Vollansicht

Samstag, 13. Juli 2019

Wachstum und Fortschritt - oder Ende der Fahnenstange?

Noch ist von Verzicht nicht viel zu spüren, doch die Erkenntnis arbeitet sich langsam in die Köpfe vor, dass es ohne nicht gehen wird.

Heute in der Süddeutschen Zeitung:

Echter Klimaschutz wird weh tun.

Politikerinnen und Politiker sollen es richten, dafür werden sie gewählt. Sie sollen es aber so tun, dass es nicht wehtut. Wirtschaft und Wohlstand sollen immer weiter wachsen - nach dem Motto: Wasch’ mir den Pelz, aber mach’ mich nicht nass!

Wir haben uns Wohlstand erarbeitet - aber wollen irgendwie nicht wahrhaben, dass dies auf Kosten der Umwelt geschieht. Denn würden wir es einsehen, dann müssten wir ja konsequenterweise darauf verzichten. Und Verlust ist etwas, das der Mensch grundsätzlich vermeiden möchte.

Mike Frison / renn.tv

Also machen wir es uns auf dem Wohlstandsthron bequem - und lassen uns einreden, dass wir dies verdient hätten. Fängt an bei den Kleinigkeiten - mal schnell mit dem Auto zum Bäcker Brötchen kaufen - und setzt sich bei den größeren Sünden fort: Flugreisen zum Beispiel. Oder Motorsport.

Die CO2 Rechnung hatte ich ja schon aufgemacht - da muss man schon mit dem spitzen Stift kalkulieren, um das Budget nicht zu überschreiten. Wer verzichtet schon auf’s Heizen im Winter, um budgetgerecht im Sommer in Urlaub zu fliegen?

Mike Frison / renn.tv

Noch schreckt der Staatsfunk davor zurück, den Leuten reinen Wein einzuschenken. Schleichen um den heißen Brei, reden von Tonnen und Prozent - aber die reale Plus-Minus-Rechnung wird vermieden. Der Grund ist klar: wir leben aktuell weit über unsere Verhältnisse - quasi in Saus und Braus - nicht bereit auch nur einen Zentimeter aufzugeben. Nie wurden in Deutschland soviele SUVs verkauft wie heute.

Mike Frison / renn.tv

Inzwischen spürt zumindest die Autoindustrie, dass der Zenit überschritten ist. Es werden Allianzen geschmiedet, die früher undenkbar waren: BMW und Daimler, VW und Ford. Und die Analysten sagen weitere Zusammenschlüsse voraus.

Die Dynamik gewinnt an Fahrt - und der o.g. Artikel aus der Süddeutschen untermauert, dass mit dem Tabu gebrochen wird, es könne immer so weitergehen. Es sind Einschnitte nötig, die unser aller Leben betreffen werden. Während die Öl- und Verbrennerindustrie verzweifelt die alten Pfründe verteidigt, wird übersehen, dass die Mobilität insgesamt ungesunde Ausmaße angenommen hat und zurück auf Normal reduziert werden will. Das betrifft nicht nur Personen-, sondern auch Warentransporte und es kann nicht schaden, sich darauf schonmal gedanklich vorzubereiten.

Denkt mal ein paar Jahre weiter - und die Hitzesommer noch ein paar Grad heißer, die Regen stärker, die Tornados wütender. Jedes Extremwetter wird die Diskussion weiter anfachen - das Klima ist nicht mehr Theorie, sondern real für alle live zu erleben. Wobei es fast schon makaber ist, sich über Merlot in Rheinland-Pfalz zu freuen, wie es Julia Klöckner kürzlich im Interview gemacht hat.

Man wird auf die Verbrenner mit dem Finger zeigen, auf die SUVs, auf die Vielfahrer, auf die Flugreisenden, auf die Motorsportler. Und wenn das alles nichts hilft, wenn die Grünflächen weiter ausdörren, die Wasser- durch Flüchtlingsströme ersetzt werden, das Wasser knapp wird - dann wird Mobilitätsverzicht sowieso unser kleinstes Problem sein.

Mike Frison / renn.tv

Ich bin mal gespannt, wie sich der Rhein diesen Sommer einpegelt - hier ist ein guter Link für den Wasserstand in Köln.

In Köln beobachte ich in den letzten Jahren eine interessante Entwicklung: immer mehr Menschen verzichten auf ein eigenes Auto, obwohl sie sich das locker leisten könnten. Nicht der fette Klappenauspuffbenz ist cool, sondern der Lastenradpapa, der seine Sprößlinge zur Kita radelt.

