf der A61 ein Polizeiauto in ein Stauende gekracht.

Als Radfahrer würde ich mich jedenfalls im autonomen Verkehr viel sicherer fühlen als mit den menschlichen Honks, die heutzutage hinter’s Steuer gelassen werden.

In other news: Waymo kauft FCA Tausende (!) Chrysler Pacifica ab, um sie autonom fahrend einzusetzen.

Fahrrad | Unfall | Kreisverkehr | Autonom |


Montag, 18. Dezember 2017

Motorradindustrie mit dem Rücken an der Wand.

Dass Motorradfahren angezählt sein wird in Zeiten des autonomen Fahrens, hatte ich ja schon öfter. Jetzt lese ich zum ersten Mal von Industriebeteiligten, dass sie selber fürchten Zweiräder könnten von den Straßen verbannt werden:

The arrival of autonomous vehicles may push motorcycles off the road entirely.

Nicht heute oder morgen, aber wenn autonomes Fahren Überhand gewinnt, wird es schwer.

Robert Pandya:

“There is a very real risk of motorcycling being completely cut out of the conversation for future vehicle infrastructure systems,” the panel concluded. “The single biggest threat to motorcycling overall … will be the incompatibility between autonomous vehicles and existing motorcycles.”

Liest der Mann hier mit?

Erschwerend kommt die Nachricht kommt zu Zeiten, in denen die Motorradindustrie sowieso nach Perspektiven sucht. Denn die Zahlen sind rückläufig und es ist keine Besserung in Sicht. Das ist nicht gut, denn je mehr die Zweiräder in den Hintergrund gedrängt werden, desto einfacher wird es sein sie komplett zu verbannen, wenn die Zeit reif ist.

Anscheinend will der Nachwuchs nicht mehr so gerne Motorradfahren. Und den Entscheidern in der Industrie, die damals® noch von der 50er direkt auf die 1100er umsteigen durften, fehlt die Kreativität und Vorstellungskraft, eine geeignete Ansprache zu finden.

But even those who have built splendid lineups of starter motorcycles, like Honda, are having trouble capturing the attention of potential riders whose free time and disposable income already are occupied by online gaming, streaming video content and other popular outdoor activities such as cycling, mountain biking, hiking or RV camping.

Mein vergeblicher Versuch auf der Intermot letztes Jahr Elektromotorräder zu finden, spricht Bände.

“What we have is cool and fun and genuine and appealing,” he said. “Everyone who does it knows how great it is, and how fun it is. What we’re trying to do here shouldn’t be impossible.”

Die Lösung liegt für mich auf der Hand: Elektro. Solche spaßigen Geräte wie der Eigenbau hier z.B. am Freitag baut die Brücke vom normalen Radfahrer oder Fussgänger zum Motorradfahrer.

Auf der Suche nach Möglichkeiten die jungen Leute anzufixen? Das sind solche kleine Einsteiger-Spaßmaschinen, die den Weg ebnen. Damit meine ich aber nicht diesen Trümmer aus München.

Den Skatepark-Test sollten die Geräte schon überleben: keine schiefen, sondern neugierige Blicke wollen geerntet werden. Und wenn zwei Ex-Zuvi-Fahrer bei Gefriertemperaturen vor lauter Spaß die Zeit vergessen, dann stimmt die Richtung.

Noch eine Sache fällt auf: die eher progressiven Gedanken kommen vorzugsweise aus Amerika. Hier bei uns schnarcht man weiter vor sich bin, bis es zu spät ist. Jetzt ist z.B. der Zeitpunkt gekommen die Gesetzgebung in der Richtung zu lockern, dass elektrische Geräte aller Art die Mobilität aufmischen dürfen.

Das Auto wird beschützt bis zum letzten Atemzug, aber dann stehen wir irgendwann im Vergleich mit anderen Ländern mit ziemlich leeren Händen da.

Motorrad | Motorradindustrie | Mobilität | Zukunft | Pandya |


Donnerstag, 30. November 2017

Köln ist nicht nur in der Bundesliga Letzter: ADAC Verkehrsindex.

Der ADAC hat mal in den 15 größten Städten nachgefragt, was die Leute so vom Verkehr halten: Auto- und Radfahrer, Fußgänger und ÖPNV-Nutzer.

Ergebnis: Köln am Tabellenende.

Köln ist nicht nur in der Bundesliga Letzter: ADAC Verkehrsindex.

In den Kölner Ergebnissen fällt sofort auf: Radfahrer bemängeln das Verhalten der Autofahrer, Fußgänger und Autofahrer das Verhalten der Radfahrer.

Als täglich durch Köln Geher bzw. Fahrer mit allen vier Verkehrsmitteln (zu Fuß, ÖPNV, Rad, Auto/Motorrad/Roller) überrascht mich das nicht, denn die Kölner sind nicht besonders aggressiv im Deutschland-Vergleich - ihnen wird nur kein ordentlicher Raum zugestanden, um sich dem Verkehrsmittel entsprechend fortzubewegen.

Mit dem Auto steht man mehr im Stau als man fährt - mit dem Fahrrad wird man auf lebensgefährliche Weise mit dem übrigen Verkehr vermixt und als Fußgänger ist man gezwungen zu nehmen, was übrig bleibt.

Wer das noch nie in Köln erlebt hat: stellt Euch das konzeptloseste Verkehrsszenario vor, addiert dazu die tägliche Überlastung, tatenlose Polizei und Ordnungshüter und beliebig abgestellte Autos und Lieferwagen: so ungefähr geht das hier ab. Und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer.

Die Konflikte sind Teil des Systems, weil es so designed wurde. Was natürlich nicht zur Entspannung beiträgt - aber leider auch jedes Jahr viele Tote und Schwerverletzte opfert, natürlich überwiegend Radfahrer und Fußgänger.

ADAC | Umfrage | Verkehr | Köln | Mobiltät | Stadtverkehr |


Freitag, 01. September 2017

Peinlich arrogante VW Werbung in Frankreich.

Beim Fußballspiel Frankreich gegen Niederlande gestern (4:0) gab es diese Bandenwerbung:

On ne va pas laisser un pays de cyclistes nous barrer la route.

Übersetzt ungefähr: "Wir lassen uns von einem Land der Radfahrer doch nicht den Weg versperren."

Da hat die Marketingabteilung bei offenem Fenster wohl zuviel Dieselabgase abbekommen - ist kräftig nach hinten losgegangen.

Dieselgate | Volkswagen | Niederlande | Frankreich | Fußball |


Donnerstag, 11. Mai 2017

Ein 51-jähriger Berliner Radfahrer erzählt mal wie das so läuft als Auto-Umsteiger.

Ich muss zugeben, da finde ich mich oft wieder - nicht nur beim Alter:

Ich bin immer seltener Auto gefahren. Die endgültige Trennung kam schleichend, es war kein Paukenschlag. Das Auto ist aus meinem Leben gegangen. Wie ein Werkzeug, das man nicht mehr braucht. Meine damalige Familie war mit der A-Klasse viel unterwegs, doch ich wusste oft gar nicht mehr, wo das Auto parkte.

Seit 6 Monaten verzichte ich selber auch auf das Auto für meinen Arbeitsweg und kombiniere seitdem ÖPNV und Fahrrad. Manchmal fahre ich auch komplett mit dem Rad - sind allerdings dann 60 km hin und zurück - ich muss einmal von Süden nach Norden komplett durch Köln jeden Tag. Motorrad habe ich auch probiert - deswegen kam extra die Hornet in's Haus - aber das kann man ebenfalls vergessen. Die Leute fahren sich morgens und abends so einen Stuss zurecht - da ist man nach der Fahrt erstmal mit den Nerven durch.

Der Radfahrer gefährdet immer zuerst sich selbst, der Autofahrer gefährdet immer andere.

Klar, das erlebt man auf dem Rad in der Großstadt jeden Tag. Dabei profitieren doch die Autofahrer von jedem Radfahrer. Denn würden die auch alle Auto fahren, dann geht eh nix mehr.

Jedenfalls bin ich noch nie soviel Rad gefahren wie in den letzten 6 Monaten - und habe gleichzeitig soviel gelesen wie in den letzten 5 Jahren zusammen. Und natürlich mein Nervenkostüm geschont.

Man muss aber erstmal in's kalte Wasser springen, um sich durch die Details zu fuchsen. Da ergeben sich auf einmal ganz neue Optionen, die einem vorher nicht bewusst waren. Ich kann als Abofahrer z.B. die KVB-Räder kostenlos nutzen. Mach ich auch oft.

Inzwischen bin ich überzeugt, dass wir in den Städten dringend neue Konzepte brauchen. Viele Leute würden auch gerne radfahren, aber werden zu sehr gegängelt und gefährdet, um ernsthaft weitere Strecken zurückzulegen. Es soll ja Städte geben, die reagieren - aber davon ist in Köln leider nichts zu spüren.

Umso mehr freut es mich solche Texte wie den von Christian Storbeck zu lesen - dass auch andere Leute ähnliche Erfahrungen machen.

Oder um Walter Röhrl zu zitieren:

In der Stadt fährt man nicht Auto, sondern Fahrrad.

Commute | Radfahrer | Mobility |


Dienstag, 28. Februar 2017

Innenstadt-Raser mit Todesunfall: Lebenslang.

In Berlin wurden am Montag erstmals zwei Raser (= illegale Autorennen) zu lebenslang verurteilt.

Bei einem ähnlichen Fall in Köln gab es kürzlich nur ein Bewährungsurteil.

Muss man nicht verstehen.

Köln mit dem Fahrrad ist lebensgefährlich - ich erlebe es täglich. Die Verkehrsführung ist teilweise so abenteuerlich, dass man sich wie in einem Selbstmordkommando vorkommt. Ich schließe mich auch regelmäßig der monatlichen Critical Mass an - sehr zum empfehlen. Aber warum jetzt kein Mustang beim Rosenmontagszug vorneweg fahren darf, ist mir zu hoch. Ist doch ein lustiges Polizeiauto.

Wo wir schon bei Radfahren in Köln sind: dieser Blogger arbeitet das Thema akribisch ab - trotz des Ärgers auch mit gutem Unterhaltungswert.


Mittwoch, 02. November 2016

TU Europe Live Blog - ICM München

Die nächsten 2 Tage - Mittwoch und Donnerstag - dreht sich hier alles um Mobilität, denn ich besuche aktuell die TU Europe Konferenz in München.

Dieser Blogpost soll dazu dienen die Konferenz zu begleiten und ich werde ihn ständig erweitern mit den Eindrücken, die ich hier sammeln kann. Also ab und zu den Eintrag neu laden, damit die Inhalte im Browser aktualisiert werden.