Mike Frison / renn.tv

Veranstaltungen wie Critical Mass wachsen kontinuierlich - der Radverkehr nimmt gefühlt ständig zu. Leider bezahlen auch Viele mit ihrem Leben, in Deutschland letztes Jahr mehr als 1 Radtoter pro Tag (445).

Mike Frison / renn.tv

Ich habe zwar wenig Hoffnung, dass sich die Erkenntnis durch alle Schichten durchsetzen wird, aber ich bin dabei. Im Grunde genommen schon seit ich in Köln wohne - also über 25 Jahre.

Mike Frison / renn.tv

Noch ein Punkt lässt mir keine Ruhe: das Bevölkerungswachstum. Wusstet Ihr, dass die Menschheit täglich um 220.000 wächst? Grob gesagt verdoppelt sich die Bevölkerung alle 30 Jahre. Verdoppelt! Das ist ein globales Problem und solange wir in Länder aufgeteilt sind, die nationalistisch - also als Nation egoistisch - denken, wird das nichts mit solidarischem Handeln.

Die Erde an sich juckt das übrigens überhaupt nicht - die überlebt uns ganz locker. Hat schon 4,5 Milliarden Jahre auf dem Buckel - uns gibt es erst so 100.000 Jahre. Auf eine 24h Skala übertragen sind das 2 Sekunden - dieser Film, der die Geschichte des Universums simuliert, gibt einen guten Eindruck. Nimmt man ein Menschenleben - sagen wir 80 Jahre - dann sind das in dieser Analogie ein bis zwei 1/1.000stel Sekunden - worüber reden wir hier eigentlich?

Vielleicht nehmen wir uns alle einfach nur zu wichtig und sind in Wirklichkeit: völlig irrelevant.

Zukunft | Mobilität | Verzicht | Klima | Wohlstand | Radverkehr |


Sonntag, 03. Februar 2019

Fahrverbote bekämpfen - oder: wie ein deutscher Minister dem Volk die Atemluft raubt.

Man bekommt den Eindruck, dass der Verkehrsminister Scheuer Gesetze als lästige Bürokratie empfindet, denn er empfiehlt die Fahrverbote mit allen juristischen Mitteln zu bekämpfen.

Da lässt sich Köln nicht lange bitten, freie Fahrt für fette Verbrenner!

Mike Frison / renn.tv

Lebensqualität, Fußgänger, Radfahrer, Anwohner - alles überbewertet.

Mike Frison / renn.tv

(Radverkehr in Köln, Symbolbild.)

Heute hatte ich so einen Gedanken: das Wort “Fahrverbote” ist ja schon absichtlich negativ gewählt - Verbot ist immer schlecht und die Einschränkung der Freiheit des Einzelnen schwingt schon im Wort mit.

Mike Frison / renn.tv

Man könnte das Ganze auch positiver formulieren, zum Beispiel als “Erlaubnis frische Luft zu atmen.”. Ich kann immer noch nicht nachvollziehen, wie man als Menschheit überhaupt auf die Idee kommen kann, die eigene Atemluft zu kompromitieren. Als Bewohner von Köln bekomme ich die abgeschalteten Abgasreinigungen live mit und es ist eine Zumutung. Gerade jetzt im Winter. Wenn man mit dem Rad unterwegs ist und tief Luft holen möchte - Sauerstoff! - bleibt einem der Atemvorgang fast im Hals stecken. Dabei fahre ich schon große Umwege - zum einen, um die Verkehrsmischung zu vermeiden (siehe hier) - und zum anderen, um den Sauerstoff zu bekommen, den man beim Radfahren halt so braucht.

Mike Frison / renn.tv

Zur Erinnerung: bei λ = 1 beträgt das Luft-Kraftstoff-Verhältnis 14,7:1 - (14,5 bei Diesel) - also etwa 15 m3 für einen Liter Treibstoff. Da haben wir jetzt noch überhaupt nicht über Schadstoffe gesprochen.

Da muss ich immer dran denken, wenn ich irgendwo Leute sehe, die einfach so ihren Motor laufen lassen. Damit sie es schön warm haben zum Beispiel. Lass die Radfahrer doch husten.

Mike Frison / renn.tv

So gesehen bekämpft der Politiker Scheuer mit allen Mitteln die Atemluft der Leute, für die er eigentlich die Verantwortung trägt. Hört sich doch schon ganz anders an als “Fahrverbot”.

Scheuer | Fahrverbote | Köln | Atemluft | Radverkehr |




Neue renn.tv Einträge:
Gesamten Blog komplett anzeigen (Überschriften)

Mercedes Hartmann Hotel am Tiergarten - Café und Restaurant direkt am Nürburgring Reifen Schlag Nürburgring - Rennreifen am Ring 20832 sucht Sponsor-Partner