Die Konferenz gibt es seit über 10 Jahren und sie wurde gestartet rund um das Thema Telematics. Inzwischen ist sie ausgeweitet worden auf das Thema Mobility - alleine das ist schon eine interessante Tatsache. Die Grenzen zwischen Automobilherstellern und Anbietern von Mobilit verschwimmen zunehmend, daher hat diese Entwicklung heute eine Riesen-Aufmerksamkeit.

Gestartet hat die Konferenz Roger Lanctot von Strategy Analysis:

  • Connected Cars sind abhängig von der Technology (Mobilfunk) - Schätzungen gehen von 50% Connected Cars im Jahr 2019 aus. Das ist noch relativ wenig, weil die andere Hälfte nicht connected ist. Das könnte ein Bremsklotz für die Entwicklung sein. 5G würde das beschleunigen, aber der Roll-Out ist noch recht langsam.
  • OTA - Over the Air Update - ist dazu auch eine Voraussetzung, aber die OEMs hängen noch ziemlich weit zurück. Ausnahme ist Tesla, die Kreise um die Konkurrenz fahren.
  • Automated Driving wird im Moment sehr stark bearbeitet, 61 OEMs, 6 Aftermarket- und 73 Startup Firmen und 8 Development Plattformen beschäftigen sich mit dem Thema. Da ist mächtig viel in Bewegung und wir werden bald mehr davon hören.

Johann Jungwirth von VW (CDO) und Holger Weiss (German Autolabs):

  • Die ersten selbstfahrenden Autos werden bald Realität - etwa 2018/2019. Das wird nicht in Europa starten, sondern US, Singapur und China. Es wird wichtig sein für Europa nicht den Anschluss zu verlieren und da sind die Regierungen gefragt.
  • Viele Unfälle heutzutage sind menschlicher Natur und diese werden sich alle vermeiden lassen.
  • Leute, die bisher kein Auto selber nutzen können - Blinde, Kinder, Ältere, .. - werden in Zukunft ein Auto fahren können - bzw. werden gefahren von dem Auto.
  • VW wird noch diesen Monat eine neue Marke vorstellen rund um das Thema Mobilität - der Name wurde aber noch nicht verraten. Das wird die 13.Marke von VW werden.
  • Alle Resourcen werden im Konzern gebündelt, d.h. man wird auch intensiv mit Audi z.B. zusammenarbeiten.

Von DriveNow - einer Tochterfirma von BMW - war Sebastian Hofelich vor Ort:

  • In Deutschland sind erst 30.000 elektrische Fahrzeuge auf den Strassen.
  • Die Idee ist den ruhenden Verkehr aus den Städten zu verbannen - die Autos werden als Shared Service eine viel höhere Auslastung haben und weniger rumstehen.

Ein i3 steht auch in der Lobby und das Raumangebot im Inneren ist beeindruckend: keine B-Säule mehr und auch kein Getriebetunnel zwischen den Vordersitzen. Mit einer DriveNow Anmeldung kann man sich für relativ kleines Geld zusätzliche Mobilität sichern - und gleichzeitig mal den i3 bzw. ein Elektroauto ausprobieren. Werde ich auf jeden Fall machen, wenn ich wieder in Köln bin.

Von Uber war Christoph Weigler auf der Bühne. Am Interessantesten fand ich die Tatsache, dass Uber keinerlei Hardware entwickeln will und die gesamte Funktionalität auch in Zukunft über das Smartphone erreichen wird - sowohl für Uber Fahrer als auch Passagiere.

Angus Lyon kommt nach der Kaffeepause auf die Bühne und er arbeitet … für Manor F1! Na da sind wir doch zuhause! Er referiert über Telemetrie und Datenübertragung - auch wichtige Punkte in Zukunft für die Mobilität:

  • Manor Racing ist das kleinste Team, sie wurden damals von Virgin 2010 aufgebaut. Der Vorteil ist aber, dass man nicht von einem OEM abhängig ist - man agiert lean and agile.
  • Heutzutage kommen TV Bild, Telemetrie, Team Radio, … alle über den gleichen Datastream. Dafür sind 3 Systeme redundant voneinander aufgebaut.
  • Team Daten addieren sich auf 2 GB pro Rennen. Datenraten sind 100 kHz, aber 1 kHz ist typisch.
  • Der Wettbewerbsvorteil kommt dann erst, wenn die Daten effizient verteilt und ausgewertet werden - auch zuhause in der Basis von allen Rennstrecken der Welt aus.
  • Die Analyse betrifft zuerst Reifen und Fahrwerk, um den Zustand des Wagen ständig zu analysieren. Wenn Benzin weniger wird, wird der Wagen schneller - aber der Reifen baut ab, dadurch wird er wieder langsamer. Das muss man optimieren, um den Reifen nicht zu überfordern.
  • Alle Gangwechsel werden überwacht, um sicherzustellen, dass das Getriebe nicht überfordert wurde.
  • Benzinverbrauch ist natürlich wichtig, nur 100kg Benzin dürfen verbraucht werden.
  • Bremsen werden auch überwacht - zumal die Kühlung so klein wie möglich gehalten werden möchte, um die Aerodynamik nicht zu verschlechtern.
  • Die Aufgabe des Teams ist es zu optimieren, Risiken erkennen, Verbräuche überwachen und die Konkurrenz im Auge zu behalten.
  • Nur 3 Leute an der Strecke und 4-6 zuhause sind für diese Aufgaben eingeteilt.
  • Manor Racing nutzt diese Daten, um einen Vorteil zu gewinnen - denn ihnen ist auch klar, dass sie nicht das schnellste Auto im Feld haben.

Martin Rosell / WirelessCar:

  • C-Connected, S-Sharing, A-Autonomous, E-Electric - diese Buzzwords werden zur Zeit ständig genutzt.
  • Um autonomes Fahren zu ermöglichen, müssen die Fahrzeuge connected werden, überwacht, kontrolliert, analysiert und optimiert werden.
  • Heutzutage sind nur 3-5% aller Fahrzeuge connected.
  • Die Entwicklungszyklen der OEMs sind langsam - ein Grund warum nicht mehr Fahrzeuge vernetzt sind.
  • Volvo Truck nutzt die Technologie schon heute, um schneller auf Fahrzeug-Reparaturen zu reagieren: der Besitzer wird früher gewarnt und die Werkstatt kann sich schon im Vorfeld vorbereiten.
  • Car Sharing könnte auch in kleinerem Scale realisiert werden: nicht mit allen das Fahrzeug teilen, sondern eher mit Freunden und Bekannten - und das könnten alle OEMs schon heute anbieten.
  • Heat Maps helfen die Daten besser zu analysieren und auf das Verbraucherverhalten zu reagieren.

Juergen Daunis / Ericsson:

  • In der Vergangenheit wurden die Netzwerke hauptsächlich für die Bedürfnisse der Verbraucher entwickelt. Heute findet zum ersten Mal ein Umbruch statt, weil neue Netzwerke für die Bedürfnisse der Autoindustrie geschaffen werden.
  • Zukünftig werden überall Sensoren verbaut werden, die den Datenverkehr massiv erhöhen werden. 5G soll das adressieren.
  • Volumen erhöht sich x 1.000 und die Latency stellt hohe Anforderungen an die Geschwindigkeit für kritische Übertragungen.

In der Mittagspause ist mir Holger Weiss (German Autolabs, s.o.) über den Weg gelaufen und ich habe ihn gefragt, wie er zu meiner Motorsport Theorie im autonomen Zeitalter steht:

  • Seiner Meinung nach werden sich Marken wie Porsche oder Audi nach wie vor über die Dynamik differenzieren.
  • Es wäre sogar vorstellbar, dass Fahrspuren für schnelleres Fahren reserviert werden. Berlin - München geht dann in 3 statt in 7 Stunden, kostet aber mehr.
  • Die Entwicklungen von Audi in der Formel E würden ja schon deutlich zeigen, dass trotz E-Mobilität die Hersteller ein Interesse an der Präsenz zeigen.

David Wong (SMMT), Chris Roig-Ramos (BlaBlaCar), Matthew Caudle (Drover), Helmut Ramsauer (Spinpartners) diskutieren über: Auto Brand Loyalty in a Sharing Economy

Interessanter Punkt, weil wie Marken-loyal soll man sein, wenn man sowieso die Services wechselt und das Auto mietet, das gerade verfügbar ist.

  • BlaBlaCar Service wird von 10 Mio. Leuten pro Quartal genutzt. Wenn man zu Viert statt alleine mit dem Auto fährt, dann reduzieren sich für jeden die Fahrtkosten auf 1/4.
  • Ökonomische Argumente werden als wichtiger erachtet gegenüber der Markenanziehung.
  • Marken werden zunehmend unwichtiger - ein Trend, der sich auch aktuell bei den Fluglinien feststellen lässt. Ausschlaggebend ist am Ende der Preis.
  • Die Herausforderung für die OEMs in den nächsten 5–10 Jahren wird darin liegen, den Übergang von klassischem Fahrzeugbesitz zu den zukünftigen Car Sharing Modellen zu bewerkstelligen.
  • Marken und Brands sind nach wie vor essentiell, definieren sich aber eher über die User-Erfahrung und die Qualität der Services, als über klassisches Marketing, wie wir es heute kennen.

Tag 2 meines Besuches auf der TU Europe und ich werde diesen Beitrag weiter fortführen mit Notizen aus den Vorträgen, die ich besuche.

Christoph Stadeler, Facebook

Da fragt man sich, was hat Facebook mit Automotive und Mobility zu tun?

  • Sie skalieren, haben kein Problem 1,7 Milliarden Nutzer zu bedienen - dazu noch WhatsApp, Messenger und Instagram.
  • Marken sind mehr denn je das größte Pfund, das die Autoindustrie hat. Wenn man Größe und Volumen über Produktionszahlen definiert, dann stößt man schnell an Grenzen. Aber eine Marke kann heutzutage viel einfacher Millionen von Nutzern ansprechen und über Facebook verlinken.
  • Facebook sieht sich in einer guten Position die Brücke zu Connected Car zu bauen - weil sie schon mit den User (Auto-Kunden) verknüpft sind.

Chris Reeves (Horiba MIRA) - Autonomous Vehicles - the technical and business challenges:

  • Es wird unterschieden zwischen Automated Car und Connected Car.
  • Standards und Gesetzgebung hinken noch hinterher und sind zu einfach gestrickt. Dadurch kann die komplexe Realität im Verkehr nicht abgebildet werden.
  • Straßen werden nicht nur von Autos genutzt - Fussgänger, Radfahrer, aber auch Tiere kreuzen den Verkehr.
  • Test und Erprobung erfordern neue Methoden - Controlled Environment löst die Teststrecke ab. Wo früher Dauerhaltbarkeit z.B. getestet wurde, werden heute reale Straßensituationen, Ampeln und Kreuzungen abgebildet. Sogar Mobilfunktestzellen werden installiert, um den Datenverkehr zu validieren.
  • Ziel ist die Reproduzierbarkeit während der Erprobungsphasen.
  • Während autonomer Testphasen können auch Fahrzeuge anderer Hersteller die Strecke nutzen, wodurch reale Situationen mit Verkehr abgebildet werden.
  • Trotzdem können Teststrecken nicht die Realität komplett simmulieren - daher sind Tests in öffentlichem Verkehrsraum notwendig.
  • In UK kooperiert u.a. Milton Keynes bei der Umsetzung, um einem Konsortium die Tests zu ermöglichen.
  • Zur Zeit nehmen Ford, JLR und Tata teil.
  • Es gibt Überlegungen, dass für die Abnahme bis zu 10 Mio. Testkilometer nachgewiesen werden müssen - aber das ist noch nicht endgültig entschieden und eigentlich von der Größenordnung zu hoch, um es im Test in akzeptabler Zeit umzusetzen.

Nach seinem Vortrag hatte ich die Gelegenheit Chris Reeves mit Fragen zu löchern.

  • Motorsport wird seiner Meinung nach immer ein Thema sein für die Auto-Industrie, weil das Fahrerlebnis auch immer eine Belohnungs-Komponente beinhaltet (needs to be rewarding). Was auch die einzelnen Brands nutzen werden, um sich voneinander zu unterscheiden.
  • Zusätzlich kommt aber noch die komplette Kundenerfahrung mit der Marke - von Kauf über Service über Connected und Autonom - dazu, um einen Vorteil gegenüber dem Wettbewerb zu erlangen.
  • Das Straßenbild wird auch in Zukunft immer ein Mix sein zwischen manuellem und automatischem Verkehr, denn wir haben eine 100-jährige Geschichte von Fahrzeugen auf der Straße. Die wird nicht von heute auf morgen verschwinden.
  • Für das autonome Fahren ist es nicht zwingend erforderlich, dass Fahrzeuge verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren. Um in der Zukunft aber einen höheren Effizienzgewinn zu realisieren wird die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen höhere Bedeutung gewinnen.

Die letzte Präsentation des Tages war von Michael Wong, Codeplay.

  • Autos werden in der Zukunft ein Gehirn brauchen, das mit enormer Prozessor-Power ausgestattet ist.
  • Ebenso große Anforderungen werden an die Software gestellt, die in der Lage sein muss, die neuen Aufgaben des autonomen Verkehrs abbilden zu können.
  • An AI - Artificial Intelligence bzw. neuronalen Netzen - führt kein Weg vorbei.
  • Bereits heute ist AI im Einsatz, z.B. bei Google Maps. Tesla nutzt diese Technologie ebenfalls.
  • Open Source Sprachen ist der Vorzug zu geben, damit diese gewaltige Aufgabe mit Erfahrungsaustausch untereinander bewerkstelligt werden kann.

Nach dem Vortrag hatte ich Gelegenheit mit Michael zu sprechen. Seine Erklärung, was AI denn sei, geht so: wir Menschen lernen aus Erfahrung - Sachen, die funktionieren, werden im Gehirn verknüpft (neuronal), um sie bei der nächsten Gelegenheit wieder abrufen zu können. Das versucht man im Computer abzubilden - quasi eine gigantische Trial- and Error Datenbank. Das Konzept ist schon viele Jahrzehnte alt, aber erst jetzt sind Computer durch die gestiegene Rechenleistung in der Lage damit sinnvoll umzugehen.

Wichtig in dem Zusammenhang fand er auch die Validierung - also das ausgiebige Testen, ob die Interpretationen des Systems richtig sind.

Das das Ganze auch Gefahren birgt will er gar nicht auschließen. Die Entscheidungsfindung ist im Einzelfall schon so komplex und beinhaltet soviele Paramenter, dass der Mensch mit seinem Gehirn überfordert ist den Werdegang bis zur Entscheidung nachzuvollziehen. In dem Fall ist man dann der Technik ausgeliefert in der Hoffnung, dass sie die richtige Entscheidung trifft.

Dabei kommt natürlich kein Bauchgefühl zum Tragen - das gibt es bei einem Computer mit 0 und 1 nicht. Aber Wahrscheinlichkeiten werden gegeneinander abgewogen, um die Abläufe am Ende richtig in Gang zu setzen.

Ziemlich gruselig, wenn man es sich mal auf der Zunge zergehen lässt, aber wir alle werden damit schon konfrontiert - z.B. bei Google Maps. In Sekundenbruchteilen werden Routen optimiert aufgrund aktualisierter Parameter. Tesla setzt ebenfalls schon auf AI und das Faszinierende bei dem Konzept ist, dass jeder gefahrene Kilometer von allen Tesla Fahrzeugen wieder jedem einzelnen Fahrzeug zugute kommt. Michael vergleicht das mit einem lernenden Baby, das auf einmal auch von der Erfahrung von allen anderen lernenden Babies auf der Welt profitiert. Die Lernkurve steigt in dem Moment natürlich extrem steil und die Geschwindigkeit nimmt rapide zu.

In dem Zusammenhang war es etwas krotesk zu beobachten, dass AI auf der Konferenz kaum eine Rolle gespielt hat - dabei ist es die Schlüsseltechnologie zum Aufbruch in das neue Zeitalter.

TUEurope | Mobility | München | LiveBlog | Mikebericht |


Freitag, 23. September 2016

Radfahren in Köln ist leider lebensgefährlich.

Jedes Jahr viele Tote und Verletzte, aber die Verantwortlichen eiern unglaublich auf der Stelle. Am Mittwoch war Europäischer Tag des Straßentodes und auch die Kölner Polizei hatte sich viel vorgenommen. Wie weit aber Wunsch und Wirklichkeit auseinanderliegen hat der fleissige Marco mal im Detail aufgezeigt, nachdem er sich am Mittwoch die Lage vor Ort angeschaut hatte:

Was deutlich mißfällt: während die Präsenz am ´Aktionstag´ hauptsächlich genutzt wurde, um Radfahrer zu kontrollieren und zu sanktionieren, macht es den Eindruck, als wären die Verkehrsteilnehmer mit dem wesentlich größeren Gefährdungspotential weitestgehend ungeschoren davongekommen. Und manch einer empfindet es halt als Willkür, wenn am Tag des schnellen Straßentodes ausgerechnet fehlende Reflektoren am Rennrad oder Klemmlichter (um 12:00 Uhr) moniert und (freudig!) sanktioniert werden, während direkt daneben (!) Kfz auf dem „Radweg“ parkend geduldet und waghalsige Überholmanöver ignoriert werden. Man hätte sicherlich auch abgelaufene Pflaster im Verbandkasten sanktionieren können – das verhindert den Straßentod im gleichen Sinne. Oder halt nicht. (..)

Ganz ohne Sarkasmus, Köln hat den „Europäischen Tag ohne Straßentod“ leider nicht bewältigen können. Eine junge Frau ist gestern ums Leben gekommen.


Freitag, 09. September 2016

Miketest: Focus RS auf Alpentour.

Ursprünglich wollte ich mit dem Motorrad in die Alpen fahren. Hab ich lange nicht mehr gemacht und nachdem inzwischen die 900er Hornet zum Fuhrpark gehört, stand dem nichts mehr im Wege.

Urlaub war genehmigt, Cheffin zuhause hat auch approved … doch dann kam mir der Gedanke, ob vom Fahrvergnügen so ein Focus RS eigentlich mit einem Motorrad mithalten kann? 350 PS sind doch eine Ansage und die Performance von dem Auto wird auch überall gelobt?

Der Gedanke ließ mich nicht los - also spontan bei der Ford’schen Presseabteilung angefragt. Ich hatte mir wenig Hoffnungen gemacht, das Auto ist doch stark nachgefragt. Ihr könnt Euch meine Überraschung vorstellen, als es dann hieß: Mike, gute Nachrichten, Du kannst den RS haben! Wow. Da wurd ich dann doch leicht nervös, aber der Miketest für das Auto ist sowieso Pflichtprogramm, nachdem das mit dem Fiesta ST so gut geklappt hat. Und ja - versprochen - der nächste Miketest wird ein Nicht-Ford!

Ihr wisst inzwischen, dass ich auch regulär bei Ford in Köln 4 Tage die Woche arbeite und man gibt mir die Freiheit meinen bloggenden Abenteuern freien Lauf zu lassen. Dass sich Ford’s und meine Themen zunehmend stärker überschneiden ergibt für mich völlig neue Möglichkeiten - Le Mans zum Beispiel. Aber auch als der RS zum ersten Mal vorgestellt wurde, das war nämlich auch in Köln - und ich mittendrin.

Kurz antesten konnte ich den Wagen auch schonmal, aber die bevorstehenden 10 Tage waren natürlich ein komplett anderes Kaliber.

Nach der Übergabe zuhause angekommen war die Familie natürlich neugierig, wie sich so ein Geschoss im Alltag benimmt - für mich eine gute Gelegenheit die Familientauglichkeit zu testen. Nach dem Volltanken - denn ich wollte während der ganzen Zeit akkurat den Verbrauch ermitteln - ging es dann am Samstag mit der kleinen Maus im Auto nach Nürburg zum STRaßenfest:

Allerdings musste ich auch vorsichtig sein, um keine Begehrlichkeiten zu wecken - ist mir nicht gelungen:

Wo wir schonmal da sind - dieses Foto durfte natürlich nicht fehlen:

In Merkenich beim Kinderfest waren wir auch:

… und der Wagen hat alles mit Bravour bestanden! Kurze Beschleunigungseinlagen wurden auf der Rückbank sogar mit Begeisterungsausbrüchen quittiert. Ich frag mich von wem sie DAS wohl hat?

Ausgangsbasis für den RS ist der 5-türige Focus, d.h. er bringt alle praktischen Eigenschaften eines Familienautos mit. Platz, Kofferraum, kompakte Abmessungen - alles im grünen Bereich. Und im Normal Modus gelingt die Tarnung sogar ganz gut - man muß schon Insider sein, um den RS als solchen richtig einzuordnen zu können.

Kofferraum ist ein lustiges Thema, denn wenn man ihn öffnet offenbart sich zwischen Spoiler und Antenne echte Maßarbeit:

Insgesamt gibt es 4 Fahrstufen, wobei ich mich nur in 1 (Normal) und 2 (Krawall, bzw. Sport) aufgehalten habe. 3 (Track) und 4 (Drift) sollte man im Straßenverkehr auch eher meiden:

Tag 1 meiner Tour ging erstmal über die Autobahn, das Tagesziel war das Stilfser Joch. In Füssen war Tankstopp:

… und so langsam wurde es bergiger. Und schlössiger:

Ich wurde dann nochmal eingebremst wegen Almabtrieb - sowas kann dauern. Also Pause gemacht und Mals im Vinschgau angeschaut.

Hat mich ein bisschen an Nürburg erinnert, alles voll Pokale:

… Vollgastiere …

… und Profimaterial:

Eine sehr schöne Gegend - gar keine Frage:

Dann ging es weiter, denn ich hatte ja noch was vor und um 19:30 - pünktlich zum Sonnenuntergang - war ich dann vor Ort: am Stilfser Joch.

Es gab kaum Verkehr und mein Herz machte Luftsprünge, als wir endlich Serpentinen jagen durften.

So ein Rheinländer wie ich ist natürlich schwer beeindruckt, wenn die Berge sich mächtig auftürmen - herrlich.

Inzwischen war ich aber auch durch von der Autobahnfahrt - es wurde Zeit sich eine Unterkunft zu suchen. Dank booking.com ging das überraschend gut und ich habe in Sulden einen echten Geheimtipp gefunden: das Hotel Nives - volle Punktzahl:

Das Hotel Nives in Sulden - sehr empfehlenswert! (CLICK for High Res.)

Also wenn Ihr mal in der Nähe seid: das Haus ist 4 Jahre alt, sehr großzügig mit großen Fensterflächen und geräumigen Zimmern und auffallend gut durchdacht.

Die Aussicht vom Balkon:

Die Aussicht vom Balkon des Hotel Nives in Sulden - traumhaft. (CLICK for High Res.)

Ich war natürlich neugierig und es stellt sich heraus, dass der Besitzer Architekt ist - das macht Sinn. Die Preise sind günstig und das Ambiente modern, aber gemütlich.

Ich hatte sogar kurz mit dem Gedanken gespielt 2 Tage zu bleiben, aber ich wollte ja Meter machen - also weiter.

Stilfser Joch komplett war angesagt und die Straße ist natürlich der Hammer. Vor langer Zeit bin ich sogar mal mit dem Rad hoch - nonstop. Würde ich heute nicht mehr schaffen:

Ursprünglich dachte ich, dass das mit dem RS eine Riesengaudi wird, aber war dann doch nicht so. Stellt sich nämlich raus, dass der Lenkanschlag ziemlich begrenzt ist, sodaß man in den engen Kehren entweder zum Ausholer mutiert oder behäbig wie ein Schwertransporter um die Kurven zirkeln muss. Ken Block hätte da weniger Probleme, aber das hab ich mir natürlich gespart. Wobei der respekteinflößende Abgrund auch nicht ganz unschuldig war.

Das war der erste Dämpfer für mein Motorrad vs. RS Experiment, obwohl das mit dem Motorrad natürlich auch mächtig eng ist. Die Autos heutzutage werden aber auch immer breiter, jeder ist mit SUV oder Camper unterwegs - da passt man bei Gegenverkehr kaum noch aneinander vorbei.

Egal - ich war dann oben - und da war vielleicht was los:

Die Radfahrer haben natürlich meinen größten Respekt. Eine schöne Überraschung gab es in der Herberge:

Hier sind wir richtig.

Bei der Suche nach meiner nächsten Unterkunft habe ich dann festgestellt, dass man sich sogar im Refugio einquartieren kann:

Aber den Gedanken habe ich nicht weiter verfolgt.

Nachdem das Stilfser Joch standesgemäß Nfiziert war:

… und der RS passend abgelichtet:

… musste ich wieder aufbrechen. Die Einheimischen fahren übrigens wenig überraschend entweder Defender oder Teneré:

Auf der anderen Seite ging es dann wieder runter und man sollte immer etwas Bremsreserve einbauen:

Was mich auch etwas überrascht hatte, was das hohe Verkehrsaufkommen auf den Pässen:

Überholen ist mit dem Auto ziemlich schwierig, obwohl es dem RS überhaupt nicht an Leistung oder Drehmoment mangelt.

Trotzdem habe ich alles an Pässen mitgenommen, was mir in den Weg kam und da waren einige traumhafte Straßen dabei.

Und wie fährt sich der RS so?

Hier die Antwort als Video:

youtu.be/cU3Jw7fA710

Der Motor ist echt eine Wucht. Das ist jetzt keine Übertreibung, aber es ist von der Beschleunigung her ziemlich egal, ob man berghoch oder bergrunter fährt, so bärig drückt das an. Und bei kleinen Autos mit großem Motor rennt man bei mir ja offene Türen ein. Und dann kann ich auch gut mit Abstrichen leben: die Schaltwege sind etwas lang - Focus halt - und der Schalthebel sitzt komfortabel, aber unsportlich. Das Auto ist innen superleise, dadurch hört man mit empfindlichem Gehört (= also ich) jedes Klappern. Und davon gibt es, dank sportlichem Fahrwerk, einiges.

Das war’s dann aber schon - trotz meiner 2 Meter passe ich super rein und fühle mich wohl. Die heutzutage serienmäßigen Gimmicks sind nicht so mein Fall, ich kann noch alleine Licht einschalten oder den Scheibenwischer bedienen. Aber das ist der Tribut an das Großserienprodukt - im Inneren ist außer Lenkrad, Sitzen, usw. Focus angesagt. Und da die Golf-Liga hart umkämpft ist, ist die Serienausstattung mächtig.

Aber bei dem Wagen geht es ja erstmal um’s Fahren und hier noch ungekürzt die Abfahrt vom schönen Penser Joch - erst im Normal, dann später im Sport-Modus - um beides mal im Vergleich zu sehen:

youtu.be/_ab1_AuJ2jk

Das Penser Joch kann ich übrigens sehr empfehl’N:

Eine flüssige Straße mit wenig Verkehr auf beiden Seiten des Berges, so wünscht man sich das. Der Grund ist wohl die außen rum gehende Bundesstraße, die vom normalen Verkehr gewählt wird. Laut Café-Betreiber gibt es aber auch Ausnahmen, es verirren sich schonmal polnische LKW-Fahrer, die im Navi kürzeste Route eingeben. Gewagter Ansatz in den Alpen!

Nachdem wir über das Hotel von Tag 2 besser nicht reden, wurde meine nächste Unterkunft wieder ein Volltreffer:

Das private Apartmenthaus Residence Reißenschuh in Sterzing. Liebevoll eingerichtete und geräumige Appartments, genau das Richtige für den Mike mit seinem ganzen Technikprüll, der wieder aufgeladen werden will. Und natürlich schnelles WLAN - gaaanz wichtig! Wieder volle Punktzahl, es gibt eine tolle Pizzaria direkt um die Ecke und damit alles zusammen noch ein echter Geheimtipp sowohl für Motorrad- als auch Skifahrer.

Ich hatte mir vorgenommen den Miketest schon im Netz zu haben, bevor ich zuhause ankomme. Und es klappt, denn aktuell sitze ich noch in Sterzing in Südtirol und habe mir Jaufenpass und Timmelsjoch für das Schlussfinale aufgehoben.

Wenn ich daran denke, dass ich den RS Schlüssel am Montag wieder abgeben darf, werde ich schon etwas traurig. Ich glaube wir zwei könnten - besonders hier in Südtirol - ein paar schöne Monate verbringen.

Am meisten beeindruckt mich der Motor: was für ein Kraftpaket. Kann alles: mächtig Kraft von unten raus, richtig Biss in der Mitte und scheut sich auch nicht vor Drehzahl. Die Bremsen sind standfest und kernig, Sound und Fahrwerk gierig und der Allradantrieb rundet das Paket so richtig schön ab: keine Gripprobleme am Kurvenausgang und super Traktion auch bei schlechtem Wetter. Würde ich gerne mal im Schnee ausprobieren! Das clevere Torque-Vectoring, dass einen immer von hinten außen in die Kurven schiebt, macht den Wagen umheimlich schnell.

Der Spritverbrauch hielt sich trotz Attackemodus noch in Grenzen: über 15 Liter bin ich nicht gekommen, aber auch nicht unter 11 Liter. Insgesamt sind es für die genau 1.501 km, die ich bisher gefahren bin mit Volltanken, ebenso genau 197,3 Liter gewesen - also im Schnitt 13,2 Liter. Kann man gut mit leben, vor allem weil ich immer alles rausgeholt habe, was ging.

Aber ich bin dem Auto auch mit Respekt begegnet, denn man wird ganz schnell ganz schnell. In den Händen eines kundigen Fahrers wird die Kombination mit Sicherheit zu einer ernstzunehmenden Waffe. Da werden sich Fahrer mit x-fach teureren Autos auf die ein oder andere Demütigung gefasst machen müssen.

Falls Ihr jetzt Lust auf den RS bekommen habt, es würde mich nicht wundern. Aber Lieferzeiten sind wohl sooo lang, dass man fast von ausverkauft sprechen kann. Hat wohl bei Ford - außer beim Entwicklerteam - keiner damit gerechnet, dass das so ein Kracher wird. Es wird interessant sein zu beobachten, wie die Konkurrenz reagieren wird: gibt es weitere Modelle mit Drift-Modus? Allrad und Torque-Vectoring? Unter 40k €?

Spannende Zeiten, die da auf uns zukommen!

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Montag, 16. April 2012

Übrig Ns vom Montag.
  • Formelautos und Spannung verspricht die FIA schon für 2012 - mit der Formel E.

  • Hier mal ein paar Zahlen der Auflagengröße von Auto-Zeitschriften. Die Auto-Bild hat mehr Käufer verloren, als die sport auto insgesamt hat. Nicht, daß das irgendeine Aussagekraft hätte ;) Wer aber meint, die sport auto - die ja schon seit Jahren auf jedem VLN Auto in den Seitenscheiben klebt wäre mit 50.000 verkauften Exemplaren eher - naja - übersichtlich: die sind 14% runtergegangen auf 43.500. Mit dem Rückgang sind sie ziemlich weit vorne:

(Klick für gross)

  • Wilhelm Hahne hat den VLN #2 besucht.

  • Daß man es als Radfahrer in Köln nicht einfach hat, zeigt das Beispiel hier: die Polizei lässt sich zum Bürgergespräch herab, Thema “Fahrradkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit”. Termin heute, PM dazu am Donnerstag. Das war wohl das Ergebnis des “Hoffentlich-kommt-keiner” Arbeitskreises. (Via.)

  • Am Wochenende wurden die deutschen Big Brother Awards verliehen. Der Innenminister wurde ebenso “geehrt” wie Die Cloud.

  • Die FIA zu Bahrain: alles super. Wie Joe auch kommentiert, das ist ok bis zu dem Moment, wo es fürchterlich schief geht.

  • Da Speedhunters selber die Audis sponsort, ist deren Bericht aus Monza natürlich sehenswert. Die nassen Klamotten von dem armen Fotografen kann man regelrecht spüren, zumindest wenn man selber schonmal bei so Sauwetter hinter der Planke gehangen hat.


Freitag, 03. Juni 2011

Übrig Ns vom Freitag.


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